Gitarre

Gitarre, früher auch Guitarre, von spanisch guitarra für Gitarre, entstanden aus arabisch qitara, dieses wiederum aus altgriechisch kithára, Chordophon (Saiteninstrument, Zupfinstrument); von den vielen Erscheinungsformen des Instrumentes müssen die »klassische« Gitarre, auch als Konzertgitarre, Spanische Gitarre oder »akustische« Gitarre, mit eigenem Resonanzkörper von der elektrischen Gitarre ohne Resonanzkörper unterschieden werden. Die Gitarre in all ihren Erscheinungsformen kann als das »erfolgreichste« Instrument des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden und ist in jeder Art Musik – Volksmusik, Jazz, Rock, Pop und Kunstmusik – vertreten.

Gitarre-klassisch

Gitarre (Fotolia)

Die klassische Gitarre wird aus Holz gebaut, wobei verschieden Harthölzer wie Palisander, Rosenholz und Ahorn zum Einsatz kommen, für die Decke wird meist Fichte oder Tanne benutzt. Der Resonanzkörper ist annähernd achtförmig ausgestaltet, bei der gängigsten Größe etwa 50 cm lang, die geraden Zargen sind zwischen zehn und 12 cm hoch und direkt unterhalb des auf den Korpus ragenden Griffbrettes ist ein größeres Schalloch geschnitten, das mit einer Rosette verschlossen sein kann, wenn auch in jüngerer Zeit auf diese Rosette verzichtet wird. Der aus Hartholz gefertigte Hals wird an diesen Korpus angeleimt. Auf den Hals ist das mit Metallbünden versehene und relativ breite Griffbrett geleimt, das Ende des Halses wird von einer leicht nach hinten abgeknickten Wirbelplatte gebildet. Hatte die Gitarre früher hinterständige Wirbel, so werden heute fast ausschließlich Schraubenmechaniken verwendet. In aller Regel sind je drei Wirbel rechts und links an der Wirbelplatte befestigt. Die klassische Gitarre hat sechs Saiten aus Nylon beziehungsweise mit Metall umsponnenem Nylon, Die Saiten werden in einem auf die Decke aufgeleimten Querriegel befestigt; in den Querriegel eingelassen ist ein schmaler Steg. Die schwingende Länge der Saiten zwischen Steg und Sattel am Ende des Halses beträgt etwa 65 cm. Die Saiten der Gitarre werden auf die Töne E-A-d-g-h-e1 gestimmt, die Notierung erfolgt aber eine Oktave höher. Der Saitenzug wird nicht von der Decke alleingetragen, sondern auch von einer auf die Rückseite der Decke geleimten Balkenkonstruktion. Diese besteht aus dünnen Hartholzleisten, die entweder quer zur Maserung oder strahlenförmig befestigt sind.

Neben der bekannten Gitarre »normaler« Größe gibt es auch die Terzgitarre (Stimmung G-c-f-b-d1-g1), die Quartgitarre (A-d-g-c1-e1-a1), die Quintgitarre (H-e-a-d1-fis1-h1), die Oktavgitarre (e-a-d1-g1-h1-e2) und die Quintbassgitarre (1A-D-G-c-e-a). Bei zwölfsaitigen Gitarren ist jede Saite doppelt aufgezogen; die unteren vier Doppelsaiten sind im Abstand einer Oktave zueinander gestimmt, die beiden oberen auf den gleichen Ton. Der Klang dieser doppelchörigen Instrumente ist im akkordischen Spiel voller als der der sechssaitigen Gitarre.

Westerngitarre

Gitarre, wie sie in Country und Folk Music sowie in der Rockmusik verwendet wird (Fotolia)

Es gibt diverse Formen der Gitarre, die auf ihren jeweiligen Verwendungszweck hin konstruiert sind. Dazu zählt die einfache Wandergitarre, die in jeder Hinsicht unter Verwendung billigerer Materialien gebaut wird, insgesamt aber noch am wenigsten von der klassischen Gitarre abweicht.

Die in den USA entstandene Westerngitarre dagegen ist in jeder Dimension größer als die klassische Gitarre, wird meist mit Stahlsaiten bezogen und kann daher auch einen lauteren Ton erzeugen. Diese oft aus Zeder (Decke) und Mahagoni gebauten Gitarren sind manchmal farbig gebeizt und werden mitunter auch mit einem Cutaway versehen. Bei der Schlaggitarre ist die gewölbte Decke beinahe obligatorisch, da die Wölbung das mit einem Plektrum ausgeführte akkordische Spiel erleichtert; zum Schutz der Decke ist auf der Decke auch ein Schlagbrett befestigt, das dazu dient, die Decke vor den Schlägen des Gitarristen zu schützen. Die Zargenhöhe kann bei diesen Gitarren allerdings geringfügig kleiner ausfallen als bei anderen Gitarren.

