Harmonium

Harmonium, englisch: Pump Organ, Reed Organ, Cottage Organ, Aerophon (Blasinstrument, Tasteninstrument), orgelähnliches Harmonika-Instrument, bei dem zur Tonerzeugung Durchschlagzungen aud Metall verwendet werden.

Das gesamte Instrument ist in einem Kleinklavier ähnelnden Gehäuse untergebracht. Auffällig sind die beiden am Fuß des Gehäuses eingebauten Pedale, die der Spieler selbst im Wechsel tritt und damit Luft in einen Magazinbalg pumpt. Der Magazinbalg wird seinerseits von einer Feder zusammengedrückt und lässt über ein Ventil Luft gleich bleibenden Drucks in die Windlade einströmen. Je nach Ausstattung des Harmoniums mit weniger oder mehr Registern führen aus der Windlade in den so genannten Stimmstock, der Tonerzeugung des Harmoniums. In dem Stimmstock wird die Luft entsprechend der Registerzahl des Harmoniums auf mehrere Kanäle verteilt; die Kanäle könne durch die mit den Registerzügen am Spieltisch verbundenen Ventile geöffnet oder geschlossen werden. Sind sie geöffnet, so strömt die Luft auf die Zungen und regt diese zur Schwingung an, sofern die ebenfalls an der Tonerzeugung, der Tonkanzelle, angebrachten Spielventile durch die Tastatur geöffnet werden. Da die Luft erst im Moment des vom Spieler verursachten Tastendrucks auf die Zungen strömen kann, beginnen diese erste wenig später zu schwingen, der Ton setzt also immer mit einer leichten Verzögerung ein.

Ein Harmonium hat üblicherweise einen Tastaturumfang von fünf Oktaven und reicht im Tonumfang von C bis c4, das so genannte Normal-Harmonium, ein in wesentlichen Teilen standardisiertes Instrument, von F bis f4. In der Regel hat ein Harmonium mehrere Register in den Fußlagen 2’, 4’ 8’ und 16’, oft mit den Namen von Registern herkömmlicher Pfeifenorgeln bezeichnet. Auch können einige Effektmechaniken eingebaut sein, häufig beispielsweise ein Tremulant, mitunter auch ein durch Kniehebel zu betätigender Schweller.

In Europa wurden vor allem auf Druckluft anschwingende Zungen eingebaut, in den USA bevorzugte man Zungen, die von Saugluft angeregt werden. Der Ton des dann auch »Amerikanische Orgel« genannten Harmoniums ist etwas leiser und der Klang weicher als der der europäischen Instrumente. Insgesamt ist der Klang eines Harmoniums nicht mit dem einer Pfeifenorgel zu vergleichen, wenn die Instrumente auch zumeist als Ersatz für eine Pfeifenorgel verwendet wurden. Der stets etwas gepresst wirkende, leicht zitternde Klang eines Harmoniums wird von Zuhörern oft mit Melancholie und Trauer verbunden, nicht zuletzt, weil diese Instrumente eben häufig in Friedhofskapellen zum Einsatz kamen und kommen.

Kleines Harmonium indischer Bauart

Kleines Harmonium indischer Bauart (Fotolia)

Das Harmonium wurde 1840 von dem Franzosen Alexandre François Debain (*1809, † 1877) unter diesem Namen präsentiert, doch war sein Instrument in einer Kette von Vorläufern und Nachfolgern lediglich das, das als erstes als Harmonium bezeichnet wurde. Vorher gab es bereits mit der Äoline, der Orgue expressif und der Physharmonika Instrumente mit ähnlicher Tonerzeugung. Auch das Harmonium Debains erfuhr im Laufe des späteren 19. Jahrhunderts diverse technische Verbesserungen, bis es nach dem Zweiten Weltkrieg von den elektronischen Orgeln nahezu völlig verdrängt wurde. Mit den so genannten Unplugged-Konzerten etablierter Rock- und Popmusiker bei dem Musik-Fernsehsender MTV hat sich seit den 1980er-Jahren indes ein neues Einsatzgebiet eröffnet, denn bei diesen Konzerten werden gar nicht selten Harmoniums eingesetzt.

In der Musik Indiens wird häufig ein kleines Harmonium verwendet, dessen Balg vom Spieler mit der Hand betätigt wird. Auch dieses Instrument ist gelegentlich in der westlichen Popmusik anzutreffen.

Diskografie

The Zombies: Butcher’s Tale (Western Front 1914)
Paul McCartney: Unplugged (The Official Bootleg) (1991)
Eric Clapton: Unplugged (1992)
10,000 Maniacs: MTV Unplugged (1993)
Dredg: The Pariah, The Parriot, The Delusion (2009)