Saxophone

Saxophone, Aerophone (Holzblasinstrumente, Einfachrohrblatt-Instrumente); zwischen 1838 und 1842 von dem französischen Instrumentenbauer Adolphe Sax entwickelte Familie von Rohrblattinstrumenten aus Metall; die Familie wurde etwa 1850 von Sax mit dem Bau des Sopraninosaxophons abgeschlossen. Dennoch kam später noch das Subkontrabass-Saxophon hinzu. Für seine Entwicklung hatte Sax 1846 ein französisches Patent erhalten.

Mundstück, Saxophon

Saxophonmundstück mit einfachem Rohrblatt (Fotolia)

Das Saxophon entstand aus der Überlegung, ein Bassinstrument zu entwickeln, das die Nachteile der Ophikleïde nicht aufweisen und diese ersetzen sollte. Sax setzte auf das Instrument – ein Klappenhorn mit konischer Bohrung – ein Klarinettenmundstück und fertigte zunächst ein Bass- und ein Baritoninstrument. Zu dieser Zeit nahm er noch keine größeren Änderungen an der Form der Ophikleïde vor. Tatsächlich ist es bei Saxophonen, insbesondere Sopran- und Tenorsaxophon, möglich, deren Einfachrohrblatt gegen ein Kesselmundstück (Trompete respektive Tenorposaune) auszutauschen. Die spätere Form – vom Altsaxophon an abwärts – mit den jeweils charakteristischen S-Bögen und der nach oben geführten und nach vorn abgewinkelten Stürze hat einige historische Vorläufer, so Zinken und Klarinetten. Auch die Idee von Sax, ein Instrument mit konischer Bohrung mit einem Einfachrohrblatt zu versehen, hatte es seit 1800 bereits gegeben, so von dem Londoner Instrumentenbauer James Wood, der um 1800 Oboen und Fagotte mit einem Einfachrohrblatt gebaut hatte.

Altsaxophon-Tenorsaxophon

Tenorsaxophon (links) und Altsaxophon (Fotolia)

Sax legte bald eine ganze Familie an, in der Sopran-, Alt-, Tenor-, Bariton- und Basssaxophon die Kerngruppe bildeten. Später traten das Sopranino und das noch höhere Soprillo, andererseits das Kontrabass- und das Subbasssaxophon hinzu. Als das beliebteste Saxophon kann das Altsaxophon gelten, zumal es zum Erlernen des Instrumentes überhaupt das aufgrund seiner Größe und Eigenschaften geeignete ist.

Sax baute die Familie in zwei Linien: Für den Einsatz im Orchester Instrumente in F und C, für Militärkapellen in B und Es. Da das Saxophon als Neuentwicklung zunächst von den Komponisten eher mehr als weniger ignoriert wurde, fand es keinen festen Platz im Orchester. Dies hatte zur Folge, dass die F/C-Linie bis auf zwei Vertreter wieder verschwand – lediglich das so genannte Mezzsopran-Saxophon in F, ein Instrument in Altlage, und das so genannte Melody-Saxophon, ein Tenorsaxophon: letzteres wurde noch bis in die 1950er-Jahre gebaut. Die B/Es-Linie hingegen konnte schnell zunächst in die französische Militärmusik, später auch in die anderer Länder integriert werden und kam über diesen Weg auch in den Jazz, die eigentliche Domäne der Saxophone. Über die Swing-Big-Bands der 1930er- und 1940er-Jahre schließlich fand das Instrument auch eine endgültige Heimat in den Tanzorchestern, in denen es schon seit den 1920er-Jahren verwendet wurde.

Saxophone werden wie Blechblasinstrumente zumeist aus Messingblech gebaut, es gibt aber auch Instrumente aus Kupfer und Neusilber, angeblich auch aus Silber. Messing wird mitunter vernickelt, auch versilbert oder vergoldet, oft mit einem Goldlack überzogen. Eine Besonderheit stellen die S-Bögen dar, die es in großer Vielfalt gibt, wobei unterschiedliche Materialien und vor allem Materialstärken zum Einsatz kommen. Von etwa 1950 bis 1967 baute der in England lebende Saxophonbauer italienischer Abstammung Ettore Sommaruga Saxophone, deren Korpus aus eingefärbtem Acryl-Kunststoff bestand. Die unter dem Namen Grafton Acrylic Saxophones bekannte gewordenen Instrumente konnten sich zwar nicht behaupten, doch spielt etwa die Jazzsaxophonisten Charlie Parker und Ornette Coleman eine Zeit lang Altsaxophone dieser Bauart.

Das Mundstück für das Saxophon übernahm Sax von der Klarinette, doch wurde – und wird – mit dem Mundstück von vielen Saxophonisten experimentiert, hat seine Gestaltung doch die größten Auswirkungen auf den Klang. Es gibt Mundstücke aus Kautschuk, Kunststoff und Metall, jeweils mit Bahnen – also dem eigentlichen Luftkanal – von unterschiedlichen Abmessungen hinsichtlich Lägen, Breite und Tiefe. Auch das Holzblatt kann durch Blätter aus Kunststoff oder Metall ersetzt werden. Die Blätter werden mit einer Blattschraube, Ligatur genannt, auf dem Mundstück befestigt.

