Solina String Ensemble

Solina String Ensemble, Keyboard-Instrument mit elektronischer Tonerzeugung (Elektrophon), das vorrangig der Nachahmung des Klanges von Streichergruppen diente, 1974 von der im niederländischen Bodegraven beheimateten Firma Eminent vorgestellt. Das bis 1981 hergestellte Instrument wurde in den USA von der Firma ARP vertrieben und ist daher auch unter dem Namen ARP String Ensemble oder ARP Solina String Ensemble bekannt.

Eminent hatte seit 1972 in seinem Programm eine Orgel mit elektronischer Tonerzeugung, die Eminent 310 unique, die über mehrere Streicherregister verfügte. Dieser Teil der Orgel wurde für das separate String Ensemble verwendet. Technisch gesehen handelt es sich dabei um eine Kombination von Technik für elektronische Orgeln und Technik, die in Synthesizern verendet wird. Wie bei elektronischen Orgeln wird der Ton von einem Tongenerator zur Verfügung gestellt, der die 12 Töne des europäischen Tonsystems in einer sehr hohen Lage als Sägezahn-Töne erzeugt. Diese Töne werden für die tieferen Lagen mittels Frequenzteilern geteilt. Für die anschließende Klangformung wurden drei zeitverzögernde Baugruppen verwendet, so genannte Chorus-Geräte; bei diesen Baugruppen wird die Zeitverzögerung durch LFOs ständig geringfügig verändert, so dass dem entsprechend sich auch die Phasenlage jedes Tones ändert. Beim String Ensemble waren drei Chorus-Einheiten parallel geschaltet, bei jedem aber die Frequenz der jeweiligen LFOs geringfügig unterschiedlich eingestellt. Wurde ein einzelner Ton durch diese Effekt-Baugruppe geschickt, so ergab sich der Eindruck von mehreren Tönen, die ein sehr lebendiges Klangbild aufwiesen, allemal also dem von Phasenverschiebung und geringfügigen Tonhöhenunterschieden geprägten Klang von realen Streichergruppen nahe kam. Es handelt sich dabei nicht um ein Vibrato, da die Frequenz des Ausgangstones nicht verändert wird. Das Solina String Ensemble verfügte zwar noch über weitere Register wie Horn und Trumpet, Musiker kauften es aber wegen seiner Streicherklänge – Viola & Violin, Cello, Double Bass. Es gab mehrere Ausführungen des Instrumentes, die sich wenig unterschieden, alle über eine Tastatur mit 49 Tasten verfügten und sowohl die Steuerspannung wie auch einen Gate-Impuls ausgeben konnten.
Das Solina String Ensemble befand sich in Idealkonkurrenz zum Mellotron, war aber um einiges preisgünstiger als dieses und auch weit unkomplizierter im Aufbau. Während viele Musiker es daher als Ersatz für das Mellotron betrachteten, gab es nicht wenige Keyboard-Spieler, die es als ergänzende Alternative zum Mellotron sahen. Eingesetzt wurde das String Ensemble vor allem im Progressive Rock, um orchestrale Klänge für den Hintergrund zu liefern, sein Klang ist damit ein unmittelbarer Vorläufer der so genannten Pads. Es dauerte nach Vorstellung des Geräte Mitte der 1970er-Jahre nicht lange, dass Synthesizer etwa von Oberheim und Sequential Circuits gleichwertige Klänge bereit stellten und das Instrument damit überflüssig machten. Synthesizer der jüngeren Zeit können durchweg sehr ähnliche Klänge erzeugen, manche davon beruhen auf Samples des Solina String Ensembles.
Eingesetzt wurde das Solina String Ensemble unter anderem von Jean Michel Jarre, Jon Lord, Mike Oldfield, Lutz Rahn, Rick Wright, Rick van der Linden, Eumir Deodato, Herbie Hancock, The Rolling Stones, The Buggles, The Cure und in jüngster Zeit beispielsweise von Henry Fool.


Weblinks

http://www.retrosoundde/Solina.html (Website mit Informationen und Links zum ARP Solina String Ensemble)
http://www.oldschoolsound6/free.fr/manuels/information_service_solina.pdf (Website mit Schaltplan und Platinen-Layouts des Solina String Ensembles)