Ophikleïde

Ophikleïde, von altgriechisch óphis für »Schlange« und kleídos für »Klappe«, Aerophon (Blasinstrument, Polsterzungeninstrument), mit Klappen ausgestattetes Horn, das herausragende Bedeutung als Bassinstrument hatte.

Die Ophikleïde wurde 1817 von Jean-Hilair Asté, der sich Halary nannte, in Paris konstruiert; 1821 erhielt er ein Patent für sein Instrument. Als Vorbild diente Halary das Basshorn, ebenfalls ein Klappenhorn, doch deutet schon der Name an, dass sein Instrument eher die Nachfolge den immer noch als Bassinstrument gebräuchlichen Serpent ablösen sollte. Tatsächlich konnte sich das in C oder B gestimmte Bassinstrument recht gut durchsetzen, während die Alt-Ophikleïde und die Kontrabass-Ophikleïde ein Schattendasein führten. Die Bass-Ophikleïde hat einen Tonumfang von 1H bis c2 und wird klingend im Bass- oder Violinschlüssel notiert. Das komplett aus Blech gefertigte Instrument ähnelt äußerlich dem Fagott, die Röhre ist also eng gebogen und die gemessen etwa an der Tuba recht kleine Stürze weist nach oben. Auffällig ist der direkt hinter dem Mundstück angeordnete Rohrabschnitt, der einen eineinhalbfach gewundenen Kreis beschreibt und dann erst in das Hauptrohr übergeht.

Zwar ist die Ophikleïde nicht leicht zu spielen – die weite konische Bohrung und die großen Grifflöcher führen beinahe zwangsläufig zu Intonationsproblemen – doch fand das Instrument recht schnell Verwendung in den Militärkapellen und dann auch bald im Orchester. In Frankreich war die Ophikleïde bis ins 20. Jahrhundert präsent, während sie in Deutschland schon vor Mitte des 19. Jahrhunderts der Tuba Platz machen musste. Ein Grund mag der Klang des Instrumentes gewesen sein, den etwa Hector Berlioz in seiner Instrumentationslehre als »rauh«, die hohen Töne sogar als »wild« beschrieb.

Da die Ophikleïde in vielen Sinfonischen Werken und Opern des 19. Jahrhunderts einen Part hat – so etwa in Berlioz’ »Symphonie fantastique« – und im 20. Jahrhundert von der Tuba ersetzt wurde, ergab sich mit dem aufkommenden Interesse an authentischen Besetzungen von Orchesterwerken die Notwendigkeit, neue Instrumente anzufertigen. So wurden Experimente angestellt, die Unzulänglichkeiten der alten Instrumente zu beseitigen. Der Leipziger Blechblasinstrumentenbauer Friedbert Syhre baut auch eine Ophikleïde, die mit Ventilen ausgestattet ist.

Die Ophikleïde selbst hat während des 19. Jahrhunderts mehrfach Instrumentenbauer herausgefordert. So beruhen sowohl das Saxophon wie auch das Sarrusophon auf dem Instrument.

Werke

Hector Berlioz: Symphonie fantastique – Episode de la vie d’un artiste (1830) Hans Werner Henze: Das Floß der Medusa (1968)

 

Weblink

http://www.ophicleide.de/ (Website zur Ophikleïde)