Baritongitarre

Baritongitarre, Gitarre, deren Frequenzbereich in den der Stimmlage Bariton hinabreicht

Gitarren sind im Normalfall Tenor-Instrumente, wenn man bei der dieser eigentlich den Gesangsstimmen zugeordneten Stimmlagen bleiben will. Zwar reichen Gitarren mit ihrem oberen Frequenzbereich bis weit in die Stimmlage Sopran, nach unten sind aber durch die Stimmlage Grenzen gesetzt, bei der üblichen »normalen« Stimmung ist der tiefste Ton E. In jüngeren Stilen der Rockmusik, insbesondere im Nu-Metal und verwandten Spielarten, reicht dies nicht mehr aus – insgesamt sind die jüngeren Ausprägungen von Heavy Metal in allen instrumentalen Bereichen – also auch Bassgitarre und Drums – in tieferen Frequenzbereichen angesiedelt. Die schon im Blues und Bluesrock erprobten Möglichkeiten des Drop-Tunings reichen in dieser Musik häufig ebenfalls nicht aus, so dass zunächst übliche elektrische Gitarren mit einer tiefen siebten Saite ausgestattet wurden, bis einzelne Hersteller spezielle elektrische Baritongitarren auf den Markt brachten. Diese Gitarren haben eine längere Mensur – bis zu 30 Inch – und werden auf 1A D G c e a gestimmt; üblich sind aber auch geringfügig höhere Stimmungen. Auch sind die Saiten dicker, um bei der vergleichsweise immer noch kurzen Mensur die tiefen Töne überhaupt zu ermöglichen.

Baritongitarren erreichten zwar erst in den 1990er-Jahren eine gewisse Popularität unter Gitaristen, doch gab es sie schon in den 1960er-Jahren und wurden etwa von Fender und Danelectro, später auch von Music Man und PRS Guitars in kleinen Auflagen hergestellt. Es gibt auch akustische Baritongitarren.

Ein auffälliges Beispiel für den Gebrauch einer Baritongitarre gibt der Song »Back in the U.S.S.R« (1968) von den Beatles: John Lennon spielt dabei eine Fender VI, von der amerikanischen Firma als Bassgitarre verkauft, tatsächlich aber eine Oktave höher stehend als eine »normale« Bassgitarre. Lennon spielt quasi eine zweite Basslinie zu McCartneys Bass, dabei auch immer wieder die Ecktöne einsetzend. Diese Methode des »Doppelns« einer Bass-Linie ist in der amerikanischen Country Music ein gängiges, wenn auch nicht oft eingesetztes Verfahren. Der Song wirkt wie das Remake eines Songs von Chuck Berry, zielt aber auf The Beach Boys: Brian Wilson hat schon zu Beginn der 1960er-Jahre immer wieder mal zur sechssaitigen Gitarre Fenders gegriffen.