Tannerin

Tannerin, nach seinem Erfinder Paul Tanner (* 1917, † 2013) benanntes elektronisches Musikinstrument; das Instrument wird aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Theremin auch Electro-Theremin, in Deutschland Elektrotheremin genannt.

Tanner, der als Posaunist etwa im Orchester von Glenn Miller gespielt hatte, erkannte als Studiomusiker die Schwierigkeiten beim Spiel des Theremins; das Theremin war seinerzeit für den Soundtrack des Films »Spellbound« (1945; Regie: Alfred Hitchcock; dt: »Ich kämpfe um dich«) eingesetzt worden. Tanner und der an Elekronik interessierte Schauspieler Bob Whitsell ersannen für das Theremin eine Spielvorrichtung, die im Wesentlichen aus einem aufgespannten Widerstandsdraht bestand; das Tannerin ähnelt darin dem Ondes Martenot. Der Draht befand sich an der Vorderseite eines etwa 60 Zentimeter langen Kastens, in dem sich die Elektronik der Tonerzeugung befand. Auf den Kasten aufgelegt war die Zeichnung einer Pianotastatur, die es dem Spieler ermöglichte, die einzelnen Töne direkt anzusteuern, indem er den vor der Tastaturzeichnung befindlichen Draht auf die darunter angebrachte leitfähige Unterlage drückte. Je nach gewünschter Tonart konnte diese Tastaturzeichnung auch verschoben werden. Abgesehen von der Möglichkeit, einzelne Töne genau spielen zu können – was mit dem Theremin unmöglich ist –, war es aufgrund des Widerstandsdrahtes dennoch möglich, Glissandi über den gesamten Tonumfang des Instrumentes zu spielen. Das Tannerin hatte einen Tonumfang von vier bis fünf Oktaven, einzelne Geräte auch bis zu sechs. Der Klang des Instrumentes ist dem des Theremins zum Verwechseln ähnlich, es handelt sich also wie bei diesem um einen nahezu reinen Sinuston. Das Tannerin besaß keinen integrierten Verstärker, die Tonfrequenzspannung wurde vielmehr einem externen Verstärker zugeführt. Die Lautstärke regelte der Spieler mit einem gewöhnlichen Drehknopf an diesem durchaus konventionellen Verstärker. Am Instrument selbst gab es einen Schalter, mit dem einzelne Töne artikuliert werden konnten.
Das Theremin wurde seinerzeit für die Soundtracks von Filmen, insbesondere für im Weltraum spielende Science-Fiction-Filmen eingesetzt, Mitte der 1960er-Jahre aber auch von Rockmusikern entdeckt. So ist es bei einigen Aufnahmen der Beach Boys zu hören, am bekanntesten ist wohl der Song »Good Vibrations« (1966), doch wurde es auch für die Songs »I Just Wasn’t Made for These Times« (1966) und »Wild Honey« (1967). Die erste LP, die unter Verwendung des Tannerins eingespielt wurde, erschien 1958 unter dem Titel »Music for Heavenly Bodies«.
Als Brian Wilson Ende der 1990er-Jahre auf Tournee ging, baute Tom Polk ausschließlich für diese Tournee ein Einzelstück des Instrumentes und 2004 stellte die kanadische Firma Therevox ein mit modernen Bauteilen aufgebautes Instrument vor. Tanner hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Prototypen längst verkauft in der Annahme, dass die seit der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre erhältlichen Synthesizer sein Instrument schnell ablösen würden. In der Tat gab es bald für die Synthesizer der Firma Moog einen so genannte Ribbon-Controller, eine Art überdimensionierter Schiebewiderstand, mit dessen Hilfe eine Steuerspannung stufenlos geregelt und den Modulen des Instrumentes zugeführt werden konnte. Derartige Regler gibt es auch für jüngere Synthesizer, etwa die PC3-Instrument der amerikanischen Firma Kurzweil. Schließlich führt das Haken Continuum Fingerboard die Idee in stark erweiterter Form weiter.


Weblink

http://www.electrotheremin.com (Website zum Tannerin)
http://www.therevox.com (Website der kanadischen Firma Therevox, die Electro-Theremins und Ondes-Martenot-Instrumente baut)