Bandoneon

Bandoneon, auch Bandonion, von Heinrich Band (* 1821, † 1860) aus der Konzertina entwickelte Handharmonika; das Instrument spielt im argentinischen Tango eine unerlässliche Rolle.

Das Bandoneon ist äußerlich im Prinzip wie eine Handharmonika geformt, doch sind die Spielkästen, die neben den Knopftastaturen auch die Tonerzeugung enthalten, quadratisch geformt. Der wesentliche Unterschied zu anderen Harmonikainstrumenten – also auch zum Akkordeon – besteht darin, dass mit den Knöpfen auf der Bass-Seite nur Einzeltöne ausgelöst werden. Um Akkorde zu spielen, muss der Instrumentalist also mehrere Knöpfe gleichzeitig drücken. Die Instrumente werden in zwei Ausführungen hergestellt: diatonisch und chromatisch. Das diatonische Bandoneon ist wechseltönig, das heißt, dass bei Druck auf den Balg ein anderer Ton als beim Zug erklingt. Dies ist die Ursache dafür, dass Bandoneonisten, die dieses Instrument bevorzugen, beim Spiel eigentümlich »zappelnde« Bewegungen vollführen müssen; beim chromatischen Instrument ist dies nicht notwendig, wenn auch überzeugte Bandoneonisten diese Instrumente eher ablehnen. Die Tonerzeugung selbst beruht wie bei Handharmonikas und beim Akkordeon auf durchschlagenden Metallzungen; die Luftzufuhr wird durch einen Faltenbalg gewährleistet.

Bandoneon

Bandoneon (Fotolia)

1924 wurden auf einer zentralen Tagung der Harmonikaverbände bestimmte Maßgaben für ein »Einheits-Bandonion« festgelegt: Es hatte im Bass 35 Knöpfe, also 70 Töne, im Diskant dagegen 37 Knöpfe, also 74 Töne. Der Tonumfang dieses Instrumentes reicht im Bass von C bis b1 und im Diskant von g bis a3. Der Klang ist insgesamt weicher als der eines Akkordeons. Die Ausdrucksfähigkeit des Bandoneons ist enorm und reicht an den der Violine oder des Pianos – allerdings in der Hand eines wirklichen Virtuosen.
Das Bandoneon ist zwar beinahe obligat in Tango-Ensembles vertreten, nimmt aber dennoch eine eigentümliche Stellung zwischen Tanzmusik und Kunstmusik ein. Nicht zuletzt durch die Werke von Komponisten wie Astor Piazolla und Mauricio Kagel wurde diese Zwischenstellung gefestigt.

Werke

Mauricio Kagel. Bandoenonpiece (1960)
Maruricio Kagel: Tango Alemán (1978)