Drehleier

Drehleier, auch Radleier, englisch: hurdy gurdy, französisch: vielle, Chordophon (Saiteninstrument, Streichinstrument)

Drehleier

Drehleier (Fotolia)

Der Bau des Instrumentes ist nicht standardisiert, so dass es viele Erscheinungsformen gibt. Meist hat es einen etwa 50 Zentimeter langen Korpus aus Holz, der entweder mehr oder weniger oval geformt ist oder auch die Form einer Acht aufweisen kann. Auf diesem Korpus ist ein länglicher Kasten aufgebaut, in dem die Saiten über einen Steg zu den in einem kurzen Wirbelkasten untergebrachten Stimmwirbeln laufen. In dem Kasten befindet sich in der Nähe des Steges eine Reibrad, dessen Kante die ein bis zwei Melodiesaiten wie auch weitere, in Quinten gestimmte Bordunsaiten berührt. Das Rad wird mittels einer am Ende des Kastens hervorstehenden Kurbel in Gang gesetzt. Die Melodiesaiten können durch eine Tastatur, die ebenfalls Element des Kastens ist, abgeteilt und damit in der Tonhöhe verändert werden. Die Instrumente sind grundsätzlich diatonisch gestimmt.

Das Instrument wird in der Beuge des linken Armes gehalten; mit der linken Hand dreht der Spieler die Kurbel, mit der rechten Hand betätigt er die Tasten. Da das Reibrad in ständigem Kontakt mit den Saiten bleibt, ertönen die Bordunsaiten ununterbrochen. Es gibt auch Instrumente, bei denen mit der Tastatur alle Saiten gleichzeitig verkürzt werden, wodurch ständig Parallelklänge zu hören sind. Der Klang der Drehleier ist relativ leise und, da keinerlei Einfluss auf die Tongebung möglich ist, ein wenig starr. Oft dienten die Klänge des Instrumentes als Begleitung zum Gesang seines Spielers.

Erste Zeugnisse von der Existenz der Drehleier stammen aus dem 10. Jahrhundert. Das seinerzeit vergleichsweise avancierte Instrument war gleichermaßen angesehen in profaner wie kirchlicher Musik. Bis ins 15. Jahrhundert allerdings durchlief die Drehleier einen sozialen Abstieg, bis sie die Funktion eines Instrumentes der Bauern und Bettler erfüllte. In dieser Form wurde sie im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts auch vom Adel wahrgenommen und als Requisite für Schäferspiele eingesetzt.

In den 1960er-Jahren erlebte die Drehleier in der Musik von Folk-Gruppen eine kleine Renaissance, und etwa seit den 1980er-Jahren gehört ein Drehleierspieler zu beinahe jedem kommerziell veranstalten Mittelalter-Spektakel. Der britische Folk-Sänger Donovan setzt mit seinem Song »Hurdy-Gurdy Man« (1967) der Drehleier und einem fiktiven Spieler ein Denkmal; in dem Song versucht der damalige Studiogitarrist Jimmy Page, später bei Led Zeppelin, den unablässig summenden Klang der Drehleier mit seiner elektrischen Gitarre nachzuahmen.

Literatur

Bröcker, M.: Die Drehleier, ihr Bau und ihre Geschichte; Düsseldorf und Frankfurt/Main 21977