Clavinet

Clavinet, elektromechanisches Tasteninstrument, bei dem zur Tonerzeugung Saiten eingesetzt werden (Chordophon); das Clavinet wurde Mitte der 1960er-Jahre von Ernst Zacharias, einem Mitarbeiter der deutschen Musikinstrumenten-Firma Hohner entwickelt und 1966 zum Patent angemeldet. In verschiedenen Ausführungen stellte Hohner das Instrument bis 1982 her.

Als Vorbild für sein Instrument diente Zacharias das besonders in der Barockzeit beliebte Clavichord. Anders als bei diesem wird beim Clavinet die Saite allerdings nicht von einer mit der Taste verbundenen Tangente direkt in Schwingung versetzt. Vielmehr wird die Tangente – praktisch ein an der Unterseite der Taste befestigter Zapfen aus elastischem Material (bspw. Gummi) – gegen die unter den Tasten parallel zu diesen liegende Saite gedrückt, auf einen gegenüberliegenden Amboss; die Saite liegt also zwischen Tangente und Amboss. Der Amboss bildet zum schwingenden Teil der Saite hin eine Kante und fällt zum gedämpften Teil der Saite ab; die Dämpfung dieses Teils der Saite kann aus Filz oder einem um die Saite gewickelten Woolfaden bstehen. Nach Anschlag kann der ungedämpfte Teil der Saite frei schwingen, durch »Nachdrücken« die Schwingung sogar noch geringfügig verändert werden, darin dem Clavichord ähnlich. Die aus Metall bestehenden Saiten des Clavinets sind relativ kurz und nicht dicker als Gitarrensaiten. Die Saitenschwingung wird von zwei elektromagnetischen Tonabnehmersystemen, die sich sowohl oberhalb als auch unterhalb der Saiten befinden, abgenommen und einer nachfolgenden Vorverstärkerstufe zugeführt; Bestandteil des Vorverstärkers ist auch eine einfache Klangregelung. Nach dem Loslassen der Taste wird die Saitenschwingung von einem aus textilen Garn hergestellten Polster in sehr kurzer Zeit abgedämpft; das dadurch entstehende perkussive Geräusch ist Bestandteil des vage an den Klang eines Cembalos erinnernden Tones des Clavinets. Das Instrument hat einen Tonumfang von fünf Oktaven, beginnend mit F.

Hohner stellte im Laufe der Jahre mehrere Modell her, darunter das Clavinet I, Clavinet II, Clavinet L, Clavinet C, Clavinet D6 und Clavinet E7; auch gab es eine Kombination von Clavinet und Pianet, einem anderen von Hohner hergestellten Tasteninstrument. Hohner sah den Einsatzbereich des Clavinets in der Hausmusik, doch wurde besonders das Clavinet D6 bald ein von Soul- und Funkmusikern bevorzugtes Instrument. Auch Musiker anderer Stilbereiche entdeckten das Clavinet für sich. Der leicht identifizierbare, prägnante Klang des Instrumentes ist etwa in Aufnahmen von Stevie Wonder (»Superstition«), Billy Preston (»Outa-Space«), Emerson, Lake & Palmer (»Tank«, »Nutrocker«), Herbie Hancock (»Head Hunters«) und Steely Dan (»Kid Charlemagne«) zu hören. Als Mitte der 1970er-Jahre Synthesizer auf den Markt kamen, die leicht zu handhaben und vor allem mehrstimmig ausgelegt waren, verdrängten diese Instrumente bald das Clavinet, dessen Klang sich mit Synthesizern eben sehr leicht nachahmen lässt. Dessen ungeachtet gehört das Clavinet neben dem Fender-Rhodes-Piano und dem Wurlitzer-Piano zu den klassischen elektromechanischen Klavieren.