Rankett

Rankett, auch Rackett oder Rakett, englisch: racket, französisch: cervelas, Aerophon (Holzblasinstrument, Doppelrohrblatt-Instrument), von dem vom 16. bis 18 Jahrhundert gebräuchlichen Instrument gibt es zwei Ausführungen, das frühere Renaissance-Rankett und das spätere Barock-Rankett.

Das Instrument besteht aus einem relativ kleinen Zylinder aus Holz (Birne, Ahorn), seltener auch aus Elfenbein. Auf dem Zylinder von 12 bis 24 Zentimetern Höhe sitzt ein kleinerer Zylinder, in dem oben das Rohrblatt eingesteckt ist; die Oberfläche des kleineren Zylinders dient dem Spieler als Pirouette. Im Inneren des größeren Zylinders bilden sechs bis neun miteinander verbundene Bohrungen einen Tonkanal von beträchtlicher Gesamtlänge, so dass das Instrument im Tenor- und Bassbereich erklingt. Tonhöhenänderungen werden mittels bis zu 15 waagerecht in die Außenwand des Zylinders gebohrten Grifflöcher ermöglicht. Die gesamte Bohrung war beim Renaissance-Rackett zylindrisch. Das Instrument konnte nicht überblasen werden und hatte einen Tonumfang von annähernd zwei Oktaven.

Das Barock-Rankett, von Jacob Denner (* 1681 † 1735) gegen Ende des 17. Jahrhunderts gebaut, weist gegenüber dem Renaissance-Rankett einige Veränderungen auf: Das Instrument wurde über eine in die im Zylinder befindliche Röhre angeblasen. Dazu diente ein gewundenes Anblasrohr aus Messing, auf dem das Doppelrohrblatt saß. Der kleinere Zylinder, nunmehr oben offen, diente quasi als Schallbecher.
Der Klang der Ranketts ähnelt stark dem von Dulcianen und Fagotten, ist in der Dynamik allerdings weit weniger ausdrucksfähig; auch ist das Instrument nicht leicht zu intonieren. So wurde das »Wurstfagott«, wie man es despektierlich nannte, schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunächst vom Dulcian, dann vom Fagott verdrängt. Obwohl das Rankett im 20. Jahrhundert unter anderem von der deutschen Holzblasinstrumenten-Firma Moeck in Celle wieder gebaut wurde, ist es sehr selten im Konzert zu erleben.