Bratsche

Bratsche, auch Viola, Chordophon, (Streichinstrument), Alt-Instrument der Violinen; die Bratsche ist eine Viola da Braccio, also eine Geige, die im Arm gespielt wird (Armgeige). Das italienische Wort braccio wurde eingedeutscht und ergab den Namen für das Instrument.

Violine und Bratsche

Violine (links) und Bratsche (Fotolia)

Im Wesentlichen gleicht der Aufbau der Bratsche dem der Violine. Entsprechend der Tonlage, die um eine Quinte tiefer liegt als die der Violine, ist die Mensur, die schwingende Saitenlänge, größer als bei der Violine. Daher ist auch das gesamte Instrument in jeder Dimension größer als die Violine, allerdings nicht so viel größer wie es das Verhältnis der Mensur von Violine und Bratsche nahe legt; vielmehr ist die Bratsche um weniges kleiner. So kann die Länge des Korpus einer Bratsche zwar bis zu 47 cm betragen, doch gibt es Bratschen, deren Korpuslänge kaum 40 cm erreicht. Im Mittel haben die meisten Instrumente einen Korpus von 40 bis 43 cm

Die vier Saiten der Bratsche sind auf die Töne c, g, d1, a1 gestimmt; g, d1 und a1 entsprechen damit den drei tieferen Saiten der Violine. Der Tonumfang reicht von c bis a3, die Stimme des Instrumentes wird im Allgemeinen im C-Schlüssel notiert, in Ausnahmefällen auch im Violinschlüssel. Der Klang einer Viola ist um einiges »dunkler« als der der Violine und zeigt aufgrund des »zu kleinen« Korpus einen im direkten Vergleich auffällig eigenen Charakter.

Bratschen gehören obligat zur Besetzung von Orchestern und bilden die Brücke zu den tieferen Instrumenten. Eine der bekanntesten Kompositionen für das Instrument ist das Brandenburgische Konzert Nr. 6 von Johann Sebastian Bach. Als Soloinstrument wird die Bratsche erst seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts stärker beachtet, wenn sie auch in der Kammermusik früherer Epochen schon eine bedeutende Rolle spielte. Erst im 20. Jahrhundert entstanden Solo-Konzerte, geschrieben etwa von Paul Hindemith – selbst Bratscher –, Johann Nepomuk David, Igor Strawinsky, John Cage und György Ligeti. Frühere Werke stammen etwa von Alessandro Rolla und Wolfgang Amadeus Mozart.

Es gibt einige wenige Solisten, die sich auf das Instrument spezialisiert haben, so etwa Tabea Zimmermann, Ulrich Koch, Juri Baschmet, Kim Kashkashian, Nobuko Imai und Nils Mönkemeyer.

Im Jazz spielt das Instrument mangels eines markanten Solisten keine Rolle, wohl aber in der Rockmusik: John Cale, zeitweise Mitglied der New Yorker Band The Velvet Underground, ist traditionell ausgebildeter Musiker mit der Viola als Hauptinstrument. Er setzte es mehrfach in den Produktionen Velvet Undergrounds wie auch für seine eigenen Alben ein. Als Gastmusiker ist er mit der Viola etwa auf den Platten von Nico und Brian Eno zu hören.

Werke

Johann Sebastian Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 6 B-Dur BWV 1051
Georg Friedrich Telemann: Konzert für Viola
Johann Christian Bach: Sechs Trios
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia Concertante KV 364 (1779)
Wolfgang Amadeus Mozart: Zwei Duos für Violine und Viola KV 423, KV 424 (1783)
Hector Berlioz: Harold en Italie op. 16 (1834)
Robert Schumann: Märchenbilder op. 113 (1851)
Franz Liszt: Romance oubliée (1880)
Max Bruch: Romanze op. 85 (1911)
Richard Strauss: Don Quixote op. 35 (1898)
Max Reger: Drei Suiten op. 131d (1916)
Arthur Honegger: Sonate für Viola und Klavier (1920)
Paul Hindemith: Sonate für Viola und Klavier op. 11,4 (1919)
Paul Hindemith: Sonate für Violine solo op. 11,5 (1919)
Paul Hindemith: Kammermusik Nr. 5 op. 36,4 (1927)
Igor Strawinsky: Elegy (1944)
Dmitri Schostakowitsch: Sonate op. 147 (1975)
Hans Werner Henze: Sonate (1979)
Wolfgang Rihm: Konzert (1983)
John Cage: Musik für Viola (1984)
György Ligeti: Sonate für Viola solo (1994)
Wolfgang Rihm: Über die Linie IV (2002)

Diskografie

Penguin Cafe Orchestra: Broadcasting from Home (1984)
The Velvet Underground & Nico: – (1967)
John Cale: Honi Soit (1981)

Literatur

Riley, Maurice W.: The History of the Viola; Ypsilanti (1980)