Elektrischer Bass

Elektrischer Bass, auch Elektro-Bass oder kurz E-Bass, elektromechanisches Saiteninstrument (Elektro-Chordophon, Zupfinstrument), das aus der Gitarre entwickelt wurde, also in Bauart, Besaitung und Stimmung an die herkömmliche Gitarre angelehnt ist, jedoch aufgrund von Saitenzahl und Stimmung auch gewisse Ähnlichkeiten mit dem Kontrabass aufweist. Elektrische Bässe sind grundsätzlich mit wenigstens einem elektromagnetischen Tonabnehmer ausgestattet; mit Tonabnehmern versehene akustische Bassgitarren hingegen gelten nicht als elektrische Bässe im engeren Sinn. Der elektrische Bass wird eine Oktave höher notiert als er klingt.

Elektrischer Bass typischer jüngerer Bauweise, die dennoch auf traditioneller Bauform basiert: Solid-Body, vier Saiten, Precision-Bass- und Jazz-Bass-Tonabnehmer. (Fotolia)

Wie auch bei der elektrischen Gitarre sind zwei Bauformen üblich: Solidbody und Hollowbody. Bassgitarren, deren Korpus als Hollowbody ausgeführt ist, werden jedoch nur von wenigen Bassisten gespielt; häufig haben Hollowbody-Bässe auch eine kürzere Mensur als Solidbody-Bässe, so etwa der 500/1-Bass der deutschen Firma Höfner. In aller Regel bevorzugen Bassisten Solidbody-Bässe. Auch hier sind zwei Bauformen üblich, zum einen kann der Hals an den Korpus angeschraubt sein, zum anderen kann es sich um einen so genannten durchgehenden Hals handeln, der also seinerseits auch einen Teil des Korpus bildet. Der Korpus eines Solidbody-Basses besteht aus einem einfachen, oft aus mehreren Teilen zusammengeleimten Brett aus Linde (Basswood), Erle, Esche, Mahagony oder anderen, auch exotischen Hölzern. Weiche Nadelhölzer werden in der Regel nicht verwendet, doch gibt es auch Instrumente, deren Korpus beispielsweise aus Pinie (engl. pine) gefertigt wurde. Die Form des Korpus ähnelt in den meisten Fällen dem der herkömmlichen Gitarre, ist aber um weniges größer; da die Form des Korpus keinen wesentlichen Einfluss auf den Klang des Basses hat, sind aber auch ausgefallene Formen möglich. Häufig korrespondiert die Form eines E-Basses mit der Form einer von der jeweils gleichen Firma hergestellten E-Gitarre. Für die Verbindung von Korpus und Hals gibt es verschiedene Möglichkeiten: Meistens ist der Hals in eine Ausfräsung des Korpus eingesetzt und wird mit diesem durch wenigstes drei Schrauben verbunden. Es gibt auch Bässe – dann sind es tatsächlich häufig Hollowbody-Instrumente – bei denen der Hals eingeleimt ist. Mehr als bei E-Gitarren hat es sich durchgesetzt, Bässe mit durchgehendem Hals zu konstruieren. Der Vorteil dieser Konstruktion ist darin zu sehen, dass der Ton länger mit einigermaßen gleicher Lautstärke nachschwingt. Bei Bässen mit durchgehendem Hals werden an den unteren Teil des Halses weitere Holzstücke angeleimt, die gemeinsam mit dem Hals den Korpus ergeben.

