Sackpfeife

Sackpfeife, auch Dudelsack oder Bock, englisch: bag pipe, französisch: cornemuse, italienisch: cornamusa, Aerophon (Blasinstrument, Rohrblattinstrument), in Asien, Europa und Nordafrika verbreitetes Instrument der Volksmusik; Musette, Union Pipe bzw. Uilleann Pipe, Great Highland Bagpipe und weitere Namen mehr bezeichnen jeweils regionale Formen des Instrumentes.

Sackpfeife (Dudelsack, Bagpipe)

Great Highland Bagpipe (Fotolia)

Das Prinzip aller Sackpfeifen besteht darin, dass die Spielpfeife nicht direkt angeblasen wird, sondern die Luftzufuhr durch einen aus einer Tierhaut gefertigten Balg erfolgt, der vom Spieler mittels eines Blasrohrs oder eines kleinen vorgeschalteten Blasebalgs mit Luft gefüllt wird. Der Luftspeicher wird während des Spiels vom Instrumentalisten ständig unter Druck gehalten; auf diese Weise ist ununterbrochenes Spiel möglich, selbst wenn der Spieler kurzzeitig nicht Luft in den Vorratsbalg bläst. Die Tonerzeugung selbst geschieht durch Zungen, wobei es Sackpfeifen mit Einfach- oder Doppelrohrblättern und solche mit Durchschlagzungen gibt. Im einfachsten Fall ist nur eine Spielpfeife vorhanden, doch gibt es auch Dudelsäcke mit zwei Spielpfeifen – mit denen dann die eigentliche Melodie gespielt wird – und eine oder mehrere Bordunpfeifen. Der Klang der Sackpfeifen ist stets durchdringend, von geringer Dynamik und durch den Spieler kaum zu modulieren.

Dudelsackspieler

Dudelsackspieler (Fotolia)

Da die Sackpfeifen typische Instrumente der Volksmusik, besonders der Hirtenmusik sind, gibt es unzählige verschiedene Typen. Dennoch wird in Deutschland mit dem Begriff Dudelsack in der Regel der Great Highland Bagpipe verbunden, also die Sackpfeife der Schotten. Diese besteht aus der Blaspfeife, dem Balg, einer Spielpfeife (chanter) und drei Bordunpfeifen (drones). Ein Rückschlagventil am Ende der Blaspfeife verhindert, dass die Luft aus dem Balg über die Blaspfeife austreten kann. Am Ende der Spiel- wie der Bordunpfeifen ist je ein Rohrblatt angebracht; die Pfeifen werden über Kupplungsstücke mit dem Balg verbunden. In der Konstruktion weiche Spielpfeife und Bordunpfeifen voneinander ab: Die Spielpfeife hat eine konische Bohrung und ist mit einem Doppelrohrblatt ausgestattet, die Bordunpfeifen sind zylindrisch gebohrt und haben nur ein einfaches Rohrblatt. Das Instrument ist etwas höher als in A gestimmt, doch gibt es auch Dudelsäcke, die auf a1 440 Hertz gestimmt sind. Die Notierung erfolgt grundsätzlich ohne Vorzeichen in A. Der Tonumfang reicht von g1 bis a1, doch wird ein besonderer Modus verwendet, das das Zusammenspiel mit gleichschwebend temperiert gestimmten Instrumenten unmöglich macht. Zwei der Bordunpfeifen oktavieren den Grundton A um eine Oktave, die dritte um zwei Oktaven nach unten. Der Great Highland Bagpipe ist zum Wahrzeichen Schottlands geworden und ist auch fester Bestandteil nicht nur der schottischen, sondern der britischen Militärmusik allgemein. Dazu werden mehrerer Dudelsack-Spieler sowie einige Trommler zu Marching Bands zusammengefasst; es gibt auch zivile Bands dieser Art.

Eine weitere Sackpfeife ist der Union Pipe oder Uilleann Pipe. Bei dieser relativ kompliziert gebauten Sackpfeife füllt der Spieler den Magazinbalg mit einem kleinen Handblasebalg. Das Instrument verfügt über eine Spielpfeife mit Doppelrohrblatt sowie insgesamt sechs Bordunpfeifen, von denen drei mit einem Doppelrohrblatt, drei mit Einfachrohrblättern ausgestattet sind. Die drei Bordune mit Doppelrohrblättern werden regulators genannt und haben wie die Spielpfeife Grifflöcher. Der Union Pipe kann nur im Sitzen gespielt werden, wobei die Pfeifen auf den Oberschenkeln des Spielers liegen. Zum Spiel wird nicht nur die freie Hand genutzt, sondern auch das Knie, das der Schallaustrittsöffnung des Spielers am nächsten liegt. Auf diese Weise kann der Spieler auch die Öffnung verschließen und den Ton verändern.

Literatur

Collinson, Francis M.: The Bagpipe; London; 1975
Cheape, Hugh: The Book of the Bagpipe; Belfast 2004
Cannon, Roderick: The Highland Bagpipe and Its Music; Edinburgh 2008