Polsterzungeninstrumente

Polsterzungeninstrumente, Aerophone, Bezeichnung für Blasinstrumente, bei denen die Tonerzeugung nicht vom Instrument bereitgestellt, sondern vom Instrumentalisten selbst vorgenommen wird, indem er mit den Lippen den Ton erzeugt; der Begriff wird besonders im musikwissenschaftlichen Bereich verwendet, um nicht das Material, aus dem ein Blasinstrument besteht, in den Vordergrund zu stellen. In erster Linie sind mit dem Begriff dennoch Blechblasinstrumente gemeint.

Tatsächlich wird die Mehrzahl der Polsterzungeninstrumente aus Blech (Messingblech, Neusilberblech) gefertigt, doch gibt es auch Polsterzungeninstrumente, die aus anderem Material bestehen, beispielsweise werden Grifflochhörner wie der Zink und der Serpent im Wesentlichen aus Holz angefertigt. Auch das australische Didgeridoo ist eine Holztrompete und keineswegs die einzige. Dennoch hat sich schon aus praktischen Gründen Metall als Material für Polsterzungeninstrumente durchgesetzt. Unterschieden werden die Polsterzungeninstrumente aufgrund der Form der Röhre – zylindrisch oder konisch – nach Trompeten und Hörnern.

Bei allen Polsterzungeninstrumente erzeugt der Instrumentalist den Ton, indem er die Lippen mehr oder weniger anspannt, an das Mundstück setzt und nach dem Anblasen mit einem beständigen Luftstrom die Schwingung der Luftsäule im Korpus des Instrumentes aufrecht erhält. Die Lippen bilden dabei das Polster, da sie aber nur zu einem Teil selbst schwingen, sind diese, auch variable, die eigentliche, den Ton erzeugende Zunge.

Zu den Trompeten gehören einerseits die Trompeten und Posaunen – dies wegen des bei diesen Instrumenten gebräuchlichen Kesselmundstückes und der zum größten Teil zylindrischen (»engen«) Mensur – zum anderen die Hörner – meistens mit Trichtermundstück und weiter, zum größten Teil konischen Mensur. Innerhalb der Hörner bilden die Bügelhörner eine eigene Gruppe. Einfache Hörner ohne Grifflöcher und Ventile werden zwar in die Gruppe der Hörner eingereiht, gehören aber historisch eigentlich vor die Bildung von Gruppen wie Hörner und Trompeten, das heißt: Trompeten wie Hörner späterer Zeit sind natürlich aus diesen Hörnern entstanden.

Zu Beginn der Ausdifferenzierung von Musikinstrumenten etwa im 14. und 15. Jahrhundert war es das Bestreben, jedes Instrument als Teil einer Familie – orientiert an den verschiedenen Registern der menschlichen Stimme – zu begreifen. Von diesen Familien sind bei den Polsterzungeinstrumenten nur Teile übrig geblieben. Bei den Trompeten sind es hohe Trompeten und die Basstrompete, bei der Posaune die Tenorposaune und die Bassposaune. Zu den Hörner gehört neben dem Pleßhorn – das Jagdhorn ohne Grifflöcher oder Ventile – und das Parforcehorn, aber auch das Waldhorn mit Ventilen und die so genannte Wagnertuba. Auch das Kornett wird zu den Hörnern gezählt. Bei den Bügelhörner – die annähernd eine Familie bilden – gibt es Instrumente, deren Mensur zwar auf die Gruppe der Hörner weist, das Mundstück aber von der Trompete kommt.

Nicht alle Polsterzungeninstrumente sind obligater Bestandteil des Symphonieorchesters, zudem hier ausschließlich Blechblasinstrumente verwendet werden. Zwar kann das Orchester je nach Erfordernis erweitert werden, doch gehören zur Gruppe der Blechblasinstrumente im Orchester Trompeten, Posaunen, Waldhörner und Tuba. Die Domäne der Bügelhörner ist die Marschmusik, sei es im militärischen Bereich oder auch im zivilen. Gerade in diesem Bereich nahm die Musik in verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Entwicklungen. So kann es in einem Land Polsterzungeninstrumente geben, die in einem anderen Land beinahe unbekannt sind.