Oberheim Electronics

Oberheim Electronics, amerikanischer Hersteller von Musikelektronik, 1969, nach anderen Quellen 1973 von Thomas Elroy Oberheim (* 1936) in Los Angeles (Kalifornien) gegründet

Oberheim hatte für die Firma Maestro Effektgeräte entworfen und für kurze Zeit auch für den Synthesizer-Hersteller ARP gearbeitet. Ende der 1960er-Jahre entschloss er sich, ebenfalls Synthesizer zu konstruieren. Den größten Nachteil der verfügbaren Synthesizer von Moog oder ARP sah er in deren monophoner Auslegung. So richtete er sein Augenmerk auf die Entwicklung polyphoner Synthesizer einerseits, auf Sequencer andererseits. Unter den ersten von ihm präsentierten Geräten waren der Sequencer DS-2 und das Expander-Modul SEM. Die Idee, einen vorhandenen Synthesizer durch ein externes Modul ohne eigene Tastatur zu erweitern, geht auf Oberheim, zurück.
Der Erfolg der Expander bestärkte Oberheim darin, eigenständige polyphone Synthesizer zu entwickeln und herzustellen: Zunächst waren dies die Modelle Two Voice und Four Voice, die 1980 von der OB-X-Reihe mit vier, sechs oder acht Stimmen abgelöst wurden. 1983 stellte Oberheim den achtstimmigen OB-8 vor; später gebaute Ausführungen dieses Instrumentes waren die ersten Synthesizer der Firma, die mit einer MIDI-Schnittstelle ausgerüstet waren. Die Idee des Expanders nahm Oberheim ein Jahr später mit dem XPander wieder auf, ein Instrument, das mit der so genannten »Matrix Modulation« neue Wege in der Klangprogrammierung eines Synthesizers ging. Das Modul gab es unter dem Namen Matrix-12 als eigenständigen Synthesizer mit 12 Stimmen. Dieses Gerät bot die Grundlage für in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre vorgestellte Matrix-Synthesizer mit und ohne Tastatur, die sich vor allem in der Stimmenanzahl unterschieden.
Oberheim baute in den 1980er-Jahren aber nicht nur Synthesizer und Sequencer, sondern mit der DMX auch einen Drum Computer, der neben der LM-1 der Firma Linn Maßstäbe für diese Geräte setzte und auf zahllosen Aufnahmen von Hiphop-Musikern zu hören ist. Zu hören ist der DMX aber auch in Aufnahmen von Herbie Hancock (»Rockit«, 1983), The Police (»Every Breath You Take«, 1983) und Eurythmics (»Right By Your Side«, 1983). Eine »abgespeckte« Version des DMX war der 1983 vorgestellte DX-Drum-Computer, der aufgrund seines geringeren Preises von jungen Hiphop-Musikern allen anderen Geräten vorgezogen wurde.
Obwohl die Oberheim Synthesizer aufgrund ihrer soliden Bauweise, ihres zurückhaltenden Designs und ihres eigenständigen leicht zu erkennenden Klangs bei Musikern einen hervorragenden Ruf hatten, waren die Instrumente auf dem Massenmarkt wegen ihres relativ hohen Preises nur schwer verkäuflich. So verkaufte Oberheim sein Unternehmen 1986 an die Gibson Guitar Corporation, die seinerzeit zu dem Konzern Norlin Inc. gehörte. Hier wurde unter Beteiligung des Synthesizer-Pioniers Don Buchla der OB-Mx konstruiert und zur Marktreife gebracht. Später erhielt der italienische Hersteller von elektronischen Tasteninstrumenten Viscount eine Lizenz, unter dem Namen Oberheim Instrumente herzustellen. Zu diesen gehörten neben dem digitalen Synthesizer OB*12 der Gitarren-Synthesizer GM-1000, die MC-Masterkeyboarrds, vor allem aber die OB3, eine der Hammond B3 akribisch nachempfundene zweimanualige elektronische Orgel.
Tom Oberheim hatte bereits 1987 mit Marion Systems wieder eine Firma gegründet und bald eine Erweiterung für die Sampler der japanischen Firma Akai auf den Markt gebracht. Größerer geschäftlicher Erfolg war weder Marion Systems, noch Oberheims Firma Seasound bescheiden, beide Firmen existieren nicht mehr. Seinen eigenen Namen verwendete Oberheim für eine neue Firma, mit der er das Konzept des SEM-Expanders wieder belebte, technisch aber auf den neuesten Stand gebracht.



Weblink

http://www.tomoberheim.com/ (Offizielle Website des Synthesizer-Konstrukteurs Tom Oberheim)