Theremin

Theremin, elektronisches Musikinstrument, auch Theremingerät, Thereminvox, Ätherofon, 1920 von dem russischen Physiker Léon Theremin (eigentlich Lew Sergejewitsch Termen, * 1896, † 1993) erfunden; das Theremin gilt als das erste Musikinstrument mit elektronischer Tonerzeugung.

Äußerlich ist ein Theremin eher unscheinbar: Aus einem mehr oder weniger kleinen Holzkasten ragen ein oder zwei Metallstäbe, die so genannten Antennen, heraus – meist ist einer senkrecht auf dem Kasten, ein zweiter, oft zur Schlaufe gebogen, an der Seite des Kastens befestigt. Da es sich um ein elektronisches Musikinstrument handelt, muss die von ihm erzeugte Tonspannung mit Verstärker und Lautsprecher hörbar gemacht werden.

Die prinzipielle Konstruktion des Instrumentes – die aus der Hochfrequenztechnik stammt – basiert auf einer verstimmbaren Wien-Robinson-Brücke. Dazu werden zwei Oszillatoren – einer mit fester, ein zweiter mit variabler Frequenz – über einen Differenzmischer miteinander verbunden. Aufgrund geeigneter Dimensionierung der Mischstufe befindet sich die Differenzfrequenz im hörbaren Bereich. Die Frequenz des verstimmbaren Oszillators wird durch Annähern der Hand an eine Spielantenne oder Wegbewegen von ihr beeinflusst. Spielantenne und Hand bilden dabei eine Kapazität, deren Größe sich mit der Bewegung ändert und damit die Frequenz des variablen Oszillators verändert. Bei späteren Geräten dient eine zweite Antenne der kontinuierlichen Veränderung der Lautstärke, ebenfalls mit der Hand gesteuert. Ein Theremin erzeugt einen ständigen Ton, ein hohler Klang, der nicht recht ortbar ist und einem Sinuston sehr nahe kommt, ohne dass der Klang eines Theremins von anderen elektronischen Instrumenten ohne weiteres nachgeahmt werden kann.

Während des Spiels werden die Antennen des Theremins nicht berührt. Es ist damit das einzige Musikinstrument, das zum Spiel nicht berührt werden muss. Ein Theremin ist nicht einfach zu spielen und erfordert neben einem guten Gehör auch exakte Körperkoordination. Über diese Voraussetzungen scheinen besonders Frauen zu verfügen – virtuose Theremin-Spielerinnen sind Clara Rockmore (* 1911, † 1998), Lydia Kavina (* 1967) und Carolina Eyck (* 1987).

Für das Theremin schrieben einige Komponisten der Kunstmusik, so B. Martin? (»Fantasie« für Theremin, Oboe, Streichquartett und Klavier, 1944), E. Varèse (»Ecuatorial«, 1933/34, neue Fassung 1961), H. Cowell (»Concerto for Rhythmicon«, 1932) und J. Cage (»Variations V.«, 1965). Auch ist das Instrument in der Rockmusik verwendet worden – etwa von Lothar and the Hand People, Led Zeppelin, The Pixies, Portishead und Marilyn Manson. Der dem Klang eines Theremins ähnelnde Klang in dem Song »Good Vibrations« (1966) der amerikanischen Rockband The Beach Boys stammt indes nicht von einem Theremin, sondern vom so genannten Electro-Theremin, das von dem Posaunisten Paul Tanner entwickelt wurde und daher auch Tannerin genannt wird; bei diesem Instrument wird die Tonhöhe durch einen Schieberegler gesteuert.

Aufgrund seines ungewöhnlichen und ein wenig unheimlichen Klanges – für den es seinerzeit kein Vorbild unter herkömmlichen Instrumenten gab – wurde das Theremin besonders für die Soundtracks von Science-Fiction- und Horror-Filmen eingesetzt und lieferte schauerliche Töne für Filme wie »The Day the Earth Stood Still« (1951) und »Mars Attacks« (1996).

Theremin-Geräte werden nach wie vor von diversen Firmen hergestellt, oft als Bausatz. Auch die Firma moog music bietet seit einigen Jahren wieder Theremins an.

Literatur

C. Eyck: Die Kunst des Thereminspiels (Berlin 2006)

Diskografie

Lothar and the Hand People: Lothar and the Hand People (1968)
Portishead: Dummy (1994)