Harfe

Harfe, englisch: harp, französische: harpe, italienisch: arpa, Chordophon (Saiteninstrument, Zupfinstrument), Sammelbegriff für Instrumente, bei denen mehrere Saiten in einen Bogen oder in einen etwa dreieckigen Rahmen aus Holz eingespannt sind; die Harfe ist eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit. Nach der von Erich Moritz von Hornbostel und Curt Sachs 1914 eingeführten Klassifikation ist jedes Saiteninstrument eine Harfe, bei denen die Saiten senkrecht zur Decke des Resonanzkörpers stehen.

Konzertharfe

Konzertharfe (Fotolia)

Entsprechend ihrer wahrscheinlichen, aber nicht bewiesenen Herkunft vom Musikbogen kann der Rahmen der Harfe aus einem gebogenen Stück Holz bestehen, zwischen dessen Enden eine Saite eingespannt ist. Die Zahl der Saiten wurde im Laufe der Entwicklung erhöht, wegen der auftretenden Zugkräfte der Bogen geschlossen, ein Resonanzkörper an das untere Teilstück angefügt, bis der aus drei Teilen bestehende Rahmen der Harfe sich herausgebildet hatte. So besteht eine Harfe aus einem Resonanzkasten, in dem die Saiten eingehängt sind, einem Saitenträger – auch Hals genannt -, in dem die Saiten in Stimmvorrichtungen befestigt sind und einer das untere Ende des Resonanzkörpers mit dem oberen Ende des Saitenträgers verbindender Stange. Nach ihrer Bauweise werden die Harfen somit unterteilt in Bogenharfen – bei diesen Instrumenten fehlt die Stange – und Rahmen- oder Dreiecksharfen, bei denen die Stange den Bogen schließt. Bogenharfen werden zudem nach der Form des Bogens in Flachbogen- und Tiefbogenharfen unterschieden.

Auf diesen konstruktiven Grundlagen sind im Laufe der Zeit zahllose Ausprägungen des Instrumentes entstanden, von der einfachen, mitunter noch heute in der Volksmusik gebräuchlichen diatonischen Harfe bis zur chromatischen Pedalharfe, wie sie heute in der Kunstmusik verwendet wird. Einfach Harfen haben relativ wenige, diatonisch gestimmte Saiten. Die o genannte irische oder keltische Harfe, seit dem 13. Jahrhundert als einigermaßen standardisierter Typ verbreitet, hatte 30 bis 36 Saiten. Diese wegen ihrer eher kräftig gebauten und deshalb von Curt Sachs auch als »romanische« Harfe bezeichnete Typus des Instrumentes stand etwa seit dem 15. Jahrhundert die schlanke und größere »gotische« Harfe gegenüber. Diese hatte 24 oder mehr Darmsaiten, deren Befestigung auf der Decke des Resonanzkastens aus L-förmigen Holzstiften bestand; beim Spiel schlugen die Saiten gegen das Holz dieser Stifte und fügten dem Klang ein kräftiges Geräusch hinzu.

Diese gotischen Harfen waren ebenfalls diatonisch gestimmt, doch gab es auch Instrument mit zwei Reihen von Saiten, die dann in ihrer Gesamtheit chromatisch gestimmt waren. Um chromatisches Spiel zu ermöglichen, wie es seit dem 16. Jahrhundert gefordert wurde, gab es verschiedene konstruktive Lösungen: Im einfachsten Falle waren die Saiten in einer Reihe chromatisch statt diatonische aufgezogen. Bei zweireihigem Bezug waren die Saiten wie bei einer Klaviatur angeordnet, parallel oder auch kreuzsaitig. Experimente mit dreireihigen Harfen wurden auch schon im 16. Jahrhundert durchgeführt. Bei diesen Instrumenten gab es zwei diatonische Saitenbezüge und einen chromatischen; derartige Harfen hatten bis zu 100 Saiten und waren entsprechend schwierig zu spielen.

Die große Zahl der erforderlichen Saiten – noch war bei der Harfe für jeden Ton eine separate Saite vorgesehen – führte dazu, jede einzelne Saite für zwei oder mehr Töne zu nutzen. Als erste Mechanik, mit deren Hilfe die Saiten umgestimmt werden konnte, gilt die der Manualharfe, bei der die Saiten in drehbare Haken eingehängt waren und per Hand um einen halben Ton umgestimmt werden konnte (Tiroler Hakenharfe). Der Instrumentenbauer Jakob Hochbrucker ersann um 1720 die Pedalharfe, bei der fünf, später sieben Pedale es ermöglichten, die Saiten eines bestimmten Tones einen Halbton höher zu stimmen.

