Digital-Piano

Digital-Piano, Elektrophon (elektronisches Instrument, Tasteninstrument), Klavier, das zur Tonerzeugung Samples benutzt oder aber den Klang eines realen Pianofortes berechnet und über eine Tastatur zugänglich macht. Die ersten Digital-Pianos mit Sample-Technik kamen Anfang der 1990er-Jahre von japanischen Musikinstrumentenherstellern auf den Markt gebracht.

Äußerlich ähnelt ein Digital-Piano einem Kleinklavier; mitunter wird die Elektronik aber auch in ein einem Flügel ähnelnde Gehäuse eingebaut. Tatsächlich ist die Gehäuseform von untergeordneter Bedeutung, und so genannte Stage-Pianos, die in etwa dasselbe bieten wie ein eher für den Wohnbereich gedachtes Digital-Piano haben äußerlich nicht mehr als die 88 Tasten umfassende Klaviatur gemeinsam. Die Gehäuse von Digital-Pianos sind oft mehr oder weniger aufwändig furniert oder aber mit hochglänzendem Lack schwarz lackiert, nehmen also die Ästhetik realer Klaviere auf. Im Gehäuse der Instrumente sind ein Stereoverstärker sowie Lautsprecher eingebaut. Die meisten Digital-Pianos sind mit MIDI ausgerüstet, die Klänge können also auch über ein Sequencer-Programm eingespielt werden, bzw. die Tonerzeugung des Pianos über das Programm genutzt werden.
Die Tonerzeugung von Digital-Pianos basiert nicht auf einem Generator, sondern auf Samples realer Klavierinstrumente. In aller Regel können die Klänge von Konzertflügeln, Klavieren und elektrischen Klavieren (Fender-Rhodes-Electric-Piano, Clavinet) und Kielflügeln abgerufen werden; manche Instrumente bieten darüber hinaus weitere Klänge, etwa von Orgeln und Streichinstrumentengruppen. Um einen authentischen Klavierklang zu erhalten, muss ein recht hoher Aufwand betrieben werden, der sich dann auch im Preis der Pianos niederschlägt: Jeder Ton eines realen Pianos muss mehrfach vorliegen, um etwa Dynamik und bestimmte Spieltechniken authentisch und damit für den Hörer glaubwürdig präsentieren zu können. So ist mit avancierten Digital-Pianos die Dynamik eines realen Klaviers nahezu vollkommen nachzuvollziehen; Grenzen setzt allenfalls die Wiedergabeanlage. Besonderes Augenmerk legen Hersteller wie Roland, Yamaha, Kawai. Kurzweil und weitere mehr auf die Bereitstellung der Samples, die im Moment des Tastendrucks jederzeit abrufbar sein müssen.
Digital-Pianos haben gegenüber herkömmlichen Klavieren einige Vorteile, aber auch Nachteile: Vorteilhaft ist es sicherlich, dass diese Instrumente kleiner und leichter sind als selbst Kleinklaviere. Auch ist es ein Vorzug dieser Instrumente, dass zum Hören ein Kopfhörer genügt. Eine entsprechend großzügig bemessen Wiedergabeanlage vorausgesetzt, kann durchaus der Klang eines Salonflügels erreicht werden. Allerdings haben Digital-Instrumente hier auch ihre Grenzen: Der Klang der Instrumente interagiert anders mit dem Raum als der klang eines wirklichen Flügels, mag die Wiedergabeanlage auch noch so gut sein. Auch interagieren die vom Instrument hervorgebrachten Klänge untereinander nicht oder nur in eingeschränktem Maße, Saitenresonanzen etwa müssen ebenfalls als Samples vorliegen. So erreichen ausgeklügelte Instrumente der Spitzenklasse durchaus die Preisregionen realer Klaviere. Selbst aufwändig konstruierte Tastaturen können das Spielgefühl realer Instrumente nur annähernd bieten. Da mit diesen Tastaturen keine aufwändige Mechanik in Gang gesetzt werden muss, handelt es sich bei einfachen Digital-Pianos oft nur um mit Plastiktasten ausgestattete so genannte gewichtete Tastaturen, während aufwändige Tastaturen Holztasten und eine Hammermechanik bieten. Keine Frage ist, dass Digital-Pianos selbst unterer Preisklassen eine Alternative für reale Instrumente sind und avancierte Modelle auch professionellen Musikern zumindest für Übungszwecke allemal ausreichen.
Bei einer jüngeren Entwicklung von Digital-Pianos basiert die Tonerzeugung nicht mehr auf Samples, sondern die den Klang bestimmenden Parameter der einzelnen Saiten werden in Realzeit berechnet. Die zugrunde liegende Software erlaubt diverse Eingriffsmöglichkeiten.
Neben den Digital-Pianos gibt es auch Libraries mit Samples von Flügeln und Klavieren, bei denen die Instrumente bestimmter Klaviermarken wie Steinway & Sons, Bechstein und anderen mehr die Töne lieferten. Diese Libraries, die mit jedem Computer oder Masterkeyboard verwendet werden können, werden indes nicht in engerem Sinne als Digital-Pianos bezeichnet.