Strohgeige

Strohgeige, Chordophon (Saiteninstrument, Streichinstrument), Violine ohne eigenen Resonanzkörper, 1899 von dem Deutschen Johannes Matthias Augustus Stroh (* 1828, † 1914) in London vorgestellt. Das auffällige Instrument wird auch Phonogeige oder Phonofiedel genannt, seltener Cornet-Violine.

Die Violine Strohs entsprach in wesentlichen Baugruppen der herkömmlichen Violine – hatte also etwa Hals, Griffbrett, vier Saiten –, doch hatte sie nicht den Resonanzkörper der Violine. Statt dessen ruhte der Steg auf einem kleinen Kasten, in dem sich eine Membran befand, auf die die Bewegungen des Steges, hervorgerufen durch das Streichen der Saiten, auf einen Hebelmechanismus übertragen wurde. An der Membran war ein nach vorn links gerichteter Trichter aus Metall befestigt. Aufgabe des Trichters war es, den Schall der Violine zu bündeln und zu richten. Sinn der Erfindung Strohs war es nicht, die herkömmliche Violine zu ersetzen, sondern Aufnahmen für Grammophonplatten zu erleichtern. Da die üblichen Violinen für die mechanisch vorgenommen Aufnahmen – die Musiker saßen vor einem großen Aufnahmetrichter, der die Schallenergie direkt auf eine Schneidnadel übertrug – zu leise waren, um sich etwa gegen Blasinstrumente durchsetzen zu können, sollte die Strohgeige hier Abhilfe schaffen.

Tiebel-Violine

Tiebel-Violine (Fotolia)

1925 präsentierte der deutsche Ingenieur Willy Tiebel eine verbesserte Strohgeige, die er von dem Markneukirchener Violinbaumeister August Glaesel hatte bauen lassen und die als Tiebel-Violine in die Geschichte der Musikinstrumente einging. Bei Tiebels Violine wirkten die Bewegungen des Steges auf eine größere Membran, die sich in einer runden Dose aus Metall befand. Der nach vorn weisende Trichter aus Aluminium war größer als der der Geige Strohs, außerdem war ein zweiter, kleinerer Trichter an der Membran befestigt, der auf das linke Ohr des Instrumentalisten gerichtet war. Auch diese Violine war vorrangig für Aufnahmen gedacht.

Der Klang der Strohgeige wie auch der der Tiebel-Violine weicht von dem einer herkömmlichen Violine einigermaßen ab und ruft unweigerlich Assoziationen an Grammophon-Musik hervor. Der eigentümliche, etwas flache Klang und die ungewöhnliche Lautstärke des Instrumentes fanden indes immer wieder Liebhaber. Einer von ihnen ist der amerikanische Rockmusiker Tom Waits, der das Instrument bei den Aufnahmen für sein Album »Alice« (2002) einsetzte. Auch die britische Sängerin Natasha Khan (Bat For Lashes) fand Gefallen an der Strohgeige.

Die Idee, Saiteninstrumente mit Schalltrichtern auszustatten, war Anfang des 20. Jahrhunderts keineswegs auf die Violine beschränkt. So gibt es auch mit Schalltrichtern versehene Violoncelli, Kontrabässe, Gitarren und Mandolinen. In verschiedenen Landstrichen Rumäniens werden die Strohgeigen nicht nur nach wie vor benutzt, sondern auch noch gebaut.

 

Diskografie

Tom Waits: Alice (2002)
Bat For Lashes: Two Suns (2009)

 

Weblinks

http://www.strohviolin-shop.com/de/index.php (Website über die Strohgeige und die Tiebel-Violine)
http://www.springersmusic.co.uk/Library/Stroviols.htm (Website mit zahlreichen Abbildungen von Stroh-Instrumenten)