Lowrey Organ Company

Lowrey Organ Company, amerikanische Firma für Bau und Vertrieb von Tasteninstrumenten, 1918 von Frederick C. Lowrey gegründet; die Firma hat ihren Sitz in Elmhurst (Illinois). Bis 1989 baute die Lowrey Organ Company mehr als eine Million Orgeln.

Frederick C. Lowrey erkannte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die Möglichkeiten elektronischer Tonerzeugung und gründete, nachdem er einen brauchbaren Tongenerator entwickelt hatte, seine Firma für Orgelbau. Von Anfang an verfolgte er das Ziel, weniger den professionellen Musiker für seine Instrument zu gewinne, als vielmehr den Amateur, der in seiner Freizeit Orgel Spielen wollte, ohne über größere instrumentaltechnische Virtuosität zu verfügen. In den 1920er- und 1930er-Jahren erprobte Lowrey verschiedene Techniken der Tonerzeugung für seine Heimorgeln, bis die Firma in den 1940er-Jahren einen Generator nach dem bereits 1920 publizierten Eccles-Jordan-Prinzip als Grundlage für die Tonerzeugung favorisierte. Dabei handelt es sich um einen Multivibrator, dessen Frequenzspektrum alle Obertöne enthält. Durch geeignete Filterung können mit diesen Generatoren diverse Klangfarben erzeugt und die von authentischen Instrumenten nachgeahmt werden.
Entsprechend der Prämisse der Firma, Instrumente für den Amateur-Markt zu bauen, enthielten, Lowreys Orgeln diverse Spielhilfen in Form von Rhythmus- und Akkord-Automaten; avancierte Orgeln jüngeren Datums der Firma lassen den Organisten zwischen verschiedenen programmierbaren Begleitungen wählen, von der einfachen Piano-Begleitung bis hin zur virtuellen Band.
In der Rockmusik spielten und spielen diese Instrumente, schon wegen ihres Images und ihres äußeren Aussehens – sie sollen sich allemal in eine normale Wohnungseinrichtung quasi als »Möbel« einfügen – keine Rolle; zudem waren die diversen Spielhilfen unnötig. Andererseits war der Preis der Lowrey-Orgeln weit niedriger als der von Hammond-Orgeln. So griffen viele Organisten allein schon aus diesem Grund auf Lowreys Instrumente zurück, wenn ihnen die Orgeln von Vox oder Farfisa nicht zusagten.
Der Einsatz von elektronischen Orgeln in der Rockmusik blieb dennoch die Ausnahme, auch der von Lowrey-Orgeln. Mt einer Ausnahme: Im Canterbury-Rock wurden die Instrumente Lowreys geradezu stilbildend, als der Organist Mike Ratledge von Soft Machine 1967 seine Vox Continental gegen eine Holiday Deluxe von Lowrey austauschte – die Orgeln des amerikanischen Herstellers haben durchweg sehr fantasiereiche Namen. Ratledge verzichtete auf ein Leslie und schickte das Tonsignal seiner Orgel zunächst zu einer Fuzzbox, von dieser in einen Marshall-Gitarrenverstärker. Der auf diese Weise modifizierte Klang ist sehr obertonreich, erinnert an den Sägezahn-Klang eines Synthesizers und wurde in diesem Sinne von diversen Bands des Canterbury Rocks auch eingesetzt, nämlich vorrangig im Solo. Die nicht zu vermeidende Übersteuerung des Verstärkers führt zur Gefahr der Rückkopplung, die durch ständiges Spiel zu vermeiden ist. So spielte Ratledge vornehmlich Legato, und dies wiederum hatte Auswirkung auf den Gesamtklang der Bands – eines der signifikanten Kennzeichen des Canterbury-Rocks.
Dennoch sind die Organisten dieser englischen Stilrichtung der Rockmusik nicht die einzigen, die eine Orgel von Lowrey spielten, es gibt einige wenige weitere, die den besonderen Klang der Instrumente in gelegentlichen Einzelfällen oder auch permanent schätzten. Zu diesen gehörte etwa Garth Hudson von der amerikanischen Formation The Band, Pete Townshend von The Who und George Martin, der für »For the Benefit of Mr. Kite« (1967) von The Beatles vorhandene Aufnahmen verschiedener Orgeln zu dem bekannten Kirmesklang zusammenmixte – eine der Orgeln war eine Lowrey.


Diskografie

The Band: Music from Big Pink (1968; »Chest Fever«, Lowrey Festival)
The Who: The Who’s Next (1971; »Baba O’Riley«, Lowrey Berkshire Deluxe TBO-1)
The Beatles: Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967; »For the Benefit of Mr. Kite«)
Soft Machine: The Soft Machine (1968)


Weblink

http://www.lowrey.com (Offizielle Website der amerikanischen Firma Lowrey)
http://theband.hiof.no/articles/ghs_keyboards_knz.html (Informationen über Garth Hudsons Lowrey-Orgeln)