Gretsch

Gretsch, amerikanischer Hersteller von elektrischen Gitarren und Drum Sets, 1883 von dem deutschen Einwanderer Friedrich Gretsch (* Mannheim 1856, † Hamburg 1895) in Brooklyn, New York, gegründet.

Friedrich Gretsch baute und verkaufte zunächst Banjos, Tamburine und Trommeln. Die Firma wuchs schnell und konnte nach Friedrich Gretschs frühem Tod von seinem Sohn Fred, seinerzeit erst 15 Jahre alt, mit Hilfe seiner Mutter und seiner jüngeren Brüder Walter und Louis erfolgreich weitergeführt werden. Ende des 19. Jahrhunderts war der Name Gretschs, der nunmehr auch Mandolinen fertigte, über New York und die USA hinaus bekannt geworden, so dass er auch die Märkte in Europa belieferte. 1916 bezog die Firma, die Anfang des 20. Jahrhunderts den Namen Fred Gretsch Mfg. Co, erhalten hatte, größere Fertigungsstätten am Broadway. Das zehnstöckige Gebäude ging unter dem Namen The House of Gretsch in die Geschichte er Stadt ein. 1920 war Gretsch der größte Hersteller von Musikinstrumenten weltweit.
Als nach dem Ersten Weltkrieg das Banjo seine Stellung innerhalb der Jazz-Bands einbüsste und sukzessive die Gitarre an seine Stelle trat, nahm Fred Gretsch auch die Fertigung von Gitarren auf und mit der Verfügbarkeit elektrischer Tonabnehmer brachte die Firma 1939 mit der Electromatic Line auch eine elektrische Gitarre auf den Markt. Zunächst mit wenig Erfolg; erst nach dem Zweiten Weltkrieg, während dessen die Firma in die Rüstungsproduktion eingebunden war, war Gretsch auch mit elektrischen Gitarren, etwa der 6120 und der White Falcon erfolgreich, erst recht, als der Gitarrist Chet Atkins Instrumenten von Gretsch den Vorzug gab und die Country-Gentleman-Gitarre weltbekannt machte. Wesentlich an der Entwicklung der imposanten Hollow-Body-Gitarren war Duke Kramer beteiligt. Die Instrumente der Firma konnten sich in Bereichen von Jazz und Country Music bald eine unangefochtene Stellung erobern, und auch im frühen Rock’n’Roll, insbesondere im Rockabilly fanden die Instrumente Gretschs ihren festen Platz und werden von Rockabilly-Gitarristen nach wie vor bevorzugt. Stark nachgefragt wurden die Gitarren, als George Harrison Anfang der 1960er-Jahre eine gebrauchte Duo Jet gekauft hatte und häufig einsetzte; Harrison blieb der Marke über Jahre treu. Es gelang Gretsch auch, The Monkees für ihre Fernsehserie mit Instrumenten – Gitarren, Drum Sets – auszustatten.
Fred Gretsch war 1942 gestorben und seine Söhne Fred Gretsch Jr. und William Gretsch hatten die Geschicke der Firma übernommen. William Gretsch starb bereits 1948, Fred Gretsch Jr. führte die Firma allein weiter. Die Marktmacht der Firma war zu dieser Zeit so groß, dass man Fender zwingen konnte, seine gerade auf den Markt gebrachte Broadcaster-Gitarre in Telecaster umzubenennen, gab es doch bereits ein Drum Set von Gretsch, das den Namen Broadkaster – nicht: Broadcaster – trug; das Broadkaster-Bop-Set wurde von vielen Schlagzeugern der Bebop-Ära gespielt.
Gretsch war zu dieser Zeit kein Neuling auf dem Gebiet des Schlagzeugbaus. Bereits 1918 hatte Fred Gretsch eine Methode gefunden, Trommelkessel aus dünnen Holzblattern zu laminieren. 1927 brachte die Firma ihre Gretsch-American-Serie auf den Markt, deren Trommeln durchweg aus gesperrten Hölzern bestand; diese von Gretsch angestoßene Entwicklung wurde im Laufe der Jahrzehnte von allen Schlagzeug-Herstellern übernommen.