E-Bass-sechsaitig

Noderner elektrischer Bass mit sechs Saiten

Der Hals besteht in der Regel aus mehreren Teilen: Am oberen Ende befindet sich die Kopfplatte mit in der Regel vier oder fünf Stimmmechaniken. Diese können auf einer Seite der Kopfplatte angebracht sein, aber auch je zwei, bzw. drei zu zwei oder auch vier zu einer an beiden Seiten. Die meisten Hälse bestehen aus wenigstens zwei Holzteilen, dem eigentlichen Hals und dem auf ihn aufgeleimten Griffbrett. Für den Hals wird sehr oft Holz des amerikanischen Ahornbaumes verwendet, das Griffbrett wird dann entweder aus demselben Material gefertigt oder aber aus Palisander, so genanntem Rosewood, hergestellt. Das Griffbrett trägt in der Regel 21, 22 oder auch 24 Bünde aus Messingdraht oder Neusilber. Sehr oft werden auch E-Bässe verwendet, deren Hälse nicht mit Bünden versehen sind, so genannte Fretless-Bässe. Dies ermöglicht dem Instrumentalisten eine der Spielweise des Kontrabasses angelehnte Spieltechnik; der Ton von Fretless-Bässen ist in aller Regel weicher. Mitunter wurden und werden Hälse aus Metall – Aluminium – oder verschiedenen Kunststoffen, auch Verbundstoffen hergestellt. Der Sinn in der Verwendung dieser Materialien liegt vor allem darin, die bei Bässen mitunter recht stark ausgeprägten Dead Spots zu vermeiden.

Um die für eine einwandfreie Bespielbarkeit erforderliche Krümmung des Halses zu erreichen, ist in den Hals eine geschwungene Längsnut eingefräst, die einen Stahlstab – Trussrod genannt – aufnimmt. Der Stahlstab ist an einem Ende fest mit dem Korpus oder aber der Kopfplatte fest verbunden, meist durch einen angeschweißten Querriegel. An der jeweils anderen Seite ist eine Stellschraube mit dem Stab verbunden, mit deren Hilfe es möglich ist, die Spannung des Stahlstabes zu verringern oder zu vergrößern, wodurch der komplette Hals mehr oder weniger stark gebogen wird. Änderungen der Halseinstellung ziehen zwingend eine Überprüfung und Anpassung der Einstellung der Saiten nach sich. Wird die Nut für den Stahlstab in die Rückseite des Halses eingefräst, handelt es sich um einen so genannten einteiligen Hals; in diesem Fall muss die Nut nach Einbau des Trussrods mit einem Streifen Holz verschlossen werden. Die Bezeichnung »einteilig« bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass das Griffbrett direkt in das Holz des Halses eingearbeitet ist.

E-Bass-Rueckseite

Fünfsaitiger elektrischer Bass mit aufgeschraubtem Hals und durch den Korpus geführten Saiten; die schwarze Fläche ist die Abdeckung für die eingebaute Elektronik. (Fotolia)

Der Korpus trägt in der Regel wenigstens einen Steg und ein Tonabnehmersystem. Der aufgeschraubte Steg kann sehr einfach gestaltet sein – er besteht dann lediglich aus einem rechtwinklig abgekanteten Blech, das neben der Saitenhalterung – einfache Bohrungen in dem Blech – und zwei einstellbaren Saitenreitern, wobei je einer für zwei Saiten zuständig ist, umfasst. Mit Hilfe der Saitenreiter ist es möglich, einerseits die absolute Länge der schwingenden Saite und damit auch die Oktavreinheit einzustellen, andererseits wird mit ihnen der Abstand zwischen Saite und Griffbrett justiert. Der Steg, auch Brücke genannt, kann aber auch aus einem massiven Stück Metall (Messing) bestehen, das für jede Saite einen eigenen Saitenreiter bereitstellt, mit dem jede denkbare Einstellung vorgenommen werden kann.

Elektrische Bässe werden mit einem, zwei oder – in eher seltenen Fällen – auch mit drei elektromagnetischen Tonabnehmern ausgestattet. Die Tonabnehmer, auch Pick-Ups genannt, sind meistens über je einen Lautstärkeregler und einen Klangregler mit der Ausgangsbuchse verbunden; mitunter ist zwischen Tonabnehmer und Lautstärkeregelung ein Umschalter für die Wahl des Tonabnehmer gesetzt, wenn das Instrument über mehr als einen Tonabnehmer verfügt. Mehr als bei elektrischen Gitarren hat sich bei elektrischen Bässen eine im Instrument eingebaute Verstärkung, eine so genannte aktive Tonabnahme, durchgesetzt. Die Tonabnehmer selbst können als Single-Coil- oder Humbucker-Pickups ausgeführt sein.

