Rickenbacker

Rickenbacker, amerikanischer Hersteller von elektrischen Gitarren und elektrischen Bässen, 1931 von dem Amerikaner schweizerischer Herkunft Adolph Rickenbacher (* 1886, † 1976) und den Amerikanern George Beauchamp und Paul Barth zunächst unter dem Namen Ro-Pat-In Santa Ana in Kalifornien gegründet; der Name wurde bald in Electro String Instrument Corporation geändert. Rickenbacher selbst änderte später seinen Namen in Rickenbacker und benannte auch die Firma in Rickenbacker International Corporation um. Die Instrumente werden nach wie vor ausschließlich in Santa Ana gebaut.

Rickenbacker-Bass

E-Bass der Firma Rickenbacker (Fotolia)

Der Gitarrist George Beauchamp hatte, unzufrieden mit der maximal erreichbaren Lautstärke insbesondere der von ihm benutzten Hawaii-Gitarren, eine Hawaii-Gitarre entworfen, deren Ton mittels eines elektrischen Tonabnehmers abgenommen und anschließend verstärkt werden konnte. Rickenbacher modifiziert diesen Entwurf und baute das Instrument. Wegen ihrer charakteristischen Form ging die Gitarre als »Frying Pan« in die Geschichte der Musikinstrumente ein: Der Prototyp des Instruments – gebaut von Beauchamp, Paul Barth und Harry Watson – bestand aus Holz und hatte einen kreisrunden Korpus, aus dem ein langer, ebenfalls aus Holz gefertigter Hals herausragte. Die Gitarre hatte einen relativ grobschlächtigen Tonabnehmer mit einem hufeisenförmigen Magneten, der über die Saiten griff.
Rickenbacker fertigte die Gitarre in Serie, wählte als Material aber Aluminium. Zwar verkaufte die Firma nur wenige dieser als Steel Guitar gedachten Instrumente, dennoch blieb das Instrument bis weit in die 1930er-Jahre lieferbar. Den Tonabnehmer baute Rickenbacker bald in eine normale akustische Gitarre ein, die Vibrola Spanish, dann in das Electro Model B, eine der ersten Solid-Body-Gitarren.

Gleichwohl blieben die Gitarren Rickenbackers einem größeren Kreis von Musikern unbekannt. Nachdem Rickenbacker seine Firma 1953 an Francis Cary Hall verkauft hatte, entstanden noch in den 1950er-Jahren die typischen Gitarren und Bässe der Firma, so 1957 die erste elektrische Bassgitarre der 4000er-Serie, 1958 die unter dem Namen »Capri« verkauften Gitarren. Besonderheit der Instrumente Rickenbackers ist ihre Konstruktion: Der durchgehende Hals ist gleichzeitig Teil des Korpus; an den Hals werden lediglich die Teile des Korpus angeleimt. Auch besteht der Trussrod, die im Inneren des Halses eingesetzte Verstärkung aus Stahl, nicht aus einem einzigen Rundstab wie etwa bei Gitarren und Bässen der Firma Fender, sondern aus zwei nebeneinander liegenden Stäben. Diese Konstruktion und die von Rickenbacker selbst hergestellten Tonabnehmer waren verantwortlich für den hellen, flirrenden, aber auch etwas dünn wirkenden Klang der Bässe und Gitarren.

Erst in den 1960er-Jahren entdeckten einige Rockmusiker die auffälligen Instrumente, so John Lennon und George Harrison; auch Paul McCartney griff seit Mitte der 1960er-Jahre immer wieder zu dem 4001-Bass. Während die Gitarren von Rockmusikern bevorzugt wurden, die dem Folk nah standen – so etwa den Byrds –, wurde der Bass in den 1970er-Jahren geradezu zu einem Sinnbild des Progressive Rock und hat in dieser Stilrichtung bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Die Besonderheit an diesem Bass ist neben seinem Aussehen und seinem Klang die Möglichkeit, die Signale der zwei Tonabnehmer getrennt aus dem Bass zu führen, der so genannte Stereo-Ausgang. Mit diesem Ausgang ergibt sich auch die Möglichkeit, die Ausgangsspannung jedes Tonabnehmers von unterschiedlichen Verstärkern verstärken zu lassen.

Instrumente der Firma Rickenbacker wurden bzw. werden unter anderem von Paul McCartney, Chis Squire (Yes), Roger McGuinn (The Byrds), Pete Townshend (The Who), Tom Petty, Paul Weller (The Jam), Peter Buck (R.E.M.), Susanna Hoffs (The Bangles), Mike Rutherford (Genesis), Lemmy Kilmister (Motörhead) und Hellmut Hattler (Kraan) gespielt.

Literatur

Bacon, Tony: The Ultimate Guitar Book; New York 1991
Bacon, Tony: The Rickenbacker Book – A Complete History of Rickenbacker Electric Guitars; San Francisco 1994
Babiuk, Andy: Der Beatles Sound – Die Fab Four und ihre Instrumente – Auf der Bühne und im Studio; Bergkirchen 2001

Diskografie

The Beatles: A Hard Day’s Night (1964)
The Byrds (Mr. Tambourien Man (1965)
The Beatles: Magical Mystery Torus (1967)
Yes: Close to The Edge (1972)

Weblink

www.rickenbacker.com (Offizielle Website des amerikanischen Gitarrenherstellers Rickenbacker)