Sonderformen der Gitarre sind etwa die teilweise oder gänzlich aus Metall (Aluminium) gefertigte Dobro und die Hawaii-Gitarre. Wenn auch die Entwicklung der klassischen Gitarre als beendet angesehen werden kann, so gibt es dennoch immer wieder Experimente, die das Instrument besonderen Einsatzzwecken anzupassen versuchen. So wurden in jüngerer Zeit akustische Gitarren auch mit Tonabnehmern versehen – meist in den Steg eingelassene Piezo-Tonabnehmer –, die es ermöglichen, den spezifischen Klang der Gitarre trotz elektronischer Verstärkung zu erhalten. Vorläufiger Schlusspunkt dieser Entwicklung sind Gitarren ohne Resonanzkörper, die auf Verstärkung zwingend angewiesen sind. Tonabnehmer sind auch obligater Bestandteil der Gitarren der amerikanischen Firma Ovation, deren Korpus aus einem bauchigen Kunststoffteil besteht; die Decke dieser Instrumente wiederum wird ganz klassisch aus Holz gefertigt.

Westerngitarre Dread

Gitarre, wie sie vor allem in der Country Music verwendet wird. (Fotolia)

Die klassische Gitarre hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Die Vermutung, dass diese beriet sind er vorchristlichen Antike begann, liegt zwar nahe, doch finden sich dafür keine Belege. Die ersten Nachweise stammen aus der Zeit nach 1100 n. Chr., als das Wort »giere« in der zeitgenössischen Literatur auftrat und Instrumente mit ovalem oder sogar schon achtförmigem Korpus abgebildet wurden. Juan de Ruiz nennt in seinem Buch »Libro del buen amor« von 1330 Instrumente mit den Namen guitarra latina und guitarra morisca, also ein europäisches und ein maurisches Instrument. Diese Gitarren hatten drei beziehungsweise vier Saiten. In der Literatur der folgenden Jahrhunderte traten in der Literatur immer wieder Bezeichnungen wie guinterng, guitarra und ghiterne auf. Ab dem 15. Jahrhundert wurden für diese Instrumente bautechnische Elemente von Laute und den Streichinstrumenten übernommen, die Saitenzahl von vier auf zunächst fünf gesteigert. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts war das Instrument so weit entwickelt, dass die ersten Sammlungen von Kompositionen in Tabulaturen verfügbar waren. Bis Ende des Jahrhunderts hatte sich auch die bis heute gültige Stimmung von A-d-g-h-e1, noch ohne tiefe E-Saiten, etabliert. Das Instrument wurde nun auch nicht mehr ausschließlich einstimmig (punteado) gespielt, sondern auch akkordisch, in dem die Saiten überstriche wurden (rasgueado). Die Gitarre wurde nach 1600 so beliebt in Europa, dass Instrumente wie die Vihuela – eine Schwesterform der Gitarre –, Laute, Cister und die englische Gittern ins Hintertreffen gerieten. Seit dem 17. Jahrhundert widmeten sich zahlreiche Komponisten dem Instrument, so dass sich Repertoire rasch vergrößerte, und die Gitarre das Modeinstrument des ausgehenden Jahrhunderts werden konnte, wenn auch nicht in ganz Europa. Als das Instrument aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit einer weiteren Saite ausgerüstet wurde, und wenige Jahrzehnte der spanische Gitarrenbauer Antonio de Torres Jurado (* 1817, † 1892) dem Instrument die endgültige Gestalt gab, fanden sich auch Musiker, die aus der Gitarre das Instrument für Virtuosen machten: Simon Molitor, Wenzeslaus Matêjka, Mauro Giuliani, Luigi Legnani, Fernando Sor und Dionisio Aguado. Den Grundstein für die Moderne legte Francisoc Tárrega, auf dessen Technik die Virtuosen der Neuzeit, so etwa Andres Segovia, Narciso Yepes, Ida Presti, Julian Bream, Siegfried Behrend und John Williams aufbauten.

Die Gitarre gehört zu den Instrumenten, deren Spiel sich in seinen Grundzügen leicht lernen lässt, der Anfänger hat schnell Erfolg und kann einfache Lieder begleiten. Virtuoses Spiel aber, das es gestattet, die Möglichkeiten dieses so einfach gebaut erscheinenden Instrumentes in Gänze nutzen zu können, erfordert langes Lernen. Dennoch hat die Gitarre ihre Anziehungskraft im 20. Jahrhundert nicht etwa verloren, sondern noch steigern können, nicht zuletzt durch Folk, Country und Rock, deren instrumentales Rückgrat die Gitarre in all ihren Formen bildet.