Clavichord

Clavichord, zusammengesetzt aus lateinisch clavis für »Schlüssel, Taste« und chorda für »Saite«, auch Klavichord, Chordophon (Saiteninstrument, Tasteninstrument), Kleines Klavierinstrument, bei dem die Saiten angeschlagen werden; das Clavichord gilt als Vorläufer des Hammerklaviers (siehe Klavier).

In der Bauausführung ähnelt das Clavichord den Tafelklavieren des Barock. Das Instrument besteht aus einem rechteckigen Kasten, an dessen Längsseite die Tastatur eingebaut ist. Sie ist entweder in den Kasten integriert oder aber steht ein wenig aus ihm hervor. Das gesamte, aus Holz gebaute Gehäuse ist zwischen 90 und 180 Zentimeter lang, 30 bis 60 Zentimeter tief und 12 bis 20 Zentimeter hoch. Zwar gibt es Clavichorde mit eigenem Gestell, doch wurde das Instrument zum Spiel meist auf einen Tisch gelegt.

Frühe Exemplare des Instrumentes haben einen Klaviaturumfang von zweieinhalb bis vier Oktaven, oft ein kurze Oktave; später wurden zwar auch Instrumente mit bis zu fünf Oktaven gebaut, doch haben die meisten Clavichorde vier Oktaven Tonumfang, etwa von 1F bis f3. Die in zwei Chören aufgespannten Saiten aus Metall verlaufen parallel oder leicht schräg zur Tastatur, liegen also quer vor dem Spieler, mit den Basssaiten direkt vor dem Instrumentalisten. Links sind sie in Stifte eingehängt, laufen über die so genannte Schachtanlage, die die Mechanik aufnimmt, über den Resonanzkasten über einen Steg zu den Stimmwirbeln ganz rechts.

Bei den Tasten handelt es sich um einfache Waagebalken-Tasten, an deren Ende kleine Metallstifte, meist aber Metallplättchen eingeschlagen sind. Diese Metallstücke, Tangenten genannt, schlagen bei Betätigung der Taste die Saite an. Dabei schwingt nur der Teil der Saiten zwischen Anschlagstelle der Tangenten und dem Steg, während der Teil zwischen Einhängestift und Anschlagstelle von einem zwischen die Saiten gezogenen Filzstreifen gedämpft wird. Auf diese Weise ist es zwar möglich, eine Saitenchor für verschiedene Töne zu nutzen – es wurden beispielsweise zwei oder drei, manchmal auch mehr Tangenten, also Töne, einem Saitenchor zugewiesen –, jedoch ist es unmöglich, zwei Töne zu spielen, die von demselben Saitenchor erzeugt wurden. Diese Bauweise, als Gebundenes Clavichord bezeichnet, wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts sukzessive aufgegeben: Zunächst wurden jedem Saitenchor nur zwei Tangenten zugeordnet, dann erhielt jeder Ton des Bassbereiches einen eigenen Saitenchor, schließlich jeder Ton. In diesem Fall spricht man vom Bundfreien Clavichord.

Der Klang des Clavichordes ist eher kurz, sehr leise, zart und silbrig. Der Musiker kann durch mehr oder weniger starken Tastendruck in Grenzen die Lautstärke des Instrumentes beeinflussen. Da der Spieler mittels der Taste direkt auf die Schwingung der Saite einwirken kann, haben sich auch spezifische Spielweisen entwickelt, etwa die so genannte Bebung, bei der Spieler mit schnell wechselndem Druck auf die Taste ein Vibrato erzeugen kann.

Urahn des Clavichords ist das Monochord, das sich bis ins Mittelalter zu einem regelrechten Musikinstrument entwickelt hatte. Die ersten Zeugnisse von der Existenz des Instrumentes stammen aus dem 15. Jahrhundert, die ältesten erhaltenen Instrumente wurden im 16. Jahrhundert gebaut und das älteste erhaltende Bundfreie Clavichord – angefertigt von Gottfried Silbermann – datiert aus dem Jahre 1723. In dieser Zeit hatte das Clavichord auch den Grad größter Beliebtheit erlangt, wurde besonders in der Instrumentalpädagogik genutzt und war nicht zuletzt das Lieblingsinstrument Johann Sebastian Bachs. Eine Blütezeit erlebte das Clavichord noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – gerade wegen seines intimen Klangs –, wurde dann aber rasch vom Hammerflügel verdrängt. Mit dem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewachsenen Interesse an der authentischen Wiedergabe Alter Musik erfuhr auch das Clavichord eine Renaissance und wurde in Kopien alter Instrumente wieder gebaut. Der Pianist Keith Jarrett, vor allem als Jazzpianist bekannt, setzte das Instrument einige Male für eigene Kompositionen ein.

Diskografie

Keith Jarrett: Book of Ways (1986)