Kontrafagott

Kontrafagott, Kontrabass-Instrument der Fagott-Familie, Aerophon (Holzblasinstrument, Doppelrohrblattinstrument), englisch: double bassoon oder contrabassoon, französisch: contrebasson, italienisch: contrafagotto; das Instrument klingt eine Oktave tiefer als das Fagott.

Tiefer als das normale Fagott klingende Instrumente gab es bereits seit etwa 1600. Gelegentlich wurden Fagotte in tieferer Lage benötigt, so schrieb etwa J.S. Bach ein solches Instrument in der »Johannes-Passion« vor. Wirkliche Bedeutung hatten sie allerdings bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vor allem in der Militärmusik. Auch in Werken von J. Haydn (»Die Schöpfung«), L. van Beethoven (9. Symphonie, »Fidelio«) und W.A. Mozart (Bläserserenade B-Dur KV 361) gibt es Partien für das Instrument, doch waren die damaligen Kontrafagotte schwer zu spielen und überzeugten letzten Endes nicht. Auch waren die Barockinstrumente analog zum Fagott gebaut, also nur einmal geknickt; so erreichten die tiefen Fagotte Längen von etwa drei Metern.

Erst nach 1876 setzte die Firma Heckel den bis dahin erfolgten mehr oder weniger gelungenen Experimenten mit der Bauform des Instrumentes ein Ende und entwarf den Prototypen des weitgehend bis heute üblichen Kontrafagottes.

Um eine Oktave tiefer als das Fagott klingen zu können, muss die Gesamtlänge der Röhre über 5 Meter betragen. Heckel verteilte diese Länge auf mehrere Röhren, so dass sich insgesamt drei Knicke ergaben, die bei dem ansonsten aus Holz (Ahorn, Palisander) bestehenden Kontrafagott mittels U-förmiger Rohrstücke aus Messing ausgeführt sind. Auch fügte der Instrumentenbauer an die letzte Röhre eine leicht gebogene metallene Stürze an, dies, um den Tonumfang nach unten zu erweitern. Die Gesamtlänge der Röhre beträgt somit insgesamt etwa 593 Zentimeter. Aufgrund dieser Länge ist das Kontrafagott so schwer, dass es mit einem auf den Boden aufsetzenden Stachel abgestützt werden muss. Der Spieler sitzt direkt vor dem Instrument. Das Rohrblatt des Kontrafagottes ist zwar geringfügig größer als das des Fagottes, wird jedoch in gleicher Weise hergestellt und besitzt auch in etwa dieselbe Form. Die Klappenmechanik entspricht der des Fagottes, auch hier gibt es das Heckel-System und das Buffett-System.

Das Kontrafagott hat einen Tonumfang von etwa 2A bis c1; das in C gestimmte Instrument wird eine Oktave höher notiert als es klingt. Naturgemäß gibt es für das Kontrafagott nur wenige Kompositionen, in denen es zentral eingesetzt wird. Zu diesen zählen Konzerte von Gunter Schuller, Donald Erb und Kalvi Aho. Wenn das Kontrafagott im Orchester benötigt wird, wird es meist vom dritten Fagottisten gespielt. In Jazz, Rock und Pop Music spielt das Instrument keine Rolle.