Ajax Drums

Ajax Drums, Schlagzeugmarke des britischen Musikinstrumente-Herstellers Hawkes & Son London Ltd

Hawkes & Son war 1865 von William Henry Hawkes gegründet worden. Zunächst publizierte und druckte das Unternehmen Noten, dann waren auch Musikinstrumente und Verbrauchsmaterial für Musikinstrumente, etwa Blätter für Klarinetten, im Angebot. Hawkes stellte auch Trommeln her. Als nach dem Ersten Weltkrieg das Interesse an Drum Sets wuchs, fertigten Hawkes & Son unter der Markenbezeichnung Ajax auch Sets an, die in Gestaltung und Machart deutlich an die Instrumente der amerikanischen Hersteller Leedy und Ludwig & Ludwig angelehnt waren.

1930 ging Hawkes & Son mit dem Konkurrenten Boosey & Son in dem gemeinsamen Unternehmen Boosey & Hawkes auf. Boosey & Hawkes hielt die Fertigung der Schlagzeuge in Edgware (London) bis 1970 aufrecht, unterlag dann aber der auf den Markt drängenden amerikanischen Konkurrenz.

Hawkes war mit seinen Ajax Drums in den Jahrzehnten zuvor weitgehend von den Instrumenten der amerikanischen Firmen abhängig und kopierte diverse Details, so dass die Instrumente der Firme mitunter wie Mischformen von Instrumenten von Ludwig und Leedy wirkten. Dennoch fanden die Schlagzeug-Sets das Interesse der Drummer der Swing-Ära, so dass die Marke ihren Platz auf dem britischen Schlagzeugmarkt behaupten konnte. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg beobachtete Boosey & Hawkes die Veränderungen im Design der amerikanischen Schlagzeuge genau und ahmte sie nach – in den 1940er-Jahren hatten sich die Ansichten, wie ein Drum Set zusammengestellt sein sollte, erheblich verändert. Jazz-Drummer wie Jack Parnell, Eric Delaney, James Baldes, Max Abrams, Allan Ganley, Phil Seamen, Kenny Clare, Jock Cummins und Ronnie Verrell spielten Ajax Drums. Auch Rockmusiker fanden Gefallen an den Instrumenten der Firma – Tony Meehan, Schlagzeuger der Shadows, spielte eine Pipperette-Snare-Drum, eine kleinere Ausgabe der seinerzeit sehr beliebten Pipper-Snare-Drum. Spätere Rock-Größen wie Ringo Starr und Carl Palmer übten zu Beginn ihrer Karriere ebenfalls an Ajax Drums. Ende der 1950er-Jahre bot Boosey & Hawkes unter den Markennamen Edgware und Stratford neben den etablierten Ajax Drums auch zwei Linien preisgünstiger Schlagzeug-Sets an.

Als in der ersten Hälfte die Verkaufszahlen rapide zurückgingen, versuchte Boosey & Hawkes mit der Etablierung der Nu-Sound-Serie verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Man hatte sich Details bei den Trommeln der amerikanischen Firma Rogers abgeschaut und tatsächlich waren die Drum Sets der Nu-Sound-Serie technisch und optisch auf der Höhe der Zeit. Allerdings hatten sich die Methoden der Vermarktung von Drum Sets geändert, wichtig war, dass bekannte Schlagzeuger die Instrumente auch spielten. Boosey & Hawkes gelang es indes nicht, längst bei der Konkurrenz unter Vertrag stehende Drummer für sich zu gewinnen Auch der Versuch, mit in Lizenz von Rogers hergestellten Drum Sets zu reüssieren, schlug fehl. Gegen Ende des Jahrzehnts bestanden die Sets der Firma häufig aus zusammengewürfelten Ansammlungen von Produkten der Firma Rogers und Ajax – die Kessel von Ajax, die Ausstattung der Trommeln von Rogers, Hardware mal von Rogers, mal von Ajax. Um 1970 gaben Boosey & Hawkes die Marke Ajax auf.