Antonio Stradivari

Stradivari, Antonio, italienischer Geigenbauer, * 1644, † Cremona 18.12. 1737; dass Stradivari auch in Cremona geboren wurde, ist wahrscheinlich, aber nicht eindeutig geklärt; möglicherweise wurde er auch erst 1648 geboren. Antonio Stradivari gilt als der bedeutendste Geigenbauer überhaupt.

Stradivari war Mitglied einer alten Patrizierfamilie in Cremona. Wo und bei wem er den Geigenbau lernte, ist nicht zu klären, doch arbeitete er von 1658 bis 1664, nach anderen Angaben von 1664 bis 1679 in der Werkstatt Nicolo Amatis (siehe Brüder Amati) und war mit einiger Wahrscheinlichkeit dessen Schüler. Erste Arbeiten von Stradivari datieren seinen Instrumentenzetteln nach von 1665.

Es ist unbekannt, wie viele Instrumente Stradivari insgesamt baute, die Zahl der Violinen beispielsweise schwankt zwischen 1000 und 3000. Selbst die Zahl der Violinen, die bis heute bekannt sind, ist nicht exakt festzustellen, es sind zwischen 600 und 650 Violinen, 12 Bratschen, 50 Violoncelli und eine oder zwei Harfen.

Stradivaris Instrumente – hier ist nur von den Violinen die Rede – lassen sich drei Bauphasen zuordnen: Bis etwa 1680 unterscheiden sie sich kaum von den Violinen Amatis, danach veränderte Stradivari allmählich das Erscheinungsbild, die Instrument wurden länger, bis er etwa 1700 die endgültige Form seiner Violinen gefunden hatte.

Stradivaris Violinen sind vermutlich die am besten und am häufigsten untersuchten Instrumente der Geschichte überhaupt. Eine typische Violine Stradivaris der letzten Phase weist etwa folgende Merkmale auf: Gegenüber den Instrumenten von Amati sind Decke und Boden seiner Violinen weniger stark gewölbt, die Zarge ist mit etwa 30 Millimeter Höhe relativ niedrig. Der Boden aus Ahorn ist meist aus zwei Teilen zusammengesetzt, die Decke besteht aus Fichte. Die C-förmigen Einbuchtungen des Korpus’ sind um weniges länger als bei den Violinen anderer Geigenbauer der Zeit, die f-Löcher akribisch geschnitten. Stradivari verwendete einen goldbraunen Lack, später auch einen ins Rötliche spielenden Lack, und es gibt einige Instrumente, die einen violetten Schimmer zeigen.

Stradivaris Violinen stellen den Idealtypus der Violine dar und wurden kopiert – etwa von Jean-Baptiste Vuillaume und Nicolas Lupot – und natürlich auch gefälscht. Bereits zu Lebzeiten galten Stradivaris Instrumente als herausragend, nach seinem Tod entwickelte sich schnell ein von diversen Legenden begleiteter Mythos, der sich bis heute hält. Die Klangschönheit und Durchsetzungsfähigkeit der Violinen des Cremoneser Meisters gaben Anlass zu zahlreichen Experimenten, ihrem »Geheimnis« auf die Spur zu kommen. Stradivaris Werkzeuge, Schablonen und Zeichnungen sind erhalten und befinden sich heute im Städtischen Museum Ala Ponzone in Cremona. Aufbauend auf diesen Zeugnissen konnten exakte Kopien angefertigt werden, die dennoch das Klangideal der Vorbilder nicht erreichten. Das Holz der Instrumente – Stradivari verwendete ein besonders feinjähriges Fichtenholz – lässt sich verständlicherweise nicht kopieren, doch ist beispielsweise auch die genaue Rezeptur des von ihm verwendeten Lackes im Detail nicht bekannt. Andererseits gibt es auch heute Geigenbauer, die Instrumente von ähnlicher Klangschönheit bauen können. In Rechnung muss auch gestellt werden, dass kaum eine der Violinen Stradivaris, die heute noch in Gebrauch ist, unverändert blieb. Schon die Umstellung von Darmsaiten auf neuzeitliche Saiten bedeutet einen erheblichen Eingriff. Und schließlich: Instrumente Stradivaris befinden sich ausschließlich in der Hand hervorragender Musiker, die wissen, wie mit diesen Instrumenten umzugehen ist und deren Möglichkeiten nutzen können.

Der Mythos der Violinen Stradivaris führte dazu, dass viele von ihnen Beinamen wie beispielsweise »Golden Bell« (gebaut 1686), »The Brodsky« (1702), »Dornröschen« (1704), »Lord Dunn Raven« (1710) – diese Violine gehört zur Zeit der deutschen Violinvirtuosin Anne-Sophie Mutter –, »Il Cremones« (1715), »Titian« (1715), »Tartini« (1715), »Aurea« (1715), »Messias« (1716) erhielten. Bei den Violoncelli ist es zum Beispiel das Cello »Du Pré« (1673), das von Jacqueline du Pré (* 1945, † 1987) gespielt wurde. Nicht alle Violinen Stradivaris werden heute noch gespielt, sondern befinden sich beispielsweise im Besitz von Museen oder Sammlern. Die Existenz einiger Violinen ist zwar bekannt, doch ist ihr derzeitiger Aufenthalt unbekannt, da sie gestohlen wurden und zum Teil seit mehr als 100 Jahren nicht wieder aufgetaucht sind.

Literatur

Goodkind, Herbert K.: Violin Iconography of Antonio Stradivari 1644-1737; Larchmont 1973
Sacconi, Simone F.: Die Geheimnisse Stradivaris; Cremona 1972, dt. 1976, 2. Auflage 1982
Thöne, Jost/Roehrmann, Jan: Antonio Stradivari Compendium; Köln 2010