Cembalo

Cembalo, italienisch, Kurzform von Clavicembalo, französisch Clavecin, englisch Harpsichord, in Deutschland auch Kielflügel; Saiteninstrument (Chordophon), dessen Saiten mittels einer Tastenmechanik gezupft werden. Verwandt mit dem Cembalo sind Spinett und Virginal, aufgrund der anders gearteten Tonerzeugung nicht jedoch Clavichord und Pianoforte (Klavier), bei denen die Saiten angeschlagen werden.

Cembalo

Cembalo (Fotolia)

Der Saitenbezug eines Cembalos befindet sich in einem mitunter recht langen, in die Form eines Flügels gebrachten Kasten. Die Saiten selbst sind über auf einem Resonanzboden verleimten Stegen geführt und werden auf der Tastaturseite von einem Stimmwirbel gehalten. Die Saiten aus Messing, Bronze oder Stahl sind relativ schwach gespannt und weitaus dünner als bei einem Pianoforte; aufgrund der besonderen Art der Tonerzeugung ist je Ton nur eine Saite vorhanden. Zum Anzupfen (Anreißen) der einzelnen Saite dient ein Stück Leder oder bei jüngeren Instrumenten auch ein Stück Kunststoff, das nach Tastendruck an der Saite vorbeistreift und diese dabei anreißt; in der Vergangenheit und somit auch bei Rekonstruktionen historischer Instrument wurden für diesen Zweck die Kiele von Rabenfedern verwendet, Ursache für die Namensgebung Kielflügel. Gemessen an der Klaviermechanik ist die Tastaturmechanik eines Cembalos relativ einfach: Bei Tastendruck wird der am Ende der Taste befindliche so genannte Springer angehoben, so dass der daran angebrachte Kiel die Saite anreißt. Gleichzeitig wird ein Dämpfer aus Filz kurzzeitig von der Saite entfernt, fällt jedoch auf diese nach Loslassen der Taste sofort wieder zurück. Eine sinnreiche Mechanik verhindert, dass der Kiel bei Loslassen der Taste die Saite erneut anzupft. Die Stärke des Tastendrucks hat keinerlei Einfluss auf die Lautstärke des Tones, der somit in seiner Dynamik nicht verändert werden kann. Daher sind Cembali in der Regel mit zwei Tastaturen (Manualen) ausgerüstet; ein Manual ist dabei einem Saitenbezug im 4-Fuß-Register, das andere einem im 8-Fuß-Register zugeordnete. Es gibt auch Instrumente, die über einen 8-Fuß- und einen 16-Fuß-Bezug verfügen. Durch Koppeln können beide Bezüge miteinander verbunden und damit gleichzeitig zum Erklingen gebracht werden. Es gibt Instrumente, die es erlauben, den Abstand zwischen Springer – und damit dem Kiel – und der Saite zu verändern und auf diese Weise eine Änderung der Lautstärke oder der Klangfarbe als Ganzes zu erreichen. Eine Besonderheit ist auch der bei manchen Instrumenten vorhandene so genannte Lautenzug, bei dessen Einsatz die Saiten durch ein Tuch leicht gedämpft werden; das Resultat ist eine dem Klang der Laute ähnliche Klangfarbe. Die Manuale haben einen Umfang von 4 ½ oder 5 Oktaven, meist von 1F bis f3, bei kleineren Instrumenten auch C-f3.

Der Klang des Cembalos ist zwar nicht besonders laut, sticht aber etwa aus einem Streicherklang aufgrund seines Reichtums an Obertönen als hell und strahlend heraus. Das silbrige Rauschen des Klanges ruft bei vielen Zuhörern die Assoziation von barocker Festlichkeit hervor.

Das Cembalo entstand aus dem Psalterium, das vor Mitte des 14. Jahrhunderts mit einer Tastatur versehen wurde; die älteste Abbildung datiert von 1425. Hochwertige Instrumente entstanden zunächst besonders in Italien und den Niederlanden (Ruckers-Couchet, Antwerpen), später auch in Frankreich (Blanchet, Paris) und Deutschland (Silbermann). Zwischen 1500 bis etwa 1750 war das Cembalo neben der Orgel das primäre Tasteninstrument, danach wurde es als Solo-Instrument recht schnell vom Hammerflügel verdrängt; als Generalbass-Instrument behielt es seine vorrangige Stellung noch etwas länger. Im 19. Jahrhundert geriet das Cembalo nahezu in Vergessenheit, wenn es auch in so genannten historischen Konzerten etwa von Ignaz Moscheles ab 1837 zum Einsatz kam. Nach Mitte des 19. Jahrhunderts wurden ähnliche Konzerte und Konzertreihen etwa von Ernst Pauer (London 1861) und Louis Diémer (Paris 1889) veranstaltet. 1882 baute die französische Klavierfirma Érard ein historisches Cembalo nach, versah es allerdings mit einem Rahmen aus Metall. Dieses Instrument wurde z. B. von der polnischen Cembalistin Wanda Landowska gespielt, die damit eine Renaissance des Cembalos einleitete, wenn auch unter bautechnisch fragwürdigen Prämissen. Im Zuge der Bestrebungen, alte Musik aus Renaissance und Barock auf authentischen Instrumenten oder wenigstens Kopien solcher Instrumente wiederzugeben, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auch wieder historisch korrekt konstruierte Instrumente neu gebaut. Seit etwa der 1960er-Jahre ist der Bau derartiger Cembali auch dem interessierten Laien möglich, haben sich doch einige Firmen auf den Vertrieb von mehr oder weniger weitgehend vorgefertigten Bausätzen spezialisiert.

Aufgrund des großen Zeitraums seiner Vormachtstellung als Tasteninstrument, zu dem es keine Alternative gab, ist die Literatur kaum zu überblicken. Vor 1750 haben alle Komponisten von Rang für das Instrument geschrieben, wobei besonders die Werke beispielsweise von D. Scarlatti und J.S. Bach hervorzuheben sind. In jüngerer Zeit widmeten etwa Manuel de Falla, Francis Poulenc, Jean Francaix, György Ligeti und Hans Werner Henze dem Instrument ihre Aufmerksamkeit. Während das Cembalo im Jazz so gut wie keine Rolle spielt – John Lewis vom Modern Jazz Quartet spielte es einige Male – , trägt es in der Rock- und Pop-Musik ein doppeltes Gesicht: Einmal wird es zu koloristischen Zwecken verwendet, um etwa den Eindruck von Alter und Festlichkeit zu vermitteln, zum anderen wird es in Bearbeitungen authentischer Werke etwa der Barockzeit oder aber in Paraphrasen zu diesen Werken eingesetzt. So ist das Instrument etwa bei den Beatles, Strawbs, Focus, The Stranglers, Abel Ganz, Tori Amos und Michael Kamen zu hören.

Es ist allerdings keineswegs ausgemacht, dass in Rock und Pop immer ein reales Cembalo zu hören ist. Da der Klang selbst von einfachen Synthesizern recht leicht nachgeahmt werden kann, wird diese Möglichkeit auch genutzt, zumal der Klang im Ensemble ohnehin in den Hintergrund rückt, aber auch, weil das Cembalo sich leicht verstimmt, Aufnahmen also in der Regel einen recht großen Aufwand bedeuten.

Diskografie

The Beatles: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)
Michael Kamen: New York Rock (1973)
Focus: Hamburger Concerto (1974)
Abel Ganz: Shooting Albatross (2008)