Jakob Stainer

Stainer, Jakob, Tiroler Geigenbauer, * Absam vor 1617, * ebenda 1683

Über das Leben Jakob Stainer ist wenig bekannt und vieles bleibt vage. So soll er vom Dorfschulmeister, unter anderem in Latein, unterrichtet worden sein, absolvierte vermutlich bei einem Verwandten eine Tischlerlehre, bevor er eine Geigenbaulehre aufnahm. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Geigenbauer ging er nach Italien und trat möglicherweise auch in Venedig in eine Geigenbauwerkstatt ein; ungeklärt bleibt auch, ob er eventuell in Cremona in der Werkstatt Amatis arbeitete. Da die älteste erhaltene seiner Violinen aus dem Jahr 1683 stammt, nimmt man an, dass er seit diesem Jahr wieder in Absam arbeitete, doch besteht auch die Möglichkeit, dass er erst 1645 in seinen Geburtsort zurückkehrte. Sein Leben verlief dennoch weiterhin unstet: Er unternahm mehrere weitere Reisen, erhielt aufgrund seiner Reputation als Geigenbauer einerseits den Titel eines erzherzoglichen Dieners, später auch einen ähnlichen kaiserlichen Titel, verbüßte andererseits aber auch 1669 nach einer Auseinandersetzung mit der Kirche eine einige Monate lange Haftstrafe. Seine letzte Violine baute er 1682, doch starb er bereits im folgenden Jahr angeblich in geistiger Verwirrtheit.
Stainer gilt als Begründer der deutschen Geigenbauschule. Die von ihm gebauten Violinen waren schon zu seiner Lebenszeit begehrte Instrumente und wurden selbst den hervorragenden zeitgenössischen italienischen Violinen vorgezogen. Sie tragen einige typische Kennzeichen: Statt einer Schnecke gab Stainer seinen Instrumenten oft eine geschnitzten Kopf, dann häufig einen Löwenkopf, er arbeitete die Wölbung der Decke besonders stark heraus und verwendete einen bernsteingelben Lack nach italienischer Rezeptur. Die starke Wölbung seiner Instrumente bedingt auch eine gegenüber italienischen Violinen anders verlaufende Stärke der Decke. Stainer soll etwa 300 Violinen und andere Streichinstrumente gebaut haben, die er in ganz Europa verkaufte, unter anderem auch an den spanischen Hof. Der Erfolg der Instrumente forderte Fälscher heraus, so dass es eine große Anzahl von Violinen gibt, die sich aufgrund ihres eingeklebten Zettels als Stainer-Violinen ausgeben, dies aber nicht sind.
Der Klang der Violinen Stainers setzt sich erkennbar von dem der italienischen Instrumente ab, ist aber eher leise, ein Grund, dass sie im Laufe des 19. Jahrhunderts weniger gefragt waren. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit dem wachsenden Interesse von Musikern und Publikum an Alter Musik, erhielten auch die Instrumente Jakob Stainers wieder den ihnen gebührende Aufmerksamkeit. Einige Instrumente aus seiner Hand befinden sich heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.



Literatur

Senn, W./Roy, K: Jakob Stainer 1617-1683 – Leben und Werk des Tiroler Meisters; Frankfurt/Main 1986



Weblink

http://www.musikland-tirol.at/ (Website des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum)