Slingerland Drum Company

Slingerland Drum Company, amerikanischer Hersteller von Schlaginstrumenten, 1927 von Henry Heanon Slingerland, nach anderen Quellen Henry Hannon Slingerland, (* 1875, † 1946) in Chicago gegründet.

Henry Slingerland hatte bereits 1912 eine Musikschule in Chicago eröffnet und seine Schüler mit aus Deutschland importierten Musikinstrumenten, insbesondere Ukulelen, versorgt. Da der Import nicht ausreichte, ließ er bald selbst Ukulelen, dann auch Gitarren und Banjos herstellen; in den 1930er-Jahren versuchte er sich dann auch an der Herstellung von elektrischen Gitarren. Als gegen Mitte der 1920er-Jahre der genuine Schlagzeug-Hersteller Ludwig & Ludwig (Ludwig-Musser) mit seinen Banjos in den Markt der Saiteninstrumente drängte, revancheirte4 sich Slingerland mit der Aufnahme der Produktion von Schlaginstrumenten. Das erste komplette Drums Set brachte Slingerland 1928 auf den Markt.
Kaufmännisch begabt, eroberte Henry Slingerland mit rigorosen Methoden den Markt, baute in den USA ein funktionierendes Netz von Händlern auf und expandierte selbst nach China. Nach seinem Tod 1946 übernahm sein Bruder Walter Robert die Leitung der Firma; 1954 wurde Henry Slingerland Jr. Präsident der Firma. Slinerland Jr., »Bud« genannt, kaufte 1955 von Conn Musicla Instrument Company die Marke Leedy Drum Company. Die Instrumente, die unter diesem seinerzeit sehr renommierten Namen auf den Markt gebracht wurden, hatten zwar Kessel aus der Produktion Slingerlands, waren aber mit der von Leedy bekannten Hardware ausgestattet. Dennoch wurde 1966 die Leedy-Serie aus dem Programm genommen, womit auch der Name verschwand.
Slingerland blieb bis 1970 in Familienbesitz, danach wechselte die Firma mehrmals ihre Besitzer. 1994 übernahm die Gibson Musical Instruments Company das Unternehmen und schlug sie ihrer inzwischen erworbenen Firma Gretsch zu. Gibson versuchte zwar, der Marke wieder zu alten Umsätzen zu verhelfen – gab Gitarren-Händlern etwa die Möglichkeit, bei der Bestellung von mehreren Gitarren auch ein Drum Set von Slingerland geliefert zu bekommen, doch misslang dies. So blieben die Produkte der Firma vielen Schlagzeugern unbekannt, waren und sind unter Kennern allerdings hoch geachtet. Die Marching Drums, schon seit den 1920er-Jahren im Programm, stellen seit den 1970er-Jahren quasi einen Standard für Marching Band dar.
Der Name Slingerland ist eng mit dem Jazz, insbesondere dem Swing Jazz verbunden – die in den 1930er- und 1940er-Jahre in diesem Bereich erworbene Reputation mag sogar ein Grund dafür gewesen sein, dass Rock-Drummer die Instrumente der Firma wenig beachteten. Bereits 1935 hatte Slingerland mit der Radio-King-Serie ein Drum Set präsentiert gebracht, in dessen Namen schon die Bedeutung des Rundfunks für den Swing Jazz mitschwang. Gene Krupa und Buddy Rich spielten Drum Sets der Radio-King-Serie, die bis 1957, dann von 1960 bis 1962 hergestellt wurden. Mittlerweile ist wieder eine Serie unter diesem Namen im Programm von Slingerland; die alten Schlagzeuge sind natürlich längst gesuchte Sammlerstücke. Eine Besonderheit der Trommeln aus dieser Zeit sind etwa die Snare Drums, die aus einem einzigen unter Dampf gebogenen Blatt Ahorn bestehen, das mit Ahorn-Ringen verstärkt wurde (Reinforcement Ring).
Im Übrigen markieren die Drum Sets der Firma auch den Übergang der alten Ansammlung von Perkussionsinstrumenten, die mehr oder weniger nach Gutdünken um eine Bass Drum gruppiert waren einerseits, und dem Drum Set heutiger Ausprägung andererseits: Die Toms von Slingerland hatten ein stimmbares Schlagfell und ein stimmbares Resonanzfell und machten damit den parallele Aufbau verschiedener, auch exotischer Trommeln unnötig.
Slingerland Drums wurden stets eher von Jazz-Schlagzeugern oder dem Jazz zugeneigten Schlagzeugern als von Rock-Drummern beachtet; die gegenseitige Sympathie zwischen Firma und Musikern ging sogar so weit, dass es Signature-Instrumente zu ehren von Gene Krupa und Buddy Rich gab und gibt. Aber auch bei anderen Schlagzeugern fanden die Instrumente Slingerlands Beachtung. So spielten für kürzere oder längere Zeit Cozy Cole (Lionel Hampton Big Band), Maurice Protill (Glenn Miller, Tommy Dorsey), Louie Bellson, Ray McKinley (Jimmy Dorsey), Sid Catlett (Benny Goodman, Louis Armstrong), Bobby Colomby (Blood, Sweat & Tears), Danny Seraphine (Chciago), Joey Stefko (Meat Loaf), Phil Ehart (Kansas), Neil Peart (Rush), Nigel Olssson (Elton John), Gregg Bissonette (Big Country) und selbst Bev Bevan (Electric Light Orchestra), Bill Ward (Black Sabbath) und Tre Cool (Green Day) Sets von Slingerland. Auch Charlie Watts (The Rolling Stones) wurde schon hinter einer Bass Drum von Slingerland gesehen.
Die Ironie der Geschichte will es, dass Slingerland 1934/1935 eine Erfahrung machte, der sich der Gitarrenhersteller Fender fast zwei Jahrzehnte später ebenfalls ausgesetzt sehen musste: Slingerlands Radio-King-Serie trug zunächst den Namen »Broadcaster« – ganz wie eine elektrische Gitarre Fenders. Gegen die Namensgebung hatte Gretsch Einwände, fertigte die Firma doch seit den späten 1920er-Jahren eine eigene Serie von Drum Sets unter dem Namen »Broadkaster«. Gretsch veranlasste sowohl Slingerland als auch Fender unter sanftem Druck, die Namen ihrer Instrumente zu ändern: Slingerland nannte sein Schlagzeug daraufhin Radio King, Fender seine Gitarre Telecaster.



Weblink

http://www.gibson.com/en-us/Divisions/Slingerland/ (Offizielle Website des amerikanischen Schlagzeug-Herstellers Slingerland)
http://www.coopersvintagedrums.com/newslinghistory.htm (Website mit zahlreichen Informationen und Abbildungen zu Slingerland Drums)