Roberto Spizzichino

Spizzichino, Roberto, italienischer Schlagzeuger und Beckenschmied, * 10.1. 1944, † 21.11. 2011; die von Spizzichino in Pescia gefertigten Becken werden meist als Spizz Cymbals bezeichnet.

Roberto Spizzichino, stark an Jazz interessiert, lernte das Schlagzeugspiel autodidaktisch. Im Alter von 18 Jahren entschloss er sich, professionell als Musiker zu arbeiten. Schon bald war er so bekannt, dass er unter anderem mit Eddie Lockjaw Davis, Harry Sweets Edison, Dexter Gordon und Buck Clayton bei deren Tournee in Italien zusammenarbeitete. In den 1970er-Jahren gründete er mit dem Pianisten Amedeo Tommasi und dem Schlagzeuger Piero Montanari ein Trio.

Spizzichino war stets an der Fertigung von Becken interessiert. Im Zentrum seines Interesses stand der Klang der Becken der früheren K-Serie von Zildjian. Überzeugt davon, diesen Klang wieder beleben und möglicherweise verfeinern zu können, begann er selbst Becken herzustellen. 1980 ließ er sich Rohlinge aus einer Bronze-Legierung von 80% Kupfer und 20% Zinn gießen und schmiedete seine ersten Becken. Zeitweilig arbeitete er mit der italienischen Becken-Firma Ufip zusammen, trennte sich aber wegen Differenzen über die Herstellung der Becken Mitte der 1980er-Jahre wieder von der Schmiede.
1988 entwarf Spizzichino in Zusammenarbeit mit Bespeco International (Italien) eine kleine Serie von Becken, dieses Mal aus einer Legierung von 92% Kupfer und 8% Zinn. 1991 ließ Bespeco ihn erneut eine Serie von Becken auflegen, nun wieder unter Verwendung der von Spizzichino bevorzugten B20-Legierung. Um Verwechslungen mit den früher von ihm hergestellten Becken zu vermeiden, erhielten diese Instrumente die Bezeichnung Antique Bygone Sound. Mitte der 1990er-Jahre lief diese Serie allerdings aus, und die Nachfolger wurden Artisan Cymbals by Roberto Spizzichino genannt.
1989 bahnte sich eine ähnliche Kooperation mit dem chinesischen Beckenhersteller Wuhan an, kam aber über eine kleine Serie nicht hinaus. Da Spizzichino auf den eigentlichen Herstellungsprozess keinen Einfluss nehmen konnte. So richtete er in Pescia eine Schmiede ein, wo er die Rohlinge von Hand bearbeitet. Hatte ihm früher Ufip Rohlinge geliefert, so kauft er nunmehr fertige Becken von Wuhan, die er dann seinen Vorstellungen nach bearbeitet. Der Prozess der Beckenfertigung ist dabei durchaus traditionell: Spizzichino hämmert die Rohlinge und dreht anschließend die Flächen ab, beides von Hand. Die Becken aus seiner Fertigung sind schwächer gewölbt als vergleichbare Becken anderer Hersteller und entsprechend ihrer Verwendung durch Jazz-Schlagzeuger relativ dünn. Der Klang ist daher auch eher leise, aber sehr obertonreich und von langer Dauer. Aufgrund der Herstellungsweise sind die Becken Spizzichinos relativ teuer – zeitweise gab es unter dem Logo Spizz billige Fälschungen aus China –, gelten aber als mustergültige Instrumente und sind von Schlagzeugern sehr gesucht.