Sarrusophon

Sarrusophon, Aerophon (Holzblasinstrument, Doppelrohrblattinstrument), aus Blech gefertigte Blasinstrumente, die anders als das Saxophon nicht mit einem Einfachrohrblatt ausgerüstet sind, sondern mit einem Doppelrohrblatt.

Der französische Musiker und Leiter einer Blaskapelle Pierre-Auguste Sarrus regte die Instrumentenbauer-Firma Gautrot in Paris an, ein Blasinstrument aus Blech mit einem Doppelrohrblatt zu versehen. Vorbild dürfte die Idee von Adolphe Sax gewesen sein, eine Ophikleïde mit einem Klarinettenmundstück, als einem Einfachrohrblatt, auszustatten; daraus entstanden die Saxophone. Das Sarrusophon ähnelt im Aussehen tatsächlich einer Ophikleïde wie einem Saxophon. Gautrot entwarf eine komplette Familie vom Sopranino als hohem Instrument bis zum Kontrabass-Sarrusophon als tiefstem Instrument.

Das Sarrusophon wurde wie das Saxophon aus dem für den Bau von Blechblasinstrumenten üblich Blech gefertigt und wie Holzblasinstrument mit einem Klappensystem ausgerüstet. Kennzeichen der Instrumente ist das wenigstens einmal geknickte Rohr und das einer Trompetenstürze ähnliche Schallstück, das bei allen Instrumente senkrecht nach oben gerichtet ist – dies ist auch die Ähnlichkeit zur Ophikleïde. Lediglich Sopranino- und Sopran-Sarrusophon sind gerade und weisen eine täuschend Ähnlichkeit zu den hohen Saxophonen auf. Das Doppelrohrblatt wiederum stammt in der Form vom Fagott und sitzt am ende eines mehr oder weniger langen S-Bogens. Die Ähnlichkeit der tiefen Instrumente zum Fagott und zum Kontrabass-Fagott ist evident. Ebenso ist die Bohrung des Instrumentes wie bei Oboe und Fagott leicht konisch. Auf der anderen Seite sind die Instrumente abwechselnd nach Tonlage in B oder Es gestimmt – wie die Saxophone. Einzelne Instrumente gibt es aber auch in anderen Stimmungen (C). Der Klang der Instrumente ähnelt dann auch dem der Oboe bzw. dem des Fagotts einerseits, dem der tiefen Saxophone andererseits, ist allerdings lauter.

Die Lautstärke war auch der Antrieb Sarrus’ gewesen, den Bau des Instrumentes anzuregen. Die Saxophone hatten wenige Jahre zuvor relativ schnell Eingang in die französische Militärmusik gefunden und überdeckten mit ihrer Lautstärke die noch üblichen Oboen und Klarinetten. Als Sarrus und Gautrot 1856 das Patent auf ihr Sarrusophon erhielten, sah Sax auch sofort die Kongruenz in Idee und Ausführung zu seinen Saxophonen. Mehrfach ging er in den folgenden Jahren gegen Sarrus und Gautrot gerichtlich vor, wenn auch ohne Erfolg.

Die Sarrusophone konnten sich indes nicht durchsetzen, noch nicht einmal in der Militärmusik. In einigen wenigen Kompositionen, etwa von Igor Strawinsky (* 1882, † 1971) und Ignacy Paderewski (* 1860, † 1941) haben sie kleine Parts, doch können sie leicht mit anderen Instrumenten, insbesondere dem Fagott, ersetzt werden. Da sie mangels Nachfrage nicht mehr hergestellt werden, gibt es die Instrumente nur noch antiquarisch und vereinzelt sind sie im Konzert und auf Tonträgern zu hören.

Werke

Jules Massenet: »Esclarmonde« (1889)
Ignacy Paderewski: Sinfonie h-Moll op. 24 »Polonia« (1903/1908)
Igor Strawinsky: Threni (1958)

Literatur

Joppig, Gunther: Die Entwicklung der Doppelrohrblattinstrumente; Frankfurt/Main 1980

Weblink

http://www.contrabass.com/pages/sarrus.html (Website zum Sarrusophon)