Trautonium

Trautonium, Elektrophon (elektronisches Musikinstrument), Vorläufer des Mixturtrautoniums; der Name basiert auf der Verwendung eines Teils des Nachnamens des Erfinders des Instrumentes, Friedrich Trautwein (* 1888, † 1956).

Der Physiker Friedrich Trautwein hatte sich in den 1920er-Jahren mit der Erzeugung von Tönen unter Verwendung elektrischer Komponenten beschäftigt und 1929 einen Oszillator auf der Basis von Glimmröhren gebaut. Der Komponist Paul Hindemith empfahl ihm seinen Schüler Oskar Sala (* 1910, † 2002) zur Mithilfe bei dem Bau eines Prototypen, der 1930 in Berlin vorgestellt wurde.

Der Ton wird dabei von einer Glimmlampe, einer Gasentladungslampe, die ihren Betrieb erst ab Erreichen eines Zündstromes in bestimmter Höhe aufnimmt. Der mehr oder weniger schnelle Wechsel zwischen Erreichen des Zündstromes und anschließendem willentlich herbeigeführten Zusammenbruch des Zündstromes erzeugt eine hochfrequente Sägezahnschwingung, die durch Frequenzteiler auf hörbare Töne geteilt werden kann. Hörbar sind also die durch Teilung eines Grundtones hervorgerufenen unterhalb dieses Tones liegenden Töne, die dann auch als subharmonische Töne oder Untertöne bezeichnet werden. Die Töne enthalten alle Obertöne, die in der Lautstärke durch Filter (Hochpass, Tiefpass) eingeschränkt werden können. Neben Filtern und Verstärker ist ein so genanntes Bandmanual zentraler Bestandteil des Trautoniums: Es besteht aus einer Metallschiene, über die in niedriger Höhe ein Widerstandsdraht gespannt ist. Wie etwa eine Violinsaite wird dieser Draht an beliebiger Stelle auf die Schiene – die quasi als Griffbrett fungiert – gedrückt, was entsprechend der verbleibenden Länge des Widerstandes den in der Konstruktion fließenden Strom analog erhöht oder erniedrigt, wodurch wiederum die Frequenz der tonerzeugenden Glimmlampe direkt beeinflusst wird.

Die ersten Instrumente waren nur einstimmig spielbar, konnten aber jedes beliebige Intervall und jede Art von Glissando erzeugen. Die deutsche Rundfunkgerätefirma Telefunken stellte serienmäßig 200 Instrument her, die allerdings nur wenige Käufer fanden. Sala sah die Einstimmigkeit als musikalischen Nachteil und konstruierte 1950 aus dem Trautonium sein Mixturtrautonium, das über mehrere Glimmlampenoszillatoren sowie ein zweites Bandmanual verfügte und damit zwei- und vierstimmiges Spiel erlaubte. 1988 bauten ihm Studenten der Fachhochschule der Deutschen Bundespost, wobei auch digitale Technik eingesetzt wurde. Die Instrumente befinden sich heute in Museen.

Sala war der einzige professionelle Spieler des Trautoniums und komponierte zahlreiche Werke für das Instrument, darunter auch eine Reihe von Filmmusiken, so etwa für Alfred Hitchckocks Film »The Birds« (1963; deutsch: Die Vögel).

Seit den 1930er-Jahren gab es einige wenige Komponisten, die für Sala und sein Trautonium komponierten. Zu diesen Werken gehören etwa Paul Hindemiths »Konzertstück für Trautonium und Orchester« (1931), Harald Genzmers »Zwei Konzerte mit Orchester« (1936 und 1952), »Suite de danses« (1964) und »Cantate pour soprano et sons éléctroniques« (1964) und Klaus Jungks »Musik für Trautonium und Streichquartett« (1951).

Die Idee des Bandmanuals wurde in den 1970er-Jahren von dem amerikanischen Synthesizer-Hersteller Moog wieder aufgegriffen; er verband seine modularen Synthesizer – als deren Vorläufer das Trautonium gelten kann – mit einem so genannte Ribbon Controller. Spätere Ribbon Controller – etwa von der deutschen Firma Doepfer – machten sich auch MIDI zunutze.