Blockflöte

Blockflöte, italienisch: flauto dolce, französisch: flûte à bec, englisch: recorder, Aerophon (Blasinstrument, Flöte, Kernspaltflöte), Längsflöte, die in verschiedenen Bauformen weltweit verbreitet ist; in Europa ist sie seit der Antike bekannt.

Sopranblockfloete-Teile

Die Teile einer Sopranblockflöte (Fotolia)

Blockflöten werden aus Hartholz wie Buchsbaum, Ahorn, Ebenholz, Birne, Olive, Rosenholz, Palisander und Grenadill, aber auch aus Elfenbein und in jüngerer Zeit aus Kunststoff gefertigt. Je nach Größe besteht die einzelne Flöte aus zwei oder drei Teilen: Kopfstück mit dem Schnabel, Mittelstück und Fußstück mit dem Schalltrichter. Die einzelnen Teile werden zusammengesteckt, wobei das in das jeweils obere Teilstück ragende Stück Zapfen genannt wird; zur Abdichtung ist der Zapfen mit einem Streifen dünnen Korks ummantelt. Die Blockflöte weist eine umgekehrt konische Bohrung auf und hat auf der Vorderseite sieben Grifflöcher, auf der Rückseite ein Daumenloch; Blockflöten tiefer Lage – und deshalb große Instrumente – werden mit Klappen ausgestattet, um die Löcher erreichbar zu machen.

Blockfloete-Mundstueck

Kopfstück (Schnabel) einer Sopran-Blockflöte. Das helle Stück Holz ist der Block, der den Instrumenten ihren Namen gibt.

Das Kopfstück besteht aus zwei Funktionseinheiten: Dem Schnabel und der eigentlichen Tonerzeugung. Der Schnabel besteht aus einem schnabelförmig geschnitten Stück Rohr, in das der Block eingepasst ist. Der Block lässt nur einen schmalen Spalt – deshalb auch der Name Kernspaltflöte – im Rohr frei, durch den die Luft auf das Labium, das den Ton erzeugt, trifft. Der Spieler erzeugt den Ton also nicht wie bei den Polsterzungeninstrumenten (Blechblasinstrumente) mit seinen Lippen, nimmt auch nicht das tonerzeugende Element wie das Blatt bei Einfach- und Doppelrohrblatt-Instrumenten in den Mund, sondern bläst lediglich Luft auf die Schneide des Labiums. Oberhalb des Labiums ist das so genannte Fenster geschnitten; hier kann die Luft austreten. Trifft der Luftstrom auf das Labium, so sorgt der von diesem hervorgerufene Wechsel von Überdruck und Unterdruck in der Röhre, dass die in ihr befindliche Luft in Schwingung gerät. Das indirekte Anblasen hat zwar den Nachteil, dass der Spieler den Ton nicht direkt beeinflussen kann, doch haben sich im Laufe der Jahrhunderte diverse Spieltechniken herausgebildet, die der Blockflöte eine Ausdrucksfähigkeit geben, die der anderer Instrumente kaum nachsteht.

Blockfloeten

Von links: Tenor-, Alt-, Sopran- und Sopraninoflöte (Fotolia)

Die Blockflöten bilden eine Familie, die im Kern aus Instrumenten der Lagen Sopran, Alt, Tenor und Bass besteht; Sopran- und Tenorblockflöte sind in C gestimmt, Alt und Bass in F.

Der Tonumfang der Sopran-Blockflöte reicht von c2 bis c4, der der Alt-Blockflöte von f1 bis g3, der der Tenor-Blockflöte von c1 bis c3 und die Bass-Blockflöte hat einen Tonumfang von f bis b1. Es werden auch Instrumente höherer und tieferer Lage hergestellt, also etwa Sopranino einerseits, Großbass und Subbass andererseits.

Die barocken Blockflöten haben zwei Grifflöcher, die als Griffmulden mit je einer Doppelbohrung ausgebildet sind. Diese dienen dazu, tiefe chromatische Töne leichter spielen zu können. Um diese vor allem für Kinder nicht ganz einfache Spieltechnik zu vermeiden, wurden Flöten gebaut, bei denen die Doppellöcher durch einfache Löcher ersetzt wurden und Gabelgriffe unnötig sind. Mit dieser so genannten deutschen Griffweise sind aber nur einfache Instrumente ausgestattet; in der professionellen Instrumentalausbildung werden diese Instrumente nicht benutzt.

Flöten in der Blockflöten-Bauweise sind in Europa zwar seit der Antike bekannt, doch erst im Mittelalter fand das Instrument größere Beachtung. In der Renaissance erfuhren die Blockflöten eine Vereinheitlichung, und es wurde eine Familie gebildet. In der Barockzeit hatte die Blockflöte größte Bedeutung, wurde ab Mitte des 18. Jahrhunderts aber zunehmend von der Querflöte verdrängt. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Instrument wieder stärker in der Musikpädagogik genutzt. Seit dem Zweiten Weltkrieg, nicht zuletzt Dank der wachsenden Bedeutung der Alten Musik, gehört die Blockflöte zum engeren Kreis der Virtuoseninstrumente, meist als exakte Kopien alter Flöten. Zu den herausragenden Blockflötisten der jüngeren Zeit zählen etwa Frans Brüggen, Michala Petri, Dorothee Oberlinger und Maurice Steger.

Das Repertoire für die Blockflöte ist unüberschaubar. Herausragende Werke stammen etwa von Allessandro Scarlatti, Antonio Vivaldi, Jean Baptiste de Boismortier, Jacques-Martin Hotteterre, Georg-Philipp Telemann, Johann Mattheson, Georg Friedrich Händel, Giuseppe Sammartini und Johann Sebastian Bach; auch gibt es diverse Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich nicht für die Blockflöte gedacht waren.

Die Blockflöte gilt als leicht erlernbares Instrument. Tatsächlich lässt sich in den Grundzügen das Spiel der Blockflöte leicht erlernen, erst recht in der sinnfälligen deutschen Griffweise, nicht umsonst spielt die Blockflöte eine kaum zu überschätzende Rolle in der Musikerziehung. Das avancierte Spiel des Instrumentes aber ist äußerst schwierig, erfordert ein hohes Maß an Körperkoordination – wozu nicht nur der Fingersatz gehört, sondern auch die Beherrschung der Atemtechnik –, ein großes Wissen über das Instrument und seine Spielweise und schließlich ein gewisses Maß an Experimentierfreude.

Diskografie

The Beatles: Magical Mystery Tour (1967)
Natalie Merchant: Leave Your Sleep (2010)