Harfe-Mechanik

Verstellmechanik der Harfe (Fotolia)

Diese Idee Hochbruckers wurde in den folgenden Jahrzehnten konstruktiv verfeinert, bis Sébastien Érard (* 1772, † 1831) die Weiterentwicklung des Harfenbauers Georges Cousineau (* 1733, † 1800) aufgriff und 1810 die bis heute übliche Doppelpedalharfe baute. Bei dieser Harfe können die Pedale in drei Stellungen eingerastet, die einzelne Saite also zweimal um einen Halbton umgestimmt werden. Dazu wird jede Saite über zwei mit Stiften versehene Drehscheiben geführt. Die Drehscheiben werden über ein in der Stange eingebautes Gestänge, die so genannten Abstrakten, durch Tritt auf das jeweilige Pedal gespannt oder entspannt, was eine Tonhöhenänderung von jeweils einem Halbton zur Folge hat. Der Bezug der Doppelharfe ist diatonisch, die Ausgangsstimmung der 46 bis 48 Saiten Ges-Dur, die auf G-dur und Gis-Dur erhöht werden kann. Da jedem Ton der Ges-Dur-Leiter ein Pedal zugeordnet ist, kann auf diese Weise jeder Ton erreicht werden. Der Tonumfang der Harfe reicht von 1Ces bis gis4; das Instrument wird klingend notiert.

Harfe-Spielweise

Spielweise der Harfe (Fotolia)

Die moderne, im Orchester verwendete Doppelpedalharfe ist ein imposantes Instrument von etwa 180 Zentimetern Höhe. Die Pedale sind im so genannten Untersatz oder Pedalkasten untergebracht, in den auch der schräge Resonanzkasten mündet. Der geschwungene Mechanikbogen – in den die Stimmmechaniken und die Drehscheibenmechaniken eingebaut sind – besteht aus dem oberen Hals und dem untere Knie. Hals und Pedalkasten werden durch die Säule oder Baronstange miteinander verbunden. Zum Spiel legt der Harfenist das Instrument auf die linke Schulter, idem er es leicht zurückneigt. Gespielt wird mit Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger beider Hände, der kleine Finger wird nur bei Glissandi eingesetzt.

Als Instrument der Volksmusik hat die Harfe im Laufe der Zeit nie an Bedeutung verloren. Wenn sie auch im Rock- und Pop nur selten und dann nicht solistisch verwendet wird, so spielte sie eine kleine Rolle im Jazz (Alice Coltrane, Andreas Vollenweider). Die eigentliche Domäne des Instrumentes aber ist die europäisch geprägte Kunstmusik, in der sie seit dem 16. Jahrhundert von beinahe jedem Komponisten bedacht wurde. Im 17. Jahrhundert beschränkte sich dies noch auf ihre Verwendung als Generalbassinstrument, doch seit dem 18. Jahrhundert entstand eine umfangreiche Literatur.

Werke

Georg Friedrich Händel: Konzert B-Dur HWV 294 81736)
Wolfgang Amadeus Mozart: Doppelkonzert für Flöte, Harfe und Orchester C-Dur KV 299 (1778)
Richard Wagner Siegfried (1876; sechs Harfen)
Claude Debussy: La Mer (1905)
Igor Strawinsky: Feuervogel (1910)
Anton Webern: Sechs Stücke für Orchester op. 6 (1911)
Maurice Ravel: La Valse (1920)
Béla Bartók: Musik für Satieninstrumente, Schlagzeug und Celesta Sz 116 (1937)
Joaquin Rodrigo: Konzert-Serenade (1952)
Heitor Villa-Lobos: Konzert für Harfe und Orchester (1953)
Ernst Křenek: Sonate (1955)
Luciano Berio: Sequenza II (1964)
Benjamin Britten: Suite (1969)
Witold Lutosławski: Doppelkonzert für Oboe, Harfe und Orchester (1979/1980)

Diskografie

The Beatles: Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)
Alice Coltrane: Lord of Lords (1972)
John Coltrane: Infinity (1972)
Alan Stivell: Renaissance de la Harpe Celtique (1972)
Joanna Newsom: Ys (2006)
Andreas Vollenweider and Friends: 25 Years Live, 1982-2007

Literatur

Zingel, Hans-Joachim: Harfe und Harfenspiel vom Beginn des 16. bis ins zweite Drittel des 18. Jahrhunderts; Halle 1932, Nachdruck Frankfurt/Main 1979
Ders.: Harfenmusik – Verzeichnis der gedruckten und zur Zeit greifbaren Literatur für Pedalharfe; Hofheim 1965
Ders.: Lexikon der Harfe; Laaber 1977
Rensch, Roslyn: The Harp – Ist History, Technique, and Reperotire; Lomdon/New York 1969
Dies.: Harps and Harpists; Bloomington 1989, aktualisiert und überarbeitet 2007