Kontrabass

Kontrabass, englisch: Double Bass, auch Upright Bass, französisch: Contrebasse, italienisch: contrabasso, größtes und mit einem bis in den Subkontrabereich reichenden Tonumfang tiefstes Instrument der Streichinstrumente; der Kontrabass gehört weder zu den Violinen noch zu den Gamben, da er in seinem Bau Merkmale beider Instrumente vereinigt und wie die Violinen in aller Regel vier Saiten trägt, die aber nicht in Quinten, sondern wie bei der Gambe in Quarten gestimmt sind. Der umgangssprachlich auch gebrauchte Name Bassgeige als Bezeichnung ist falsch, da eine Bassgeige sehr viel kleiner ist und zu den Violen da Braccio gehört.

Kontrabass

Kontrabass (Fotolia)

Die äußere Gestalt des Kontrabasses erinnert an die der Gamben: fallende Schultern, kein Randüberstand von Decke und Boden, oft flacher Boden mit einem im oberen Bereich des Bodens deutlichen Knick zum Hals hin. Tatsächlich entstand der Kontrabass im 16. Jahrhundert aus der Gambe und wurde wie diese auch noch mit Bünden ausgestattet; noch Mitte des 18. Jahrhunderts waren mit Bünden versehene Kontrabässe durchaus Standard. Schon aus praktischen Gründen wurde die Gambenbauweise fortgeführt, ermöglicht der im oberen Bereich schlankere Bau doch ein leichteres Spiel des Kontrabasses. Dennoch gibt es Kontrabässe, die auch im oberen Bereich des Korpus eine an die Violine angelehnte Form zeigen.

Der Kontrabass kann mit einer Länge zwischen etwa 178 und 202 Zentimeter seinen Spieler leicht überragen. Dabei erreichen auch die Maße des Korpus beachtliche Größen, so dass das Instrument auch in kleineren Größen als beispielsweise ½-Bass und ¾-Bass gebaut wird. Immer wieder wurde auch mit noch größeren Streichbässen experimentiert bis hin zu den fast dreieinhalb Meter großen Octobässen des französischen Geigenbauers Jean Baptiste Vuillaume, bei denen ein Spieler die drei Saiten mittels einer Mechanik auf das Griffbrett drückte, während ein zweiter die Saiten strich.

Als Material kommt für den Kontrabassbau wie beim Violinbau Ahorn für Hals, Boden und Zarge, Fichte für die Decke in Verwendung, doch kann der Korpus auch ganz oder teilweise (Boden, Zarge) aus Sperrholz bestehen. Anders als die Gamben haben Kontrabässe die f-Löcher der Violinen. Wegen seiner Größe steht der Kontrabass auf dem Boden, weshalb in die Zarge ein kurzer Stachel eingebaut ist. Der Spieler steht oder sitzt auf einem hohen Hocker.

Kontrabässe gibt es in viersaitiger und fünfsaitiger Ausführung, in der Volksmusik findet man gelegentlich auch dreisaitige Kontrabässe. Die vier oder fünf über einen Steg aus Ahorn laufenden Saiten werden in Quarten auf 1E-1A-D-G gestimmt, bei fünfsaitigen Kontrabässen kommt eine tiefere Saite hinzu, die entweder in 1C oder 2H gestimmt ist. Bei manchen Kontrabässen kann die E-Saite durch eine Mechanik vorübergehend verlängert werden und somit tiefere Töne erzeugen. Der Tonumfang des Instrumentes reicht von 1E beziehungsweise 2H oder 1C bis g1; die Stimmen für das Instrument werden eine Oktave höher notiert, als es klingt. Fünfsaitige Kontrabässe sind in modernen Sinfonieorchestern mittlerweile gängige Forderung, während in allen anderen Bereichen der Musik, also auch in Jazz, Rock und Volksmusik, der viersaitige Kontrabass dominiert.

Die Saiten des Kontrabasses werden mit einem Bogen gestrichen, wobei sich zwischen Frankreich dun Deutschland signifikante Unterscheide herausgebildet haben: In Frankreich wird ein schlanker Bogen, der im Obergriff gehalten wird, bevorzugt, während deutsche Kontrabassisten einen etwas größeren Bogen benutzen, der aufgrund seiner Bauweise leicht im Untergriff – also mit dem Frosch in der Handfläche – gehalten werden kann. Bei der Grifftechnik der linken Hand hat sich zumindest im Bereich der traditionellen Kunstmusik die auf die Kontrabassisten Josef Hrabe und Franz Simandl zurückgehende »Simandl-Technik« durchgesetzt, bei der die Finger Zeigefinger – Mittel- und Ringfinger – kleiner Finger – so gespreizt werden, dass zwischen Zeigefinger und kleinem Finger auf der Saite eine große Sekunde liegt.

Kontrabass-pizzicato

Kontrabass, pizzicato (Fotolia)

Während ein einzelner Kontrabass beim Streichen erstaunlich leise klingt, ist die Wucht des Zusammenklangs von mehreren Instrumenten ebenso frappierend. Im Pizzicato produziert der Kontrabass einen beeindruckenden Klangstoß. Diese Spielweise ist im Jazz die übliche. Eine besondere Technik des Bassspiels ist die so genannte Schlagbass-Technik, die etwa im frühen Jazz und im Rockabilly verwendet wird: Dabei wird die Saite vom Griffbrett weggezogen und schnellt nach Loslassen gegen das Griffbrett; dabei entsteht nicht nur der gegriffene Ton, sondern gleichzeitig ein perkussives, sehr durchsetzungsfähiges Geräusch.

Zwar ist der Kontrabass ist nicht von vornherein ein Solo-Instrument und selbst in der Kammermusik eher selten vertreten, doch trotzten seine Spieler dem Instrument ungeahnte Beweglichkeit ab, die zur Komposition von Solokonzerten führte. So schrieben etwa Carl Ditter von Dittersdorf, Johann Baptist Vanhal und Franz Anton Hoffmeister Konzerte für den Bass, aber auch virtuose Kontrabassisten quasi für sich selbst, darunter die Bassisten Johann Matthias Sperger, Domenico Dragonetti und Sergej Alxandrowitsch Kussewizki.

Im Jazz löste im Laufe der 1920-Jahre der Kontrabass die Tuba als Bassinstrument ab. Seitdem emanzipierte sich der Bass vom bloßen Begleitinstrument in der Rhythmusgruppe zu einem zentralen Instrument des Jazz. Bassisten wie Jimmy Blanton, Ray Brown, Oscar Pettiford, Charles Mingus, Ray Brown, Percy Heath, Paul Chambers, John Pattitucci, Nils-Henning Ørstedt Pedersen, Ron Carter und viele andere. Im Rock dagegen ist der Kontrabass nach 1960 nur selten zu hören, meist wegen seines singenden, mit der Assoziation »warm« verbundenen Klanges, der von der elektrischen Bassgitarre nicht erreicht werden.