Gretsch entwarf und baute seine Instrumente stets in enger Zusammenarbeit mit den jeweils erfolgreichen Schlagzeugern der Zeit: 1937 brachte die Firma die von dem Schlagzeuger Billy Gladstone initiierte Reihe The Gretsch-Gladstone Drum Line auf den Markt, nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Gretsch mit den Schlagzeugern Phil Grant und Louis Bellson zusammen. Aus der Verbindung mit Bellson entstand das erste serienmäßig hergestellte Drum Set mit zwei Bass Drums.
1967 gab Fred Gretsch Jr. die Leitung der Firma aus Altersgründen auf und verkaufte sie an die Baldwin Music Company. Baldwin verlegte die Produktion der Instrumente nach Booneville in Arkansas, 1972 den Sitz der Verwaltung des Unternehmens nach Chicago, 1979 nach Chanute in Kanada. Ab 1973 übernahm von Baldwin beauftragt die Firma Hagner Musical Instrumente Corporation die Produktion der Instrumente der Firma; 1978 wurde diese Zusammenarbeit aber schon wieder beendet und 1980 gab Baldwin die Produktion von Gitarren auf, als der Versuch gescheitert war, Gitarren kostengünstig in Mexiko fertigen zu lassen.
Der Name Gretsch hatte in den 1970er-Jahren erheblich gelitten und vor allem im Bereich der Rockmusik seinen Nimbus verloren. So konnte es 1985 Fred W. Gretsch gelingen, die von seinem Ur-Großonkel gegründete Firma zurückzukaufen, so dass Gretsch wieder in den Besitz der Familie Gretsch gelangte. Gretsch nahm ungehend wieder die Produktion von Musikinstrumenten auf, dieses Mal in Ridgeland, South Carolina. Während der 1980er-Jahre konnte sich die Firme erholen, neue Reihen von elektrischen und akustischen Gitarren wurden eingeführt, Brian Setzer, Gitarrist der Straycats, gab seinen Namen für ein Signature-Modell. 2000 übernahm Kaman Music den Vertrieb der Drum Sets, seit 2002 arbeitet Gretsch eng mit der Fender Musical Instruments Company zusammen, die nunmehr die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb der Gretsch-Gitarren verantwortet; die Marke Gretsch verblieb allerdings weiterhin bei der Familie Gretsch.
Gretsch stellt mittlerweile mehrer Reihen von Gitarren her, so unter den Bezeichnungen Electromatic, Synchromatic und Historic daneben aber auch eine Vielzahl von Signature-Modellen. Zu den jüngeren Produkten zählen auch Bässe und Verstärker. Drum Sets werden ebenfalls in mehreren Linien produziert, so bietet Gretsch die Rehen USA Custom, New Classic, Catalina, Renown ’57 und Black Hawk; Signature-Sets sind den Schlagzeugern Steve Ferrone und Vinnie Colaiuta gewidmet. Die Firma versucht mit den unterschiedlichen Reihen einerseits die Ansprüche von professionellen Drummern ebenso zu befriedigen wie die Bedürfnisse von Anfängern.
Instrumente von Gretsch wurden seit Bestehens der Firma von vielen namhaften Musikern eingesetzt, Gitarren neben den Genannten etwa Elvis Presley, Eddie Cochran, Scotty Moore (Elvis Presley), Bo Diddley, Johnny Marr, Michael Nesmith (The Monkees), Chris Isaak, Malcolm Young (AC/DC), Chris Cornell (Soundgarden) und Neil Young, Drum Sets etwa Elvin Jones, Art Blakey, Tony Williams (Tony Williams Lifetime), Chick Webb, Philly Joe Jones, Kenny Clarke, Max Roach, Billy Cobham und Charlie Watts (Rolling Stones), Cindi Blackman (Lenny Kravitz) und Phil Collins.



Literatur

Nicholls,Geoff: The Drum Book – A History of the Rock Drum Kit; New York 22008



Weblinks

http://www.gretsch.com/ (Offizielle Website des amerikanischen Musikinstrumentenherstellers Gretsch)
http://www.gretschdrums.com/ (Offizielle Website von Gretsch Drums)
http://www.gretschguitars.com/ (Offizielle Website von Gretsch Guitars)