Elektronisches Schlagzeug

Elektronisches Schlagzeug, englisch: Electronic Drums, Elektrophon (elektro-mechanisches Instrument, Schlaginstrument), Drum Set, das aus einer Zusammenstellung von Trommeln und Becken ähnelnden Einheiten besteht, mit denen diverse elektronisch erzeugte oder als Samples vorliegende Schlagzeugklänge ausgelöst werden können.

E-Drum-Set

Elektronisches Schlagzeug (Fotolia)

Im Aussehen weichen elektronische Schlagzeuge nur wenig von dem herkömmlicher Drum Sets ab: Die einzelnen Trommeln sind – da sie keinen eigenen Resonanzkörper benötigen – einschließlich der Bass Drum alle etwa gleich groß, die Becken bestehen mitunter nur aus einem Kreisausschnitt. Frühere elektronische Drum Sets wiesen mitunter Schlagflächen auf, die nicht rund, sondern mehreckig waren. In jüngerer Zeit entsprechen die Schlagflächen, auch Pads genannt, dem Aussehen herkömmlicher Trommeln.

Eine Trommel eines elektronischen Schlagzeugs ist tatsächlich nichts weiter als ein Geber, eine Trigger-Einheit. Schlägt der Drummer auf die aus Kunststoff oder Gummi bestehende Schlagfläche so wird mit diesem Schlag ein Spannungsimpuls erzeugt, der wiederum eine vorher bestimmten Trommel- oder Beckenklang auslöst. Zwar ist es primäre Aufgabe der Zentraleinheit eines elektronischen Schlagzeugs, eben perkussive Klänge vorzuhalten, doch ist es auch möglich beliebige Klänge, die als Samples gespeichert sein können, auszulösen.

Technisch wurden im Laufe der Zeit verschiedene Lösungen präsentiert: Einerseits sollte das »Spielgefühl« dem herkömmlicher Drums entsprechen. Andererseits war es unabdingbar, dynamisches Spiel zu ermöglichen. Während es spätestens in den 1990er-Jahren erreicht wurde, das Spielgefühl tatsächlich dem herkömmlicher Trommeln anzugleichen, erfordert es nach wie vor einigen technischen Aufwand, die Stärke des Anschlags adäquat in Dynamik umzusetzen. Bei weniger aufwändigen Trigger-Schlagflächen ist unter der Schlagfläche ein Konus aus Schaumstoff angebracht, der auf eine Piezo-Element oder auch einen druckempfindlichen veränderbaren Widerstand wirkt. Avancierte elektronische Schlagzeuge sind mit der so genannten Mesh-Technik ausgerüstet, bei der ein Netz aus Drahtgeflecht den Schlag aufnimmt, in einen von Ort des Aufschlags wie Stärke des Schlags entsprechenden Spannungsimpuls umsetzt und dessen Größe wiederum entsprechende Samples auslöst. Diese Technik bedingt natürlich, dass Samples in entsprechend feiner Abstufung vorliegen und genutzt werden können.

Der Vorteil von elektronischen Schlagzeugen liegt nicht nur in der sehr geringen Eigen-Lautstärke – die eigentlichen Drum-Klänge können mit dem Kopfhörer gehört werden – sondern auch in der Flexibilität. Bei Aufnahme spielt der Schlagzeuger nur eine oder mehrere MIDI-Spuren in einen Software-Sequencer ein; dies kann er im heimischen Wohnzimmer erledigen. Erst in der Produktion – und damit noch nicht einmal vom Schlagzeuger selbst, sondern vom Produzenten – wird der endgültige Klang des Schlagzeugs festgelegt. Es gibt nicht wenige Schlagzeuger, die genau dies ablehnen. Ein weiterer Einwand vieler Schlagzeuger gegen das elektronische Schlagzeug richtet sich nach wie vor gegen das als mangelhafte Spielgefühl.

Bereits in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre experimentierten Schlagzeuger wie etwa Carl Palmer von Emerson, Lake and Palmer, mit der Verbindung von Schlaginstrumenten und elektronischen Klangerzeugern; zu dieser Zeit wurden normale Trommeln mit Trigger-Einrichtungen versehen, die lediglich de Ton auslösten. Mit der Fortentwicklung der Drum-Computer und der Sampletechnik wurden die damit gemachten Erfahrungen auf die Trommeln übertragen. Die erste Firma, die ein überzeugendes elektronisches Drum Set auf den Markt brachte, war die britische Firma Simmons. Der Klang dieser Instrumente dominierte in der Rock- und Popmusik der 1980er-Jahre. Von vielen Bands wurden die Simmons-Drums auch auf der Bühne verwendet, dann aber oft mit herkömmlichen Becken kombiniert, da bestimmte Spielweisen mit den verfügbaren Trigger-Schlagflächen nicht möglich waren. Seit den 1990er-Jahren jedoch bilden elektronische Drums eine Alternative zu herkömmlichen, allein schon, weil mit ihnen Produktionszeit in signifikantem Maße gespart werden kann. Avancierte elektronische Schlagzeuge werden etwa von den japanischen Firmen Yamaha und Roland hergestellt.