Laute

Laute, von arabisch al’ud für »das Holz, Instrument aus Holz«, spanisch: laúd, italienisch: liuto, französisch: Luth, englisch: luet, Chordophone (Saiteninstrument, Zupfinstrument, Streichinstrument)

1) Nach der von Erich Moritz von Hornbostel und Curt Sachs aufgestellten Klassifikation Bezeichnung der Oberklasse aller Instrumente, bei denen ein Hals untrennbar mit dem Resonanzkörper verbunden ist, die Saiten des Instrumentes nebeneinander parallel zur Decke des Instrumentes verlaufen und am Korpus einerseits, am Ende des Halses andererseits befestigt sind. Die Lauten wiederum werden nach verschiedenen anderen Merkmalen weiter unterschieden in Langhalslauten, Bogenlauten, Jochlauten und Stiellauten.

In diesem Sinne ist also nicht nur die eigentliche Laute eine Laute, sondern auch deren nahen Verwandten (Theorbe, Chitarrone), weiterhin die Gitarre, die elektrische Gitarre, aber auch die Violine und die Gambe.

Laute

Laute (Fotolia)

2) In engerem Sinne die Bezeichnung für ein aus Holz gefertigtes Instrument mit einem bauchigen Korpus, flacher Decke, relativ kurzem Hals und abgeknickten Wirbelkasten. Der etwa birnenförmige Korpus wird aus mehreren Spänen zusammengesetzt, während die Decke in der Regel aus einem Stück Fichtenholz besteht. Die Decke ist mit einem, oft auch mehreren Schalllöchern unterschiedlicher Größe versehen, in die verzierte Rosette eingesetzt sind. Auf den Hals ist ein mit Bünden versehenes Griffbrett aus Hartholz aufgeleimt. Die Saiten verlaufen über einen auf der Decke befestigten Querriegel mit eingesetztem Steg über das Griffbrett zu den Stimmwirbeln im Wirbelkasten.

Im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte wurde die Saitenzahl der Laute ständig erhöht: Hatten die Instrumente im 14. Jahrhundert noch vier Saitenchöre mit je zwei Saiten, so waren es später zunächst fünf Saitenchöre, ab dem 16. Jahrhundert kam eine einzelne sechste als höchste Saite hinzu. Die drei tieferen Saitechöre waren mit Saiten im Oktavabstand bezogen, die nächsten beiden höheren im Einklang. Bis Anfang des 17. Jahrhunderts hatte sich eine komplette Familie herausgebildet, zu der nach Praetorius´»Syntagma Musicum« sieben Größen gehörten: Groß Octav Bass Laut (tiefste Saite 1G), Bass (D), Tenor Laute (E), Alt Laute (G), Discant Laut (A), Klein Discant Laut (H) und Kleine Octav Laut (c oder d); alle diese Instrument hatten sechs in symmetrischem Quart-Sext-Abstand gestimmte Saitenchöre.

In der Folge wurden die Instrumente mit zusätzlichen Basssaiten versehen, der Hals stark verlängert und ein zweiter Wirbelkasten angefügt (Erzlauten). Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde die Zahl der Saitenchöre bis auf 14 erhöht, bis die elfchörige Laute sich als eine Art Standardinstrument durchsetzte. Mitte des Jahrhunderts hatte der französische Lautenist Denis Gaultier (* 1697 oder 1603, † 1672) mit dem »nouveau accord« eine neue Stimmung für die Laute etablieren können. Bei dieser Barock- oder auch d-Moll-Stimmung bezeichneten Stimmung werden die Spielsaiten auf die Töne a, d, f, a, d1, f1 gestimmt. Eine Besonderheit stellt die so genannte Gitarrenlaute dar, die zwar wie eine Laute gebaut, ansonsten aber wie eine Gitarre ausgestattet ist: Ihre sechs einfachen Saiten sind wie die einer Gitarre gestimmt und erlauben es dadurch auch Gitarristen, dieses Instrument ohne weiteres spielen zu können.

Spätestens seit Mitte des 18. Jahrhunderts verlor die Laute ihre bis dahin zentrale Stellung als das Instrument, dessen Beherrschung Teil der Bildung war. Trotz der Fülle an Kompositionen, die im Laufe der Jahrhunderte für das Instrument entstanden waren, konzentrierte sich das Interesse von Komponisten, Musikern und Publikum auf andere Instrumente. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwachte das Interesse an dem Instrument wieder, es wurde die Gitarrenlaute als »moderne Laute« geschaffen. Seit den 1930er-Jahren erfuhr die Laute in ihren historischen Formen eine Renaissance und ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs fester Bestandteil in der um historisch authentisch Aufführung von Renaissance- und Barockmusik bemühten Musik. Im Zuge dieser Entwicklung werden auch neue Lauten als Kopien alter Instrumente gebaut.