Klarinette

Klarinette, italienisch über lateinisch von clarus für »klar, hell«, Aerophon (Blasinstrument, Holzblasinstrument, Einfachrohrblatt-Instrument), aus früheren Einfachrohrblatt-Instrumenten wie dem Aulos über den Chalumeau entwickeltes Holzblasinstrument.

Klarinette

Klarinette (Fotolia)

Die aus Holz wie Grenadill, in jüngerer Zeit auch aus Kunststoff gefertigte Klarinette, besteht aus mehreren Teilen, dem Mundstück, der Birne, dem Oberstück, dem Unterstück und dem Becher. Insgesamt ist das Instrument etwa 66 Zentimeter lang.

Klarinette-Teile

Teile der Klarinette (Fotolia)

Äußerlich stellt die Birne zwar eine Verdickung dar, und auch der Becher läuft hyperbolisch aus, doch ist das Rohr des Instrumentes zylindrisch gebohrt. Auf dem Mundstück aus Kautschuk, Holz oder auch Kunststoff ist das Rohrblatt, ein Einfachrohrblatt entweder aus dem Schilf Arundo donax oder aus Kunststoff, mit einer Zwinge befestigt; früher wurde für die Befestigung des Blattes eine Schnur verwendet. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde das Mundstück mit nach oben gerichtetem Blatt gespielt (Übersichblasen), spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts wird das Blatt nach unten gerichtet (Untersichblasen). Die Birne kann für das Stimmen der Klarinette verwendet werden, in dem Birnen unterschiedlicher Länge eingesetzt werden. Zum Stimmen kann aber auch das Mundstück mehr oder weniger weit herausgezogen werden.

Klarinette-Mundstueck

Klarinettenmundstück mit Blatt (Fotolia)

Da die Klarinette eine durch das Mundstück einseitig geschlossene Röhre ist, klingt sie eine Oktave tiefer als es der Länge der Röhre entspricht. Das Instrument überbläst in die Duodezime, doch sprechen beim Überblasen nur die ungeradzahligen Obertöne an. Aufgrund dieser Eigenart klingt das Instrument in seinen verschiedenen Registern auch unterschiedlich: Im tiefen Register, dem so genannten Chalumeau-Register, klingt sie dunkel, im mittleren, dem Clarin-Register eher hell und strahlend, im hohen Flageolett-Register annähernd wie eine hohe Flöte, mitunter geradezu grell.

Die Klarinette ist ein transponierendes Instrument, sieht man einmal von der Klarinette in C ab. Am häufigsten wird die Klarinette in B mit einem Tonumfang von d bis b3 und die Klarinette in A verwendet, während die Klarinette in C seltener eingesetzt wird. Neben der Klarinette in engerem Sinn gibt es auch höhere Klarinetten, so die D oder Es sowie tiefere, also die Altklarinette, die Bassklarinette und die Kontrabassklarinette. Von diesen Instrumenten fand nur die Bassklarinette einen Platz im Orchester. Auch das Bassetthorn ist eine Klarinette, findet aber wie die Altklarinette und die Kontrabassklarinette nur gelegentlich Verwendung.

Die Klarinette entstand aus dem Chalumeau, als um 1700 der deutsche Instrumentenbauer Johann Christoph Denner (* 1655, † 1707) die Bohrung des Instrumentes erweiterte und ein Überblasloch anbrachte. Durch weitere Klappen konnte das neue Instrument weiter verbessert werden, doch ein in größerem Maße befriedigendes Instrument gelang erst 1809, als der in russischen Diensten stehende deutsche Klarinettist Iwan Müller seine Clarinette omnitonique vorstellte, die mit 13 Klappen versehen war. Müller hatte insgesamt das Klappensystem verbessert, in dem er die Löcher ein wenig in das Holz des Instrumentes versenkte und die Klappen mit Lederpolstern versah. Auf Müller geht auch die Verwendung der Blattschraube zurück.

Obwohl Müllers neue Klarinette nicht nur auf Zustimmung stieß, wurde sein Instrument zum Vorbild für weitere Entwicklungen. 1839 übernahmen die Franzosen Hyacinthe Eléonore Klosé und Louis Auguste Buffet das Boehm-System von der Querflöte für die Klarinette. Diese Klarinette ist seitdem vorrangig in den romanischen Ländern, in Großbritannien und den USA in Gebrauch. Der deutsche Instrumentenbauer Thomas Mollenhauer konstruierte auf der Grundlage des deutschen und des französischen Systems die so genannte Deutsche Normal-Klarinette. Das heute vor allem in den deutschsprachigen Ländern verwendete Klappensystem geht auf den deutschen Klarinettisten und Instrumentenbauer Oskar Oehler (* 1858, † 1936) zurück.

Die Klarinette konnte sich innerhalb weniger Jahrzehnte einen festen Platz im Orchester erobern, wenn sie zunächst auch in recht beschränkter Weise eingesetzt wurde: man bevorzugte das hohe Register und verwendete dem entsprechend das Instrument nicht allzu häufig. So wurde sie bis Ende des 18. Jahrhunderts als zweites Instrument von den Oboisten gespielt. Aus der technischen Weiterentwicklung des Instrumentes ergab sich auch eine breitere Möglichkeit in der Anwendung, so dass die Klarinette nicht nur obligat im Orchester verwendet wurde, sondern sich auch eine Solo-Literatur entwickeln konnte. So erregte das Instrument noch Ausgangs des 18. Jahrhunderts das Interesse von Komponisten wie Carl Stamitz und Wolfgang Amadeus Mozart. Da der Klang der Klarinette dem romantischen Ideal entsprach, wurde es Anfang des 19. Jahrhunderts neben dem Horn zum zentralen Blasinstrument. Von dieser vorrangigen Stellung zeugen eine Vielzahl von Werken, die für die Klarinette geschrieben wurden, unter anderem von Carl Maria von Weber, Louis Spohr und Johannes Brahms. Im 20. Jahrhundert komponierten etwa Darius Claude Debussy, Darius Milhaud und Aaron Copland, später Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann und Wolfgang Rihm für das Instrument.

Von größter Bedeutung ist die Klarinette für die Volksmusik der Welt und den Jazz. Bereits im 19. Jahrhundert wurde sei zum wichtigsten Instrument in der Volksmusik des Balkans, ist zentrales Instrument in der Klezmer-Musik, gehört zur Besetzung jedes Militärmusikzuges und beinahe jeder Blaskapelle, die sich nicht ausdrücklich auf Blechblasinstrumente beschränkt. Der Jazz hat eine Reihe namhafter Solisten hervorgebracht, darunter Jonny Dodds, Sydney Bechet, Jimmy Giuffre, Benny Goodman, Woody Hermann, Eric Dolphy, Michel Pilz; erst nach 1950 wurde das Instrument langsam vom Saxophon, insbesondere dem Altsaxophon aus seiner Stellung verdrängt. Einzig und allein in der Rockmusik führt die Klarinette ein Schattendasein, tritt wohl in Stilzitaten immer wieder auf – so etwa bei den Beatles –, doch gibt es nur wenige Rockmusiker, die das Instrument überhaupt spielen, so etwa Walter Parazaider von der amerikanischen Rockgruppe Chicago oder Mick Karn von der englischen Rockband Japan. Einige Male hat auch Patty Smith zur Klarinette gegriffen.