Oboe

Oboe, Aerophon, Holzblasinstrument, Doppelrohrblattinstrument aus Holz, mit enger, beinahe zylindrischer Bohrung, französisch: hautbois, englisch: oboe, italienisch: oboe; der deutsche Name geht auf den französischen Namen zurück, der so viel wie »hohes Holz« oder auch »lautes Holz« bedeutet.

Oboe (Fotolia)

Oboe (Fotolia)

Vorläufer der modernen Oboe sind in der Volksmusik zu finden; bei diesen Instrumenten, den Schalmeien, wird das Doppelrohrblatt allerdings meist über eine Windkapsel angeblasen. Aus der Schalmei wiederum entwickelte sich Anfang des 15. Jahrhunderts der direkte Vorläufer der Oboe, der Pommer. Mitte des 17. Jahrhunderts entstand aus dem Diskant-Pommer die heutige Oboe. Wesentliche Beiträge zur Ausformung der Oboe hatten die französischen Musiker- und Musikinstrumentenbauer-Familien Philidor, Chédeville und Hotteterre. Innerhalb weniger Jahrzehnte setzte sich das Instrument durch: Bereits um 1660 gehörte es obligat zur Besetzung französischer Orchester, gegen Ende des Jahrhunderts hatte es sich in England verbreitet und bald danach in ganz Europa.
Die Barockoboe hatte sieben Grifflöcher und nur zwei Klappen; dieser Typus der Oboe blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts unverändert und erst ab etwa 1800 wurden Versuche angestellt, das Instrument mit weiteren Klappen zu versehen. Eine Vielzahl von Instrumentenbauern experimentierte mit der Anzahl der Klappen, bis der Oboist Joseph Sellner, Professor für Oboe am Konservatorium in Wien, im von ihm verfassten ersten Lehrbuch für das Spiel der Oboe (Theoretisch-praktische Oboeschule; Wien 1825) ein Instrument mit 13 Klappen beschrieb. Dieser Oboe – die dann jahrzehntelang so etwas wie ein Standard vor allem in Deutschland und Österreich darstellte – stand die französische Oboe gegenüber, die über weit weniger Klappen verfügte. Erst im Lauf der Zeit erhielt auch das französische Instrument weitere Klappen, um 1830 etwa gab es Oboen französischer Bauart mit sieben Klappen. Zwischen den Instrumentenbauern in Frankreich und Deutschland entspann sich ein Austausch, indem im Laufe des späteren 19. Jahrhunderts eingeführte Neuerungen jeweils gegenseitig – wenn auch mitunter mit Verzögerung – übernommen wurden. Es gab auch Versuche, die Veränderungen, die Theobald Boehm an der Querflöte vorgenommen hatte, sinngemäß auf die Oboe zu betragen, doch setzten sich diese Instrument aufgrund ihres vom gewünschten Klang abweichenden Klangbildes nicht recht durch.
Die moderne Oboe geht auf die von Frédéric Triébert und Apollon-Marie-Rose Barret in den 1860er- und 1870er-Jahren entwickelte Bauform zurück und hat sich seitdem nur unwesentlich verändert. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich diese französischen Instrumente weitgehend durchgesetzt; lediglich in Österreich, zumal in Wien bei den Philharmonikern, wird eine von dieser Bauform abweichende Form der Oboe bevorzugt, die so genannte Wiener Oboe, die auch geringfügig anders klingt als Instrumente französischer Bauart.

Mundstück einer Oboe (Fotolia)

Mundstück einer Oboe (Fotolia)

Die Oboe ist ein in C gestimmtes Sopran- und Altinstrument von etwa 59 cm Länge (ohne Rohrblatt). Wurde früher für den Bau des leicht konisch gebohrten Rohres Buchsbaum bevorzugt, so werden seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts Grenadill, so genanntes Rosenholz oder Ebenholz, in jüngerer Zeit auch verschiedene Kunststoffe, auch Acryl verwendet. Die Mechanik wird zumeist aus versilbertem Neusilber hergestellt. Das Instrument selbst besteht aus drei Teilen: Oberstück, Unterstück und Schallstück. In das Oberstück wird das Mundstück gesteckt. Das Mundstück, Rohr genannt, besteht aus einem teilweise mit Kork umhüllten metallenen Röhrchen, an dem die zwei das Doppelrohrblatt bildenden dünnen Blätter aus Schilfrohr (Arundo donax) befestigt werden. Der Instrumentalist baut diese Mundstücke aus Rohmaterialien selbst. Der Bau eines Rohres erfordert neben handwerklichem Geschick einige Erfahrung mit dem eigenen Spielverhalten. Es gibt verschiedene Bauweisen – bei der deutschen (europäischen) Bauweise kann beispielsweise eine Drahtzwinge zum Einsatz kommen, bei der ursprünglich französischen Tabuteau-Bauweise – nunmehr vornehmlich in den USA üblich – wird dies ausgeschlossen.

Oboe Tonumfang

Oboe Tonumfang

Der Tonumfang der Oboe reicht von b – bei manchen Instrumenten auch von a oder h – bis zum a³. Mit bestimmten Spieltechniken sind auch noch höhere Töne möglich. Wegen des durchsetzungsfähigen, obertonreichen Tones seines Instrumentes gibt der Erste Oboist den Stimmton an, nach dem sich ein Orchester einstimmt; dieses Verfahren ist seit Anfang des 19. Jahrhunderts üblich. Die Oboe gehört zu den obligaten Orchesterinstrumenten, meistens werden zwei Oboen eingesetzt.

Wegen ihres »singenden«, an die menschliche Stimme erinnernden Klanges wurde die Oboe seit der Barockzeit gern als Soloinstrument eingesetzt. Konzerte für das Instrument schrieben etwa J.S. Bach, G.Ph. Telemann, A. Marcello, W.A. Mozart, später auch R.Vaughan Williams, R. Strauss, B. Martinů und B. Maderna.
Im Jazz wurde das Instrument etwa von J.-L. Fillon und Yusef Lateef gespielt, im Rock waren es vornehmlich Peter Gabriel von Genesis und Andy Mackay von Roxy Music, die die Oboe einsetzten; eine wesentliche Rolle spielten diese Instrumente auch in der Musik der New Yorker Rockband New York Rock & Roll Ensemble. Vom Klang der Oboe bestimmt ist auch der Song »Twist in My Sobriety« von Tanita Tikaram.

Diskografie

The New York Rock Ensemble: Roll Over (o. J.)
Roxy Music: – (1972)
Guesch Patti et Encore: Labyrinthe (1988)
Tanita Tikaram: Ancient Heart (1988)