Die Länge der schwingenden Saite, die Mensur, beträgt beim E-Bass zwischen 864 und 762 mm; in jüngerer Zeit gibt es auch Bässe mit noch längerer Mensur, in der Regel sind diese Instrumente aber auch für von der Standardstimmung 1E – 1A – D – G abweichende tiefere Stimmungen vorgesehen. Nach Länge der Mensur werden Bässe nach Long Scale (864 mm Länge, etwa Fender Jazz Bass), Medium Scale (813 mm) und Short Scale (762 mm, etwa der Höfner 500/1) unterschieden. Entsprechend der Notwendigkeit mit einer relativ kurzen Saite tiefe Töne erzeugen zu müssen, sind die Saiten für E-Bässe gemessen an Gitarrensaiten sehr dick. Sie bestehen aus Stahl, Nickel oder auch Bronze. Es gibt drei Formen: Roundwound, Halfround und Flatwound. Roundwound bedeutet, dass um den im Querschnitt runden Kern einer Saite ein dünner Draht von ebenfalls rundem Querschnitt engspiralig gewickelt wird. Bei Halfround-Saiten – die allerdings wenig gebräuchlich sind –, ist der Querschnitt des Wickeldrahtes eben halbrund. Bei Flatwound-Saiten wiederum ist der Querschnitt rechteckig, wodurch sich eine glatte, nahezu geschlossene Saitenoberfläche ergibt; aus diesem Grund werden dieses Saiten mitunter auch als »geschliffen« bezeichnet, was indes nicht der wirklichen Herstellungsweise entspricht. Roundwound-Saiten erzeugen einen brillanten, obertonreichen Ton, während Flatwound-Saiten einen obertonarmen und eher »dumpfen« Ton ergeben, der allerdings fester Bestandteil mancher Musikrichtungen wie Reggae, Soul und Beat ist.

E-Bässe sind meistens Viersaiter oder Fünfsaiter, es gibt aber auch serienmäßig hergestellte E-Bässe mit sechs Saiten. Eine Sonderform sind achtsaitige Bässe, eigentlich viersaitige Bässe, bei denen jede Saite zweifach aufgezogen ist. Die jeweils zweite Saite ist eine Oktave höher gestimmt. Bässe mit weniger als vier Saiten sind zwar hier und da zu sehen, sind aber wohl eher als bühnenwirksame Kuriositäten zu sehen.

Wie die elektrische Gitarre ist auch der E-Bass ein Instrument ohne eigenen Resonanzkörper. Um den Ton hörbar zu machen, ist daher ein Verstärker zwingend notwendig, erst der Verbund von E-Bass und Verstärker ergibt das vollständige Instrument; entsprechend bedeutend ist die Wahl des Verstärkers. Grundsätzlich werden mit Röhren ausgestattete Verstärker oder aber Transistorverstärker verwendet. Die meisten Bassisten bevorzugen transistorisierte Verstärker, weil sie weniger eigene Verzerrungen erzeugen und dadurch einen klareren Ton bereitstellen. Die Leistung der Verstärker kann bis zu 1000 Watt und mehr betragen. Manche Bassisten bevorzugen das so genannte Bi-Amping, bei dem das Tonsignal des Basses auf zwei Verstärker, je einer für die tiefen und hohen Frequenzen, verteilt wird. Einige wenige stereofone Bässe – wie etwa Modelle der amerikanischen Firma Rickenbacker – erfordern stets zwei getrennte Verstärker. Bassverstärker verfügen häufig über ausgeklügelte Klangregelungen, die entweder als grafischer oder als parametrischer Equalizer ausgeführt sind.

Es ist auch möglich, lediglich einen Vorverstärker als Instrumentalverstärker zu benutzen, dessen Signal dann entweder direkt in die PA eingespeist wird oder aber von PA-Endstufen übernommen wird. Bei Studioaufnahmen werden meistens keine Bassverstärker genutzt, sondern das Instrument direkt mit dem Aufnahmekanal – etwa dem Mischpult – verbunden.

