Hawaii-Gitarre

Hawaii-Gitarre, englisch: Lap Steel Guitar, Chordophon (Saiteninstrument, Zupfinstrument), eine speziell für das Lap Style Playing gebaute Gitarre, eine Spielhaltung, bei der das Instrument auf dem Schoß des Instrumentalisten liegt.

Die Hawaii-Gitarre entstand Ende des 19. Jahrhunderts auf der Grundlage von Gitarre und Ukulele. Wie der Korpus der Gitarre weist auch der aus Holz gefertigte Korpus der Hawaii-Gitarre eine an eine Acht erinnernde Form auf, ist jedoch etwas kleiner und hat höhere Zargen. Der Korpus geht in einen kräftigen Hals mit flachem Griffbrett über. Die Hawaii-Gitarre hat entweder sechs oder acht Saiten, die meist auf einen A-Dur-Akkord gestimmt sind: E, A, e, a, cis1, e. Der Hals kann mit Bünden versehen sein, doch gibt es auch Instrumente, bei denen die Bünde entweder sehr flach geschliffen wurden oder aber nur aus Markierungen bestehen. Viele Musiker bevorzugen einen etwas höheren Steg, der eine höhere Saitenlage ergibt.

Die Gitarre wird im Sitzen gespielt: Der Musiker legt das Instrument auf die Oberschenkel mit nach links gerichtetem Hals (Rechtshänder). Mit einem in der linken Hand gehaltenen Stahlstab, dem so genannten Bar oder Steel – alternativ kann auch ein Stück Metall- oder Glasrohr, etwa vom Hals einer Flasche genommen werden –, verkürzt der Musiker die Saiten in gleitenden Bewegungen. Dabei werden die Saiten nicht auf das Griffbrett gedrückt. Mit der rechten Hand werden die Saiten in Schwingung gesetzt; dazu kann auch ein Plektrum verwendet werden. Auf diese Weise werden die typischen Glissandi erzeugt, die charakteristisch für die Volksmusik Hawaiis sind.

Da die Hawaii-Gitarre bald in der Unterhaltungsmusik der USA eine Rolle zu spielen begann, kamen in den 1930er-Jahren Instrumente auf, die mit Tonabnehmern versehen waren. Da die Form des Korpus bei elektrischen Instrumenten nur eine untergeordnete Rolle spielt, haben diese Gitarren meist eine mehr oder weniger rechteckige, dreieckige oder trapezförmige Gestalt; der Hals ist dabei nicht vom Korpus abgesetzt, sondern das gesamte Instrument besteht aus einem mehr oder weniger dicken Brett, auf dem ein oder zwei Tonabnehmer und das Griffbrett befestigt sind.

Als Erfinder der Hawaii-Gitarre gilt der Hawaiianer Joseph Kekuku (* 1874, † 1932), der um 1895 die Spielweise entwickelte, in dem er mit dem Rücken eines Messers über die Saiten seiner Gitarre fuhr. Grundsätzlich ist die Spielweise zwar mit jeder Gitarre möglich, doch stellt die Hawaii-Gitarre eine technische Anpassung an die besondere Spielweise dar. Aus der Hawaii-Gitarre, die auch Lap Steel Guitar genannt wird, hat sich die vor allem in der Country Music der USA gebräuchliche Pedal Steel Guitar entwickelt.

Die Hawaii-Gitarre gehört spätestens seit den 1920er-Jahren zum Instrumentarium der amerikanischen Popmusik. Es gibt auch einige Rockmusiker – etwa Ry Cooder und David Lindley –, die das Instrument gelegentlich einsetzten.