John Broadwood & Sons, Ltd.

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John Broadwood & Sons, Ltd., englisches Klavierbauunternehmen, 1773 aus der 1728 von dem Schweizer Cembalobauer Burkhardt Tschudi (* 1702, † 1773) gegründeten Cembalowerkstatt hervorgegangen; die Firma in Finchcokcs Goudhhurst (Kent) gilt als die älteste noch aktive Klavierbaufirma überhaupt

Tschudi war 1718 nach London gekommen, um dort bei Herman Tabel eine Lehre als Cembalobauer aufzunehmen. 1728 gründete Tschudi, der seinen Namen zu Burkat Shudi anglisiert hatte, eine eigene Werkstatt, in der ab 1761 John Broadwood (* 1732, † 1812) eine Lehre absolvierte und als Geselle blieb. Broadwood heiratete 1769 Shudis Tochter Barbara und wurde 1770 offizieller Geschäftspartner. Nach dem Tode Shudis 1773 führten dessen Sohn und Broadwood das Unternehmen weiter.
Die Firma expandierte. 1777 tat sich Broadwood mit den Klavierbauern Robert Stodart (1748, † 1831) und Americus Backer († 1781) zusammen und gemeinsam entwickelte man ein Hammerklavier.
1795 trat Broadwoods Sohn James in die Firma ein, John Broadwood änderte daraufhin den Namen der Firma in Broadwood & Son, dann 1808 in Broadwood & Sons, als auch sein Sohn Thomas Leitungsfunktionen in der Firma übernahm. Nach dem Tode John Broadwoods führten die Söhne das Unternehmen weiter, das mit seinen Pianos mittlerweile eine Vormachtstellung auf dem Klaviermarkt in England eingenommen hatte. Henry Fowler Broadwood, ältester Sohn James Broadwoods, übernahm die Leitung der Firma 1836. 1901 wurde das Unternehmen in eine Aktiegesellschaft überführt.
Broadwood & Sons waren auch auf dem Kontinent nicht unbekannt: 1818 schenkte Thomas Broadwood Ludwig van Beethoveneinen Hammerflügel aus eigener Produktion; das Instrument ging später in den Besitz Franz Liszts über und steht heute im Historischen Nationalmuseum in Budapest. Als Frederic Chopin 1848 eine Konzertreise durch England unternahm, stellte Broadwood dem Pianisten und Komponisten die Instrumente zur Verfügung. Auch Felix Mendelssohn Bartholdy besaß einen Flügel von Broadwood & Sons, der heute in Frankfurt am Main seinen Standort hat.
Broadwood hat im Laufe des 19. Jahrhunderts einige grundlegende Neuerungen in den Klavierbau eingeführt. Der 1777 vorgestellten Hammermechanik, die als »English Grand Action« in die Geschichte des Klavierbaus einging, folgte 1783 die Erfindung des Dämpferpedals. Sukzessive vergrößerte die Firma den Tonumfang ihrer Instrumente: Auf Anregung des Komponisten Johann Ludwig Dusseks 1789 auf fünf Oktaven, 1794 auf sechs Oktaven. Ab 1807 wurde der bis dahin völlig aus Holz hergestellte Rahmen der Flügel mit Eisenteilen verstärkt.



Weblink

http.//www.uk-piano.org/broadwood/ (Offizielle Website der englischen Klavierbaufirma Broadwood)