Waldhorn

Waldhorn, englisch: french horn, französisch: cor oder cor à piston, italienisch: Corno oder corno d’armonia, Aerophon (Polsterzungeninstrument, Blechblasinstrument); meist wird das Instrument nur Horn genannt.

Waldhorn-Doppelhorn

Waldhorn (Doppelhorn) [Fotolia]

Das heute im Orchester verwendete Horn stammt von den Tierhörnern ab, die als Signalhörner benutzt wurden. In Nachahmung dieser Hörner fertigte man mit zunehmender Beherrschung der Metallherstellung und Metallbearbeitung etwa seit dem 14. Jahrhundert relativ kleine Hörner, deren Röhre kreisrund gewunden war. In Frankreich entstanden Mitte des 17. Jahrhunderts zwar ebenfalls kreisrund gebogene Hörner, deren Kreisbogen allerdings einen wesentlich größeren Durchmesser aufwies; unter dem Namen Parforcehörner (Cor de chasse) sind diese Hörner bis heute im Rahmen von Jagden üblich. Die Hörner hatten charakteristische Eigenschaften: die Länge der relativ engen Mensur von 4,5 Meter sowie die Vergrößerung der Stürze. In dieser Form fand das Horn auch Verwendung in der Orchestermusik wie in der Oper, vor allem dann, wenn es galt, eine Jagd zu verdeutlichen. Ende des 17. Jahrhunderts brachte Franz Anton Reichsgraf Sporck (* 1662, † 1738) das Instrument in seine Heimat Böhmen und begründete damit die böhmische Tradition des Hornspiels. Hier auch wurde aus dem nur einmal gewundenen Horn das mehrfach gewundene und dadurch kleinere Horn. Nach 1700 kam dann die Bezeichnung Waldhorn für das Instrument in Verwendung. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts gehörten zwei Hornisten obligat zu Besetzung eines Orchesters. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Inventionshorn konstruiert; Spieltechniken wie das Stopfen – dabei wird die rechte Hand in die Stürze des Instrumentes gesteckt – erweiterten die Einsatzmöglichkeiten des Waldhornes. Als Anfang des 19. Jahrhunderts das Drehventil erfunden war, war das Waldhorn das erste Blechblasinstrument, das mit diesem Ventil ausgestattet wurde. Zwar behielt man zunächst die Stimmung in F bei, doch wurde das F-Horn zunehmend von dem Horn in B verdrängt, bis man durch ein weiteres Stück Rohr und ein zusätzliches Ventil (Umschaltventil) F- und B-Horn in einem Instrument vereinigte (Doppelhorn). Derselbe Weg wurde vom Instrumentenbau beschritten, als auch das vordem eigenständige hohe Waldhorn in F mit den beiden anderen Stimmungen in einem Tripelhorn zusammengefasst wurde. Hornisten bevorzugen im Allgemeinen das Doppelhorn, wenn auch etwa bei den Wiener Philharmonikern ausschließlich Instrumente in F verwendet werden.

Das Waldhorn wird aus Blech (Messing, Neusilber) gefertigt; die in einen Kreis gelegte Röhre von enger konischer Mensur hat eine Länge von etwa 370 Zentimetern (Waldhorn in F), beim tiefsten Ton (1H) wird sie durch den Einsatz der Ventile auf 550 Zentimeter verlängert. Gespielt wird das Horn mittels eines Trichtermundstückes. Die drei Drehventile sowie das Umschaltventil (bei Doppelhörnern) weisen beim Spiel nach oben und werden vom Spieler mit der linken Hand betätigt. Mit der rechten Hand hält der Instrumentalist das Horn, benutzt beim Horn in F diese Hand aber auch für das Stopfen. Das Horn in F, auch Wiener Horn genannt, unterscheidet sich im Aussehen ein wenig vom Doppelhorn; auch werden in diese Hörner Doppelpumpventile eingebaut. Der beim Doppelhorn fest eingebaute F-Bogen ist beim Horn in F abnehmbar, wodurch Ansprache wie Klang und Intonation verändern. Der Tonumfang des Waldhorns in F reicht von 1B bis f2. Notiert wird das Horn in jüngerer Zeit häufig klingend, in klassischer Literatur aber in F.

Seit sich das Waldhorn einen festen Platz im Orchester erobern konnte, werden stets wenigstens zwei Hörner besetzt, manchmal auch in unterschiedlicher Stimmung. Im Laufe der Zeit forderten einzelne Komponisten auch mehr als zwei oder vier Hörner, so Ludwig van Beethoven in der Symphonie Nr. 3 drei Hörner, Anton Bruckner, Richard Wagner und Gustav Mahler bis zu zehn Hörnern. In den Werken Richards Wagners übernehmen einzelne Hornisten zeitweise auch die so genannten Wagnertuben.
Da das Waldhorn einen sehr großen Tonumfang hat, können sich Hornisten auf den hohen oder den tiefen Bereich des Instrumentes spezialisieren. Bei einer Besetzung von vier Hörnern sitzen die »hohen« Hornisten auf Platz eins und drei, die »tiefen« auf Platz zwei und vier. Hornisten auf den »zweiten« Plätzen übernehmen mitunter auch Bassinstrumente wie Wagnertuba und Basstuba.

Wegen seines wandlungsfähigen Klanges und seines großen Dynamikumfanges kann das Waldhorn mit diversen anderen Instrumenten kombiniert werden. Auch als Soloinstrument spielt das Waldhorn eine herausragende Rolle und wird seit Beginn des 19. Jahrhunderts von Komponisten mit solistischen Partien bedacht. Schon Johann Sebastian Bach besetzte im Konzert Nr. 1 der 1718 entstandenen Brandenburgischen Konzerte zwei Hörner in f. Ludwig van Beethoven verwendet sie in seiner dritten und neunten Symphonie, Johannes Brahms in seiner zweiten und Gustav Mahler verlangte in seiner zweiten Symphonie nicht weniger als zehn Hörner. Kammermusikalische Werke, in denen dem Waldhorn bedeutende Partien zugeordnet sind, schrieben etwa Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Beethoven und Franz Schubert, später auch Brahms, Arnold Schönberg, Paul Hindemith, György Ligeti und andere mehr.

Der Klang des Hornes wird meist mit der Musik der Romantik verbunden, möglicherweise ein Grund, warum es in Jazz und Rock kaum hervortritt. Eine Ausnahme stellt sicherlich der Song »For No One« der Beatles dar (»Revolver«, 1966). Der Bassist der britischen Rockband The Who, John Entwistle, war Hornist und setzte das Waldhorn einige Male im Rahmen der Musik der Band ein, so z.B. in »Quadrophenia« (1973).