Aulos

Aulos, altgriechisch für »Röhre«, Aerophon (Blasinstrument, Holzblasinstrument), in der griechischen Antike gebräuchliches Doppelblasinstrument; da stets zwei der Blasinstrumente gleichzeitig gespielt wurden, nannten die Griechen es in der Pluralform Auloi.

Es handelt sich dabei um zwei Einhand-Blasinstrumente, von denen der Spieler in jede Hand eines nahm. Angeblasen wurden die Röhren mittels eines Einfach- oder Doppelrohrblattes. Ob es auch Auloi in Flötenform gab, ist nicht geklärt, aber möglich. Jedes der einzelnen Instrumente hatte höchstens vier Grifflöcher; vermutlich wurde auf einem Instrumente eine Melodie von geringem Ambitus, mit dem anderen lediglich Borduntöne gespielt. Der Spieler steckte die Rohrblätter in den Mund, nahm sie also nicht zwischen die Lippen; die Mundhöhle fungierte als Windkapsel. Um zu verhindern, dass sich die Backen aufgrund des erforderlich hohen Blasdrucks aufblähten, trugen Aulos-Spieler häufig eine Mundbinde, die hinter dem Nacken verknotet war.

Der wohl aus Kleinasien stammende Aulos war bis ins Mittelalter gebräuchlich, erfuhr aber diverse Modifikationen bis hin zum Einzelinstrument mit angesetzter Stürze. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich auch die soziale Stellung des Instrumentes mehrmals, war in der Antike einerseits verpönt, andererseits gab es Organisationen von professionellen Aulos-Spielern. Mit dem Erstarken des Christentums, in dem der Aulos als heidnisches Instrument angesehen wurde, verlor das Instrument an Bedeutung und geriet schließlich außer Gebrauch.

Wenn der Aulos auch kaum noch zu hören ist, und auch unbekannt ist, wie er tatsächlich geklungen hat, kann man aus der Konstruktion ablesen, dass er einen scharfen, beinahe »krähenden« Klang gehabt haben muss, keineswegs also eine wohlklingende Doppelflöte war. Mitunter treten in Filmen mit entsprechender historischer Thematik Aulos-Spieler auf, so etwa in dem Film »Agora – Die Säulen des Himmels« (2009; Regie Alejandro Amenábar) um die Mathematikerin und Philosophin Hypatia.