Bassisten setzen in aller Regel nur wenige Effektgeräte ein, es sei denn, es wird gerade dieser oder jener Klang gefordert, etwa ein Verzerr- oder Wahwah-Effekt. Dagegen werden Chorus- und Flanger-Geräte, überhaupt Delay-Effekte häufig verwendet, bei Fretless-Bässen ist das Chorusgerät bei vielen Bassisten fester Bestandteil des Equipments.

Elektrischer Bass: Wechselschlag (Spielweise)

Eine typische Spielweise für den elektrischen Bass ist der Wechselschlag mit Zeige- und Mittelfinger. (Fotolia)

Entsprechend seiner Herkunft von der Gitarre wird der E-Bass zumeist mit dem Finger gezupft, im Wechselschlag mit Zeige- und Mittelfinger der Spielhand; einige Bassisten beziehen auch den Ringfinger mit ein. Der elektrische Bass kann natürlich auch mit einem Plektrum gespielt werden, auch dies im Wechselschlag. Daneben haben sich einige Spielweisen herausgebildet, die nur mit dem E-Bass möglich sind, so z. B. das Slapping und das Popping, bei dem entweder die Saite vom Griffbrett weggezogen und dann losgelassen wird bzw. die Saite mit der Kante des Daumens angeschlagen wird. Diese perkussiven Spielweisen haben sich vor allem im Funk durchgesetzt, werden aber auch von Bassisten anderer Stilrichtungen mehr oder weniger häufig eingesetzt. Wie bei E-Gitarren ist auch beim E-Bass Tapping eine mögliche Spielweise.

Die erste elektrische Bassgitarre brachte der amerikanische Gitarrenbauer Leo Fender 1951 mit dem Precision Bass auf den Markt. Er hatte wenige Jahre zuvor die Telecaster-Gitarre konstruiert und auch der Precision Bass entsprach dieser Konstruktion: Brettkorpus (Solidbody), aufgeschraubter Hals. Das Instrument konnte von Gitarristen wie Kontrabassisten gleichermaßen leicht gespielt werden, verfügte naturgemäß aber nicht über die Nachteile des Kontrabasses. Während der Precision Bass lediglich über einen Single-Coil-Tonabnehmer verfügte, waren in den 1960 vorgestellten Jazz Bass zwei Tonabnehmer dieser Bauart eingebaut. Der Jazz Bass gilt als der elektrische Bass schlechthin und wurde seitdem mehr oder weniger direkt von einer Vielzahl von Herstellern kopiert.

Zwar gab und gibt es eine unüberschaubare Reihe von Versuchen, den E-Bass etwa durch die Wahl des Materials zu verändern, doch entspricht die überwiegende Zahl der verfügbaren Modelle hinsichtlich Material und Bauweise dem Fender Jazz Bass. Seit etwa 1980 wurde zunächst die bundlose Bassgitarre populär, seit den 1990er-Jahren kamen erst fünfsaitige, dann auch sechssaitige Instrumente verstärkt zum Einsatz; der Versuch der Firma Fender in den 1960er-Jahren, einem sechssaitigen Instrument mit kurzer Mensur zum Erfolg zu verhelfen, war seinerzeit noch fehlgeschlagen.

In jüngerer Zeit wurden für einige Stilrichtungen auch tiefer gestimmte Bässe mit verlängerter Mensur üblich. Der E-Bass ist somit im Laufe weniger Jahrzehnte zu einem eigenständigen Instrument geworden, weit mehr als nur ein Ersatz für den Kontrabass, den er im Übrigen etwa aus dem Jazz nicht verdrängen konnte.

Literatur

Bacon, Tony: (Hg.) Rock Hardware; Poole 1981
B, Tony: The Ultimate Guitar Book; New York 1991
Gerecht, Bert: Bass-Talk!; Köln 1991