Shamisen

Shamisen, das, Chordophon (Saiteninstrument, Zupfinstrument), japanische Laute mit drei Saiten

Das Shamisen hat einen relativ kleinen, rechteckigen Korpus, der aus vier leicht gebogenen Brettchen aus Eichen-, Quitten- oder Pflaumenbaumholz zusammengefügt wird. Die dabei entstehende Zarge wird auf beiden offenen Seiten mit Katzen- oder Hundehaut bespannt. An der Stelle, wo die Saiten mit einem Plektrum angerissen werden, ist zur Verstärkung ein halbrundes Stück Haut zusätzlich aufgeklebt. Gemessen an der Größe des Korpus’  ist der durch den Korpus gesteckte und jederzeit demontierbare Hals mit etwa 88 Zentimeter Länge sehr lang. Der Hals ist sehr schmal, doch gibt es drei Varianten in der Breite, je nachdem, welche Art der Tongebung erreicht werden soll. Unterschieden werden breite, eher »dunkel« klingende (futazao), mittelbreite (chuzao) und schlankhalsige, eher »hell« klingende Instrumente (hosozao).  Die drei Saiten sind an der unteren Zargenwand befestigt und laufen über einen Steg, das bundlose Griffbrett und einen Sattel aus Metall zu den drei rechtwinklig am Hals befestigten Stimmwirbeln; die untere Saite wird am Steg vorbei direkt zu einem Wirbel geführt. Für das Shamisen sind drei Stimmungen üblich. E, e1, h1 (honchosi), h, fis1, h1 (niagari) und h, e1, a1 (sansagari). Das Instrument wird im Sitzen gespielt wobei der Korpus auf den Oberschenkelen des Spielers ruht. Die Saiten werden mit einem recht großen annähernd fächerartig geformten Plektrum angerissen, während die Saiten mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der linken Hand gegriffen und gedämpft werden. Das bundlose Griffbrett erlaubt diverse Möglichkeiten der Tongebung wie Portamenti und Glissandi. Von großer Bedeutung für den Klang des Shamisens ist auch eine Erhöhung am Hals kurz vor dem Sattel: Die tiefste, Saite, die am Sattel vorbeigeführt wird, schlägt auf diese Erhöhung, wenn sie in Schwingung versetzt wird. Dieser Effekt wird als sawari bezeichnet.

Ein sehr großes Shamisen, das Gidayu-bushi-Shamisen, wird im Puppentheater verwendet. Dieses Instrument hat einen sehr hohen Steg, der auf der stets aus Hundehaut hergestellten Korpusdecke steht.

Das Shamisen hat etwa seit dem 16. Jahrhundert als Ensemble-Instrument eine zentrale Aufgabe in der klassischen Musik Japans und ist darin eng mit der Literatur und besonders dem Kabuki-Theater verbunden. Die älteste Kunstmusik für das Shamisen, die so genannten »zusammengefügten Gesängen« (Shamisen-kumiuta), stammt von blinden Musikern und wurde im 18. Jahrhundert in Kyoto und Osaka als Grundlage der so genannten hauta verwendet. Das klassische Spiel des Shamisen kann heute noch an Musikakademien studiert werden. Andererseits fand das Instrument auch einen Platz in der japanischen Popmusik.

Diskografie

Diverse Interpreten: Shamisen I – Japanese Traditional Music (2002)
Yoshida Brothers: Prism (2009)

 

Literatur

Harich-Schneider, Eta: A History of Japanese Music; London 1973.
Johnson, Henry: The Shamisen – Tradition and Diversity; Leiden/Boston 2009