Posaune

Posaune, Aerophon, (Polsterzungeninstrument, Blechblasinstrument), von lateinisch »bucina« für »Jagdhorn, Signalhorn«, daraus altfranzösisch »buisine« und mittelhochdeutsch »busune« und »busine«, französisch, italienisch und englisch: trombone, in jüngerer Zeit nur noch das Tenorinstrument der Posaunenfamilie; obwohl es auch mit Ventilen ausgestattete Posaunen gibt, wird mit dem Begriff meist die Zugposaune verbunden.

Tenorposaune

Tenorposaune (Fotolia)

Wie andere Blechblasinstrumente wird auch die Posaune aus dünnem Messing- oder Neusilberblech hergestellt. Die Länge der in S-Form gebogenen Röhre beträgt bei voll ausgezogenem Zug 4,1 Meter, der Durchmesser der Bohrung 11,5 bis 13,9 Millimeter; Jazzmusiker bevorzugen eher kleinere Bohrungen, während die im Orchester verwendete Posaune eben eine Bohrung bis zu 13,9 Millimeter aufweist. Die Tenorposaune ist in B gestimmt, ein eventuell vorhandenes Quartventil schaltet eine Rohrverlängerung hinzu, mit der die Stimmung auf F gesenkt wird. Das Rohr ist zum größten Teil zylindrisch geformt, im letzen Abschnitt leicht konisch und mündet in eine Stürze, deren Durchmesser etwa zwischen 22 und 25 Zentimeter beträgt; damit ist die Posaune den Trompeten zuzurechnen. Die Posaune wird mit einem Kesselmundstück gespielt.

Anders als bei mit Ventilen ausgestatteten Blechblasinstrumenten wird das Rohr nicht mittels hinzuschaltbarer Rohrstücke verlängert, sondern mit einem Zug, also einem stufenlos herausziehbaren Rohrstück. Durch das Herausziehen des Zuges wird die Tonhöhe in sieben Stufen, den so genannten Lagen, erniedrigt. Bei ganz eingeschobenem Zug ergibt sich als zweiter Naturton der Ton B, der dann durch Herausziehen auf den Ton E erniedrigt werden kann; das Instrument hat daher einen Umfang von E bis d2; die ersten Naturtöne, die so genannten Pedaltöne, reichen von 1E bis 1B. Die Posaune ist das einzige Blechblasinstrument, mit dem alle Töne rein und in jeder Stimmung gespielt werden können. Auch ist das Spiel von Glissandi möglich. Die Metallteile des Rohres und des Zuges werden zwar eingefettet, doch ist für das Spiel des Instrumentes notwendig, dass sich zwischen Rohr und Zug ein dünner Wasserfilm bildet, auf dem der Zug leicht gleitet. Aus diesem Grund muss der Posaunist von zeit zu Zeit das Rohr anfeuchten, etwa mit Kondenswasser aus dem Zug.

Posaune-Quartventil

Posaune mit Quartventil (Fotolia)

Die Posaune ist eine Weiterentwicklung der Zugtrompete, die es etwa seit Anfang des 15. Jahrhunderts gab. Die Entwicklung wurde vermutlich Mitte des 15. Jahrhunderts in Burgund angestoßen, um den instrumentalen Bereich in die Tiefe auszuweiten. Entsprechend der Zeit wurde eine Familie gebildet, zu der Piccoloposaune, Altposaune, Tenorposaune, Bassposaune und Kontrabassposaune gehörten. Von diesen blieb nur die Tenorposaune in Gebrauch und fand auch einen festen Platz im Orchester. Durch den Einbau des Quartventils entstand ein Doppelinstrument, das dem Instrument auch den Bassbereich erschloss. Dennoch konnte eine spezielle Bassposaune ihre Position behaupten. Insgesamt erfuhr das Instrument keine gravierenden Veränderungen, die Konstruktion ist so sinnfällig, dass es am Prinzip nichts zu verbessern gibt. Verändert wurden in geringem Maße die Mensur und die Form der Stürze, dies, um eine volleren Klang und größere Lautstärke erreichen zu können. In der Tat kann eine Posaune in sehr großer Lautstärke gespielt werden. Die Ventilposaune, die wie eine Trompete gespielt wird, hat unter Posaunisten nie eine größere Anzahl von Anhängern gefunden. Verwendet wird die Ventilposaune allerdings aus nahe liegenden Gründen – sie benötigt weniger Raum – oft bei Musikzügen.

Die Posaune spielt in jeder Art Musik eine wichtige Rolle, wenn sie in der traditionellen Kunstmusik auch erst im Laufe des 18. Jahrhunderts solistisch eingesetzt wurde. Noch im 20. Jahrhundert wurden der Posaune durch neue Spieltechniken neue Klänge abgetrotzt. Im Jazz gehörte die Posaune zu den Instrumenten des New Orleans-Jazz und behauptete ihren Platz in den Big Bands des Swing. Solisten wie J.J. Jackson, Kai Winding und Albert Mangelsdorff gaben dem Instrument eine Stimme im Modern Jazz, Mangelsdorff schlug mit avancierten Spieltechniken eine Brücke zur modernen Kunstmusik. Auch im jüngeren Jazz konnten sich Posaunisten wie Joe Bowie, Nils Landgren und Ray Anderson einen Namen machen. Über den Soul kam das Instrument auch in den Rock, bei Bands wie Chicago, Blood, Sweat & Tears, Ten Wheel Drive und anderen mehr gehörte obligat ein Posaunist zur Besetzung wie auch die meisten Ska-Bands nicht auf den Klang des Instrumentes verzichten wollen.

Diskografie

Blood, Sweat & Tears: B, S & T 4 (1971)
Ten Wheel Drive with Genya Ravan: Peculiar Friends (1971)
Chicago: VII (1974)
Slickaphonics: Wow Bag (1986)
Defunkt: In America (1988)
Lester Bowie Brass Fantasy: The Odyssey of Funk & Popular Music (1998)
The Dirty Dozen Brass Band: Funeral for a Friend (2004)
Nils Landgren Funk Unit: Licence to Funk (2007)