L. Bösendorfer Klavierfabrik GmbH

L. Bösendorfer Klavierfabrik GmbH, österreichische Klavierbaufirma, 1828 von Ignaz Bösendorfer (* 1794, † 1859) in Wien gegründet.

Ignaz Bösendorfer war bei dem Wiener Klavierbaumeister Joseph Brodman in die Lehre gegangen. 1828 übernahm er die Werkstatt seines Lehrherrn und gründete mit einem Startkapital von 500 Gulden sein eigenes Unternehmen. Bereits 1839 verlieh Kaiser Ferdinand I. Bösendorfer den Titel k.k. Hof-Fortepianomacher, 1858 wurde er zum Kammerlieferanten des Kaisers ernannt. Zu dieser Zeit waren die Instrumente bereits weit über Österreich hinaus bekannt, nicht zuletzt weil Bösendorfer das Interesse Franz Liszts hatte gewinnen können. Liszt empfahl fortan die Instrumente des Wieners, der ab den 1840er-Jahren auch die Flügel für den Wiener Konzertsaal lieferte.
Nach dem Tode Ignaz Bösendorfers übernahm sein Sohn Ludwig (1835, † 1919) die Firma. Unter seiner Leitung prosperierte das inzwischen weltweit agierende Unternehmen: 1860 wurde ein in der Wiener Neustadt ein neues Produktionsgebäude bezogen, zu dem auch ein Konzertsaal gehörte. Bereits 1870 wurde abermals der Bau einer größeren Fabrik erforderlich, so dass die Firma umzog; in dem in Wien-Wieden gelegenen Gebäude hatte Bösendorfer bis 2010 seinen Sitz, seitdem residieren Verwaltung und internationaler Verkauf der Firma wieder in dem Fabrikgebäude in der Wiener Neustadt. Ludwig Bösendorfer hatte 1872 in den ehemaligen Reitställen des Palais Liechtenstein mit einem Konzert Hans von Bülows den Bösendorfer Konzertsaal eingeweiht; der Saal wurde 1913 geschlossen.
1909 verkaufte Ludwig Bösendorfer, der selbst ohne Nachkommen blieb, seine Unternehmen an die Familie Hutterstrasser, die es bis 1966 im Familienbesitz hielt, dann aber an den amerikanischen Konzern Kimball verkaufte. 2001 wechselte Bösendorfer abermals den Besitzer, ging an die österreichische Bankengruppe BAWAG/PSK, die das Unternehmen 2007 aus dem eigenen abtrennte und an den japanischen Musikinstrumentenhersteller Yamaha verkaufte.
Bösendorfer hat im Laufe des Bestehens der Firma diverse Neuerungen im Klavierbau übernommen. Auf Anregung des Komponisten Ferruccio Busonis baute die Firma um 1900 einen Flügel mit acht Oktaven Tonumfang (97 Tasten) und einer Gesamtlänge von 290 Zentimetern. Das Instrument, unter dem Namen »Imperial« zu Berühmtheit gekommen, wird nach wie vor gebaut. Unter dem Namen CEUS entwickelt die Firma in den 1980er-Jahren ein modernes Reproduktionssystem, unter dessen Einsatz eine mittlerweile etwa 1500 Aufnahmen namhafter Pianisten umfassende Bibliothek entstand, die mit jedem mit dem System ausgestatteten Bösendorfer-Flügel abgespielt werden können. Das CEUS-System wurde stets auf dem Stand der Technik gehalten, ist also etwa mit MIDI, USB und Firewire ausgestattet.



Weblink

http://www.boesendorfer.com/ (Offizielle Website der österreichischen Klavierbaufirma Bösendorfer)