Akkordeon

Akkordeon, Aerophon (Durchschlagzungen-Instrument, Tasteninstrument), besonders in der Volks- und Tanzmusik beliebtes Instrument, das immer wieder aber auch in der Kunstmusik sowie in der Rock- und Popmusik verwendet wird. Begriffe wie Schifferklavier oder Musette-Akkordeon meinen dasselbe Instrument, während Harmonikas sich zwar nicht in der Tonerzeugung unterscheiden, anders als dieses aber wechseltönig sind, also bei Auseinanderziehen des Balges andere Töne erzeugen als beim Zusammendrücken.

Akkordeon

Piano-Akkordeon (Fotolia)

Äußerlich besteht das Instrument aus drei großen Baugruppen, von denen die äußeren je ein Manual und eine Tonerzeugung beherbergen, während in der Mitte der sprichwörtlich »ziehharmonikaförmige« Balg sitzt, der mit den Manualkästen fest verbunden ist. Der Manualkasten auf der rechten Seite trägt entweder eine Klaviatur mit weißen und schwarzen Tasten – daher die genauere Bezeichnung Piano-Akkordeon – oder aber eine Tastatur mit relativ kleinen runden Tasten – daher Knopfgriff-Akkordeon. Da die in mehreren Reihen angeordneten Knopftasten weniger Platz beanspruchen, ist der Tonumfang eines Knopfgriff-Akkordeons bei gleicher äußerer Größe stets etwas größer als der eines Piano-Akkordeons. Beim Piano-Akkordeon kann der Tonumfang auf der rechten Seite, der Diskantseite, etwa 41 bis 45 Tasten betragen, damit von f bis a3 oder e bis c4 reichen, beim Knopfgriffakkordeon mit bis zu 102 Knopftasten von E bis cis4. Auf der linken Seite, der Basssaite, ist dagegen die Anzahl der Tasten bei beiden Instrumenten-Bauarten gleich, beträgt zwischen nur acht bis zu 140 kleinen in mehreren Reihen schräg angeordneten Tastenknöpfen. Während bei dem herkömmlichen Akkordeon mit den einzelnen Basstasten Akkorde gespielt werden – aus diesem Grund gibt es Tasten für Dur-, Moll-, Septimen- und verminderte Septimenakkorde – gibt es auch Kombimodell, die über zwei Bass-Spielwerke verfügen, von denen eines mit einem Tonumfang von nahezu fünf Oktaven (1E bis cis3) das Spiel von Einzeltönen erlaubt; entsprechen groß ist die Zahl der Knöpfe, die die Größe von 185 erreichen kann.

Knopfakkordeon

Knopfakkordeon (Fotolia)

Die Töne selbst werden von Metallzungen erzeugt, die gemeinsam auf so genannten Stimmplatten befestigt sind und in rechteckigen Stimmschlitzen frei schwingen können. Damit sowohl bei Zusammendrücken wie bei Auseinanderziehen des Balges derselbe Ton erklingt, sind für jeden Ton zwei Zungen notwendig, da Durchschlagzungen nur durch Luftdruck aus einer Richtung ansprechen; genutzt wird also sowohl die Druck- als auch die Saugwirkung der Luft. Die Druckluft wird vom Balg bereitgestellt, der bei entsprechender Handhabung ein dynamisch äußerst differenziertes Spiel erlaubt. Am Übergang zwischen Balg und der eigentlichen Tonerzeugung befinden sich Resonanzkästen mit auf die Stimmplatten wirkenden Stimmstöcken. Die Spielmechanik selbst ist von größer feinmechanischer Komplexität.

Um den Klang der erzeugten Töne in Grenzen verändern zu können, verfügen größere Instrumente über wenigstens drei Register-Wippen, oft aber über wesentlich mehr. Mit den Registern sind beispielsweise Stimmkopplungen möglich, es werden aber auch aus Leder oder Filz bestehende Dämpfer der Zungenbewegung damit eingeschaltet. Der Klang des Instrumentes ist obertonreich und von einer gewissen Schärfe, die durch die Dämpfung allerdings gemildert werden kann.

Der Balg eines Akkordeons wird aus mit Leinen überzogenen Karton gefertigt, die Kanten mit dünnen Metallstreifen verstärkt; um den Balg zusammendrücken zu können, ohne einen Ton zu erzeugen, gibt es einen seitlich an einem Manualkasten befindlichen Knopf, der die Luft direkt entweichen lässt. Die Manualkästen werden aus Holz gebaut und in den meisten Fällen mit farbigem Celluloid überzogen.

In jüngerer Zeit wurden Akkordeons zunächst mit einem MIDI-Interface ausgerüstet, dann auch mit einer auf Physical Modeling beruhenden Tonerzeugung; sukzessive ging der Anteil der mechanischen Bauteile in einem Akkordeon zurück, da das Instrument nur noch als Geber für die Elektronik eingesetzt wird. Damit sind dem Akkordeon auch völlig andere Klangwelten erreichbar. Spezielle Ausführungen des Instrumentes, etwa Bariton- oder Bassinstrumente mit nur einem Manual, können damit ersetzt werden.

Während das Knopfgriff-Akkordeon schon im 19. Jahrhundert aus der Hand-Äoline entwickelt wurde, wurden Piano-Akkordeons erst nach 1900 gebaut. Seit der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre gibt es Instrumentalensembles, die ausschließlich Akkordeons einsetzen. Zumal in Deutschland ist das Instrument beliebt, und mit der Akkordeonbaufirma Hohner in Trossingen befindet sich hier einer der bedeutendsten Hersteller des Instrumentes, dessen Engagement über den bloßen Bau und Verkauf von Instrument weit hinaus geht.