Blüthner

Blüthner, deutsche Klavierbaufirma, 1853 von Julius Ferdinand Blüthner (* 1824, 1910) in Leipzig gegründet, der vollständige Name lautet Julius Blüthner Pianofortefabrik.

Julius Blüthner absolvierte als Jugendlicher eine Lehre zum Möbeltischler. Nach der Lehre arbeitet er in der Klavierfabrik Hölling und Spangenberg, wo er sich seine Kenntnisse im Klavierbau aneignete. Als nach den Revolutionsjahren 1848/49 der Instrumentenbau in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und zahlreiche Manufakturen schlossen, verdiente Blüthner sich seinen Lebensunterhalt mit dem Stimmen und Reparieren von Klavieren. 1850 nahm er eine Anstellung in der Klavierfabrik Bretschneider in Leipzig an.

1853 gründete Blüthner sein eigenes Klavierbauunternehmen. Bereits ein Jahr später konnte er den ersten Flügel seiner Firma präsentieren. Die Instrumente Blüthners fanden bald den Zuspruch professioneller Pianisten, so dass die Verkaufszahlen rasch stiegen; bis 1862 waren 500 Instrumente fertiggestellt.

Blüthner expandierte: 1864 wurde ein neues Fabrikgebäude gebaut, dem 1870 und 1872 je ein weiteres Gebäude folgten. Die Instrumente fanden nunmehr weltweit Anklang und die Firma wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Besonders die Präsenz auf den Ende des 19. Jahrhunderts stattfindenden Weltausstellungen in Paris steigerte die Reputation der Flügel Blüthners. Seit den späten 1870er-Jahren lieferte die Firma weltweit Instrumente aus; in London wurde eine Filiale eröffnet. Leipzig war in dieser Zeit zu einem Zentrum des deutschen Klavierbaus geworden. Blüthner vergrößerte seine Fabrikationsanlagen 1877, 1881 und 1890, 1888 wurde in Leutzsch, einem Ort bei Leipzig, ein eigenes Sägewerk nebst Holzlager aufgebaut. In Leipzig baute Blüthner 1878 eigene Ausstellungsräume für seien Klaviere und Flügel. All diese Maßnahmen bewirkten, dass bis 1903 die Jahresproduktion des Unternehmens auf 3000 Instrumente stieg.

Nach dem Tode Julius Blüthners 1910 übernahmen seine Söhne Robert, Max und Bruno die Firma. Der Erste Weltkrieg traf das Unternehmen schwer, vor allem das Geschäft mit dem Ausland litt, doch ließ kriegsbedingt auch der Absatz im Inland nach. Nach dem Krieg erholte sich das Klavierbauunternehmen wieder, so dass bald wieder weit über 3000 Klaviere und Flügel pro Jahr produziert werden konnten. Der Zweite Weltkrieg brachte erneut einen Rückschlag: 1943 brannten nach einem Bombenangriff die Fabrikanlagen nahezu vollständig aus, wobei auch historische Unterlagen und Instrumente verloren gingen.
Nach Gründung der DDR wurde das Familienunternehmen verstaatlicht. Unter der Bezeichnung VEB (Volkseigener Betrieb) Blüthner Pianos wurden wieder Klaviere und Flügel gebaut und vertrieben. Bereits 1953 war die Nachfrage nach den Instrumenten so groß geworden, dass der Bau einer neuen Fabrik erforderlich wurde. Nach der Auflösung der DDR wurde das Unternehmen wieder an die Familie Blüthner zurückgegeben. Das Interesse and den Instrumenten der nun wieder weltweit agierenden Firma wuchs kontinuierlich, so dass der Bau einer neuen Produktionsanlage erforderlich wurde, die 1996 in Störmthal, einem kleinen Vorort Leipzigs, eingeweiht wurde. 2003 feierte Blüthner das 150jährige Jubiläum. Das Unternehmen, nach wie vor im Besitz der Familie, wird von Ingbert Blüthner-Haessler, Christian Blüthner-Haessler und Knut Blüthner-Haessler geleitet.

Blüthner hat einige wichtige Beiträge zum Klavierbau geleistet, so etwa 1856 die Blüthner-Patentmechanik vorgestellt, eine Variante der Stoßzungenmechanik mit weniger beweglichen Teilen, besonders aber das so genannte Aliquot-System. Dabei wird im Diskant zusätzlich zu dem normalen Bezug von drei Saiten je Ton eine vierte Saite gespannt, die jedoch nicht angeschlagen wird, sondern bei Anschlag des jeweiligen Tones als Resonanzsaite fungiert und durch Mitschwingen den Ton verstärkt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeitete Blüthner auch an der Entwicklung von Selbstspielautomaten mit, etwa am Phonola-System der Leipziger Firma Hupfeld, aber auch am Welte-Mignon-System der Freiburger Firma Welte.

Die Flügel der Firma Blüthner gehören zur Spitzenklasse des Klavierbaus, nicht zuletzt aufgrund ihres eigenständigen, etwas dunklen und sehr »runden« Klangs. Die Instrumente waren auch bei Komponisten und Pianisten begehrt. So besaßen etwa Claude Debussy, Max Reger, Richard Wagner, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Ferruccio Busoni, Claudio Arrau, Arthur Rubinstein und Wilhelm Kempff Flügel Blüthners.

Weblink

www.bluethner.de (Offizielle Website der deutschen Klavierbaufirma Julius Blüthner Pianofortefabrik)