Die Spielmechanik des Saxophones entspricht der der Klarinette in B nach dem Boehm-System, so dass Saxophonisten sowohl mit der Klarinette als auch mit der Querflöte umgehen können. Die Tonlöcher im Korpus des Saxophons werden von Metallklappen abgedeckt, die meistens mit Filz unterlegten Lederpolstern zur Abdichtung versehen sind. Unter anderem an der Qualität der Polster, für die auch andere Materialien verwendet werden, ist die Qualität eines Saxophones ablesbar.

Da die Röhre des Saxophones einen konischen Verlauf aufweist, überläst es nicht wie die Klarinette in die Duodezime, sondern wie andere Holzblasinstrumente (Querflöte) mit konischem Verlauf der Röhre in die Oktave. Sax stufte die Stimmungen seiner Instrumente in Quart- und Quintabständen ab: Dem Sopransaxophon folgt das eine Quart tiefer stehende Altsaxophon, diesem das eine Quint tiefere Tenorsaxophon und so weiter. Spätere Instrumente wie das Sopranino wurden eingereiht. Die Instrumente transponieren, klingen also anders als notiert.

Der Tonumfang der einzelnen Instrumente reicht klingend beim Kontrabasssaxophon von 1Des bis ges, beim Basssaxophon von 1As bis des1, beim Baritonsaxophon von Des bis as1, beim Tenorsaxophon von As bis es2, beim Altsaxophon von des bis as2, beim Sopransaxophon von as bis es und beim Sopranino von des1 bis ges2; manche Baritonsaxophone haben eine besondere Klappe, die den Umfang nach unten um einen Halbton, dann auf C, erweitert.

Obwohl die Entwicklung des Saxophons direkt in die Zeit der Entwicklung des klassisch-romantisch geprägten Orchester hin zum Orchester der Spätromantik fiel und für neue Klangfarben eigentlich breiter Raum gegeben war, und obwohl sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts namhafte Komponisten wie etwa Hector Berlioz sich für die Integration des Instrumentes in das Orchester bemühten, fasste es nie wirklich Fuß in dem traditionellen Klangkörper. Zwei Gründe mögen die Ursache erhellen: Zum einen sein ebenso eigenständiger Klang wie seine mögliche Lautstärke – die weit über der jedes anderen Holzblasinstrumentes liegt und mit der von Blechblasinstrumenten gleich zieht – wie sein Erfolg in den Kapellen des Militärs, nicht nur in Frankreich. Dennoch sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts innerhalb der traditionellen Kunstmusik Europas zahlreiche Kompositionen entstanden, die dem Instrument einen Platz in der Kunstmusik einräumen und seinen Möglichkeiten gerecht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich mit dem Saxophon-Quartett – meist mit Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon besetzt – immerhin eine Ensembleform heraus, die innerhalb der traditionellen Kunstmusik durchaus inspirativ wirkte und wirkt – und nicht zuletzt viele ambitionierte Amateurmusiker anzieht.

Die eigentliche Heimat aber fand das Saxophon – nicht zuletzt Dank der amerikanischen Militärkapellen – im Jazz, wenn auch nicht auf Anhieb. In den 1930er-Jahren bildete es innerhalb der Big Bands mit meist zwei Altsaxophonen, zwei Tenorsaxophonen und einem Baritonsaxophon die Reed Section, das eigentliche Rückgrat jeder Big Band. Die Emanzipation als Solo-Instrument leitete spätestens Coleman Hawkins ein, es folgten Charlie Parker und John Coltrane, dann Ornette Coleman, die dem Saxophon zu einer gleichberechtigten Stellung neben der Trompete verhalfen. Die früheren Nachteile – Lautstärke und eigenständiger Klang – kehrten sich zu Vorteilen um; in der klassischen Combo des Bebop steht das Saxophon gleichberechtigt neben der Trompete und repräsentiert die Holzblasinstrumente – eine Rolle, die die leisere Klarinette nicht mehr füllen konnte. Über den Jazz kam das Tenorsaxophon in den Rhythm and Blues – noch Coltrane hatte in Earl Bostics Combo gespielt –, und war im Rock ’n’ Roll das letzte Blasinstrument überhaupt, das gegen die elektrisch verstärkten Gitarren überhaupt ankam.

Dies galt bis Anfang der 1960er-Jahre, als der Beat das Saxophon überflüssig machte und nach 1965 die Verstärkerleistungen Werte erreicht hatten, die nur noch von elektrischen Instrumenten einigermaßen beherrscht werden konnten. Anfang der 1970er-Jahre war indes die Studiotechnik so weit entwickelt, dass das Instrument im Ensemble – etwa bei Soul-Bands oder bei Brass-Rock-Bands wie Blood, Sweat & Tears oder Chicago – oder durch direkte elektrische Abnahme wieder das Interesse von Musikern wie Publikum auf sich zog.

So haben im Laufe des 20. Jahrhunderts viele Solisten zu seiner heutigen Anerkennung verholfen, von Sydney Bechet bis Coleman Hawkins, von John Coltrane zu Ornette Coleman, von Wayne Shorter zu David Sanborn, von Andy Mackay zu Maceo Parker.