Wurlitzer-Piano

Stichworte Elektrisches Klavier | Fender-Rhodes-Electric-Piano | Queen



Wurlitzer-Piano, Elektrophon (Idiophon, Aufschlagidiophon), elektromechanisches Tasteninstrument, zwischen 1955 und 1982 von der amerikanischen Rudolph Wurlitzer Company hergestellt.

Das Instrument mit einem Klaviaturumfang von 64 Tasten gab es in zwei grundsätzliche Ausführungen: Portabel und stationär. Das portable Piano besaß ein kofferähnliches Gehäuse und stand auf vier abnehmbaren Beinen; ein kleiner Verstärker war zwar eingebaut, doch war es in der Regel auf externe Verstärkung angewiesen. Das stationäre Modell war mit dem portablen Modell weitgehend identisch, verfügte aber über eine größeren Verstärker und eingebaute Lautsprecher. Für Schulungszwecke stellte Wurlitzer auch ein kleineres Modell mit nur 44 Tasten her; bei diesem Instrument waren Tonerzeugung, Tastatur, Verstärker und Lautsprecher in einem einteiligen Plastikgehäuse untergebracht.
Die Tonerzeugung ähnelte der eines herkömmlichen Klaviers. Die Hämmer der Mechanik schlugen allerdings nicht Saiten, sondern schmale Metallplatten, so genannte reeds, an. Diese bildeten mit einer zweiten, in unmittelbarer Nähe angebrachten Platte einen Kondensator, der Teil eines Schwingkreises war. Die Kapazität dieses Kondensators wurde durch die Schwingung der angeschlagenen Platte verändert, damit auch die Frequenz des Schwingkreises. Die schwankende Spannung wurde als Tonspannung Klangformung und Verstärkung zugeführt.
Die Art der Tonerzeugung und –abnahme war prinzipiell von Benjamin Meissner erfunden worden. Meissner hatte ein gewöhnliches Klavier mit der Kondensator-Tonabnahme ausgerüstet. Wurlitzer griff diese Idee auf, ersetzte aber die Saiten durch Metallzungen. Dadurch konnte das Instrument sehr viel kleiner und vor allem transportabel gestaltet werden. Der Klang des Wurlitzer-Pianos ist bei moderater Spielweise eher weich und erinnert an den Klang von Glocken; bei nachdrücklicher Spielweise treten mehr oder weniger starke Verzerrungen neben den eigentlichen Klang und verändern ihn erheblich. Wegen seines Klangs, aber auch wegen seiner äußerlichen Ähnlichkeit kann das Wurlitzer leicht mit dem Fender-Rhodes-Electric-Piano verwechselt werden. In jüngerer Zeit programmierten einige Firmen Software-Versionen des Instrumentes.
Das Instrument wurde hier und da in Jazz und Rock verwendet, so etwa von Ray Charles, Joni Mitchell, Sun Ra, Steely Dan, Sheryl Crow und Norah Jones. Die bekanntesten Songs, die mit dem Wurlitzer-Piano eingespielt wurden, stammen mit »Dreamer« und »The Logical Song« von Supertramp und »You’re My Best Friend« von Queen.



Diskografie

Supertramp: Crime Of The Century (1974)
Queen: A Night At The Opera (1975)
Supertramp: Breakfast in America (1978)