Bechstein

Bechstein, deutsche Klavierbaufirma, 1853 von Carl Bechstein (* 1826, † 1900) in Berlin unter dem Namen Pianoforte-Fabrik C. Bechstein gegründet; die Firma trägt heute den Namen C. Bechstein Pianofortefabrik AG Berlin.

Carl Bechstein nahm 1840 in Erfurt bei der Klavierbauwerkstatt Gleitz eine Lehre zum Klavierbauer auf. Nach der Lehre und einigen Arbeitsverhältnissen bei anderen Klavierbauern arbeitete er ab 1846 oder 1848 in Berlin in der Werkstatt des Klavierbauers Gottfried Perau. 1849 wechselte er zunächst nach London, dann nach Paris, um dort seine Kenntnisse im Klavierbau zu erweitern. Schon ein Jahr nach seiner Rückkehr nach Berlin 1852 gründete er in Räumen, die Perau ihm überlassen hatte, seine eigene Klavierbaufirma. Wenig später lernte er den Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow kennen, auf dessen Anregung hin er einen robusten Konzertflügel baute, der den Anforderungen von Bülows aber auch Franz Liszts gewachsen war. Die Präsentation des Instrumentes durch von Bülow war so überzeugend, dass die Instrumente beinahe über Nacht bekannt wurden. Bis 1860 hatte er an die 300 Flügel gebaut, die Firma Bechsteins wuchs und die Flügel hatten nun auch im Ausland Erfolg und wurden mit Preisen ausgezeichnet. Bereits 1870 stellte die Bechstein-Pianofortefabrik etwa 500 Klaviere und Flügel pro Jahr her.
Die starke Nachfrage nach den Instrumenten Bechsteins machte den Bau weiterer Fabrikationsanlagen nötig. 1882 wurde eine zweite Fabrik, 1897 eine dritte in Berlin gebaut. Schon 1885 hatte Bechstein eine Filiale in London eröffnet, und baute um die Wende zum 20. Jahrhundert nach dem Vorbild der Steinway-Halls der amerikanischen Firma Steinway & Sons eine Konzerthalle ein London, die Bechstein Hall. Im Ersten Weltkrieg wurde der Besitz Bechsteins in London enteignet und die Halle 1917 unter dem Namen Wigmore Hall wieder eröffnet; der Konzertsaal ist bis heute in Betrieb. Auch in Paris und Sankt Petersburg baute Bechstein ähnliche Hallen. Die Säle dienten in erster Linie der Präsentation der Instrumente der Firma durch die Konzerte namhafter Solisten.

1900 hatten die Söhne Bechsteins Edwin (* 1859, † 1934), Carl und Johannes die Leitung der Firma übernommen. Johannes Bechstein starb bereits 1906 und Edwin ließ sich nach einem Streit mit seinem Bruder Carl ausbezahlen. Als die Firma 1923 in eine Aktiengesellschaft überführt wurde, kehrte Edwin mit seiner Frau Helene jedoch als Anteilseigner wieder in die Firma zurück. Das Ehepaar förderte in diesen Jahren auch Adolf Hitler, unterstütze ihn materiell und gehörte zum Kreis jener, die dem Führer der NSDAP den Zugang zur Gesellschaft ermöglichte.

Die Wirtschaftskrisen der 1920er-Jahre überstand die Firma, wenn sei auch einen Rückgang der Produktion hinnehmen musste. Allerdings fiel in diese Zeit auch die Konstruktion des elektromechanischen Neo-Bechstein-Flügels, mit dem wesentliche Konstruktionsmerkmale späterer elektromechanischer Klaviere vorweggenommen wurden; gleichwohl erfüllte das Instrument nicht die Vorstellungen ihrer Konstrukteure. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Klavierfabrik zur Kriegsproduktion verpflichtet und stellte Propeller für Flugzeuge her.

Wegen der Nähe ihrer Eigentümer zum Nazi-Regime wurde das Unternehmen 1945 von den Amerikanern beschlagnahmt und der Entnazifizierung unterzogen. 1951 wurde die Firma an ihre Eigentümer zurückgegeben. Nach schwierigem Neubeginn mit niedrigen Verkaufszahlen erholte sich das Unternehmen im laufe der 1950er-Jahre jedoch wieder, eröffnete 1959 einen weiteren Produktionsstandort in Karlsruhe, später auch einen in Eschelbronn in Baden-Württemberg. 1973 wurde die unter inzwischen amerikanischer Leitung stehende Firma in eine GmbH umgewandelt. 1986 kaufte der Klavierbauer Karl Schulze das Unternehmen, schloss die Fabriken in Karlsruhe und Eschelbronn und fertigte die Instrumente nur noch in Berlin. Zwar übernahm Bechstein 1990 die Klaviermarken Euterpe, W. Hoffmann und Feurich, und 1992 den VEB (Volkseigener Betrieb) Sächsische Pianofortefabrik Seifhennersdorf mit deren Marke Zimmermann, musste jedoch noch im selben Jahrzehnt Konkurs anmelden. Der Konkurs wurde jedoch vom Berliner Senat verhindert. Im Zuge der Sanierung des Unternehmens wurde die Produktionsstätte in Berlin aufgegeben und die gesamte Herstellung nach Seifhennersdorf verlegt. Als Aktionär des 1996 wieder in eine Aktiengesellschaft überführten Unternehmens beteiligte sich nunmehr der koreanische Musikinstrumentenhersteller Samick, gab sein Engagement jedoch 2009 auf. Zu den Großaktionären gehören nunmehr Karl Schulze und seine Frau Berenice Küpper.

Das Unternehmen C. Bechstein Pianofortefabrik AG Berlin unterhält neben den Marken C. Bechstein, Bechstein Academy und Zimmermann die Marke W. Hoffmann, deren Instrumente seit 2007 in Tschechien hergestellt werden. Einige Jahre lang ließ Bechstein die Marken Euterpe in Indonesien und die Marke Wilh. Steinmann in China bauen, gab diese Marken jedoch unter der Prämisse, nur noch in Europa zu fertigen, auf.

Bei den Klavieren und Flügeln der Firma handelt es sich um Instrumente der absoluten Spitzenklasse, beinahe jeder Konzertsaal von Rang hat einen oder mehrere Flügel mit dem Namen Bechstein im Depot. Der Klang der Bechstein-Flügel gilt als Klavierklang schlechthin.

Weblink

www.bechstein.de (Offizielle Website der deutschen Klavierbaufirma Bechstein)